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Politik Nach „Eurofighter“-Absturz: AfD-Politiker sorgt mit Tweet für Shitstorm
Mehr Welt Politik Nach „Eurofighter“-Absturz: AfD-Politiker sorgt mit Tweet für Shitstorm
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13:07 25.06.2019
Ein brennendes Flugzeug des Typs "Eurofighter ist am Himmel über der Kleinstadt an der Mecklenburgischen Seenplatte zu sehen. Quelle: Thomas Steffan/dpa
Berlin/Waren

Am Tag nach dem Absturz von zwei „Eurofighter“-Jets in Mecklenburg-Vorpommern beginnt nun die Aufarbeitung der Tragödie.

Während die Bundeswehr die Ursachen des Absturzes untersucht und Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) ihre Betroffenheit zum Ausdruck bringt, fordern Politiker der Region Konsequenzen aus dem Unglück. Ein AfD-Politiker vergreift sich im Ton und muss zurückrudern.

Viel Kritik für hämischen Tweet von AfD-Politiker

Mit einem hämischen Tweet hat der AfD-Politiker Udo Hemmelgarn nach dem Absturz der Eurofighter Kritik ausgelöst. „Jetzt haben wir noch ein taugliches Flugzeug! Das „Gute“ daran ist, das es in der Zukunft keine weiteren Zusammenstöße in der Luft geben wird!“, schrieb der Bundestagsabgeordnete nach dem Unfall am Montag auf Twitter.

FDP-Fraktionsvize Alexander Graf Lambsdorff forderte Hemmelgarn daraufhin auf, sein Mandat niederzulegen. „Sie sind nicht würdig, über Einsätze unserer Soldaten und Soldatinnen abzustimmen“, schrieb der Abgeordnete per Twitter.

Auch mehrere private Nutzer kritisierten die Äußerung Hemmelgarns.

Dieser rechtfertigte sich mit dem Hinweis, dass zum Zeitpunkt seines Tweets die Informationslage noch darauf schließen ließ, dass die beiden Piloten „gerettet“ worden seien.

Nachdem die Luftwaffe am Nachmittag den Tod eines Piloten bekannt gegeben hatte, löschte der AfD-Politiker seinen Post und sprach den Angehörigen daraufhin sein Beileid aus.

Verzicht auf Übungstiefflüge in Urlaubsregionen

Der Bürgermeister von Waren an der Müritz, Norbert Möller (SPD), hat sich für einen Verzicht auf militärische Übungstiefflüge in Urlauberregionen ausgesprochen. „Viele Touristen haben kein Verständnis dafür, dass ausgerechnet rings um die Müritz solche Tiefflüge geübt werden“, sagte Möller.

Die Region um das Heilbad, zu der auch die vom Absturz betroffenen Dörfer gehören, gilt mit Hunderttausenden Gästen als touristisches Schwergewicht im Nordosten. „Man darf das gar nicht zu Ende denken, aber wir sind alle nochmal mit einem blauen Auge davongekommen“, erklärte Möller.

Sein Mitgefühl gelte den Familien der betroffenen Piloten, sagte der Bürgermeister. Ihm sei zwar klar, dass die Flieger irgendwo üben müssten. Man solle aber prüfen, ob gerade Tiefflüge über dem größten deutschen Binnensee und den umliegenden Gewässern abgehalten werden müssten.

Auch die Bürgermeisterin von Silz und Nossentin, Almuth Köhler (CDU), wo eines der verunglückten Flugzeuge abstürzte, forderte eine Prüfung für Tiefflüge. „Unser Campingplatz und eine Ferienhaussiedlung am Fleesensee sind gerade voll besetzt.“

Bei Luftkampfübungen waren am Montag zwei Eurofighter über der Müritz-Region zusammengestoßen und abgestürzt. Ein Pilot wurde getötet, der zweite überlebte das Unglück und kam verletzt in ein Krankenhaus.

„Irgendwann musste ja mal was passieren“

Der Hafenmeister des SBS Yachthafenresorts Fleesensee, Oliver Kusay, hat den Absturz der „Eurofighter“ aus nächster Nähe miterlebt - in etwa vier Kilometern Entfernung vom gegenüberliegenden Ufer des Sees.

„Wir saßen gerade im Restaurant beim Mittag, als uns ein lauter Knall aufschreckte. Sekunden später ging ein Feuerball nieder und verschwand dann im Wald“, berichtete der 38-Jährige am Montag. Minutenlang sei dann noch ein Fallschirm am Himmel zu sehen gewesen, mit dem sich der Pilot offensichtlich habe retten können.

Kusay zeigte sich nicht überrascht von den Unglück. „Die spielen hier öfter mal Fangen. Irgendwann musste ja mal was passieren“, sagte der Bootsverleiher, der keinen Hehl daraus machte, dass ihm die Flugübungen der Düsenjets vor allem im Sommer nicht gefallen.

Bootsführer, Radfahrer und Camper kämen wegen der unberührten Natur und der ungestörten Ruhe in die seenreiche Müritzregion. „Da findet man es nicht so gut, wenn man durch Kampfflieger aufgeschreckt wird, die die Schallmauer durchbrechen“, sagte Kusay.

Nur glücklichen Umständen sei es zu verdanken, dass die Trümmerteile der „Eurofighter“ über unbewohnten Gebieten niedergegangen seien und nicht auf Dörfer, Hotels oder Zeltplätze. In der Region gibt es zahlreiche, zum Sommerbeginn schon gut belegte Hotels, Pensionen und Campingplätze.

Lesen Sie mehr: Hintergrund: Das müssen Sie über den „Eurofighter“ wissen

Von RND/dpa/eti

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