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11:42 10.01.2013
US-Präsident Barack Obama begrüßt den afghanischen Staatschef Karsai in Washington. Quelle: dpa
Neu Delhi

Die Beziehung begann voller Zuneigung, inzwischen ist sie zur Notgemeinschaft verkümmert. Lange her sind die Zeiten, als der damalige US-Präsident George W. Bush seinen afghanischen Amtskollegen Hamid Karsai einen „starken Führer“ nannte. Karsai dankte es, indem er von Bush als einem „großen Freund“ sprach, der Afghanistan befreit habe. Wenn Karsai an diesem Freitag in Washington US-Präsident Barack Obama trifft, dürfte die Atmosphäre weniger herzlich sein. Von der Erfolgsgeschichte, als die Bush den Afghanistan-Einsatz darstellte, ist nicht mehr viel übrig.

Inzwischen geht es darum, den Krieg nicht zu verlieren. Deswegen ist der von den USA nun angedrohte vollständige Abzug nach dem Ende des Einsatzes der Schutztruppe Isaf 2014 unwahrscheinlich. Selbst das Auswärtige Amt in Berlin sprach von einer Option „fern jeder Realisierung“. Brächen die USA ihre Zelte ab, müssten auch die Soldaten aller anderen Nationen ihr Marschgepäck schultern. Ein internationaler Einsatz ohne die Amerikaner, die mehr als zwei Drittel der ausländischen Soldaten stellen, ist undenkbar.

Mit einem vollständigen Abzug würden die USA die Maximalforderung der Taliban erfüllen, die sie zuvor aus gutem Grund stets als indiskutabel bezeichneten. Die afghanischen Sicherheitskräfte werden auch nach 2014 nicht ohne internationale Unterstützung für Stabilität sorgen können. Derzeit ist nach Pentagon-Einschätzung nur eine von 23 Armeebrigaden in der Lage, alleine zu operieren. Dass die Taliban bis 2014 nicht besiegt sein werden, räumen längst auch Nato-Generäle ein.

Ohne schlagkräftige Sicherheitskräfte wäre der Sturz der mehr oder weniger demokratisch gewählten Regierung in Kabul nur eine Frage der Zeit. Dann würde ein Bürgerkrieg wahrscheinlich, in dem die Taliban wieder weite Teile des Landes übernehmen dürften. Al-Kaida könnte wieder Fuß fassen und Afghanistan erneut zur Operationszentrale des internationalen Terrorismus werden. Der Einsatz, der bislang mehr als 3000 ausländische Soldaten das Leben kostete, wäre gescheitert.

Das wollen die Amerikaner auf keinen Fall. Daher liegt der Schluss nahe, dass sie mit der neuen Abzugsoption den Einsatz im Poker mit Karsai erhöhen. Eine zentrale Forderung Washingtons und der Nato, über die Obama und Karsai nun diskutieren werden: Dass Afghanistan ausländischen Soldaten auch bei Folgeeinsätzen ab 2015 Schutz vor Strafverfolgung zusichert. Westliche Experten sprechen von einem „Deal Breaker“: Ohne Immunität keine neuen Einsätze.

Karsai, der 2014 abritt, will als Vermächtnis keinen Bürgerkrieg hinterlassen. Er will sich aber von den USA auch nicht mehr gängeln lassen. Immer vehementer kritisiert er Auftreten und Wirken der Amerikaner in seinem Land. Karsais Stabschef Abdul Karim Khurram sagte der „Washington Post“ vor dem USA-Besuch, der Militäreinsatz „hat die Lage nicht verbessert, sondern verschlechtert“. Khurram fügte selbstbewusst hinzu: „Die Welt braucht uns mehr als wir sie.“

Im vergangenen Jahr trieben die zunehmend verhassten Amerikaner die Afghanen mit einer ganzen Reihe von Skandalen auf die Barrikaden. Im Januar tauchte ein Video auf, das zeigt, wie amerikanische Soldaten auf tote Taliban-Kämpfer urinieren. Im Februar wurden auf der US-Basis in Bagram Koranexemplare verbrannt. Im März soll ein US-Soldat im südafghanischen Kandahar 17 afghanische Zivilisten ermordet zu haben, darunter viele Kinder. Nach dem Massaker forderte das Parlament Karsai auf, das derzeitige Truppenstatut-Abkommen aufzukündigen, in dem die Immunität der Soldaten verankert ist.

Karsai folgte dem nicht, ließ aber immer wieder durchblicken, dass er unzufrieden mit dem Status quo ist. Im vergangenen Monat sagte er zwar, er sei bereit dazu, den Amerikanern auch bei einem Folgeeinsatz Immunität zuzusichern - aber nur unter Bedingungen. So müssten die USA Afghanistans Souveränität respektieren, alle ihre Gefängnisse in Afghanistan schließen, die Kontrolle über den afghanischen Luftraum übergeben und Angriffe in afghanischen Dörfern einstellen.

Wahrscheinlich ist, dass die Amerikaner – deren neues Truppenstatut-Abkommen als Blaupause für das der Nato dienen soll - Karsai dazu bringen werden, seine Forderungen abzuspecken. Dass die USA notfalls allerdings auch zu drastischen Schritten bereit sind, bewiesen sie im Irak. Dort zogen sie ihr letztes Kontingent 2011 kurzfristig ab - weil sich die irakische Regierung geweigert hatte, den Soldaten weiterhin Immunität zuzusichern.

dpa

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