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Politik Äthiopiens Regierung schlägt Putschversuch nieder
Mehr Welt Politik Äthiopiens Regierung schlägt Putschversuch nieder
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15:46 23.06.2019
Bei diesem Standbild aus einem Video von ETV spricht Abiy Ahmed Ali, Ministerpräsident von Äthiopien, über den Putschversuch. Quelle: Uncredited/ETV/AP/dpa
Addis Abeba

In Äthiopien ist nach Angaben der Regierung ein Putschversuch gegen Ministerpräsident Abiy Ahmed gescheitert. Das teilte Abiy am Sonntag selbst im staatlichen Fernsehen mit. Er trug dabei einen militärischen Kampfanzug. Es habe Tote und Verletzte gegeben, Zentrum des Putsches sei die Hauptstadt der Region Amhara, Bahir Dar, gewesen.

Abiys Sprecher Nigussu Tilahun sagte auf einer Pressekonferenz, Soldaten unter Führung eines abtrünnigen Brigadegenerals hätten am Samstag eine Regionalversammlung angegriffen und mehrere Teilnehmer, darunter Regionalpräsident Ambachew Mekonnen und mindestens zwei weitere Personen, getötet. Die meisten Angreifer seien später festgenommen worden, nach den übrigen werde gefahndet.

Der mutmaßliche Anführer sei wegen mehrerer Verstöße im Gefängnis gewesen und erst kürzlich von Abiy begnadigt worden, sagte Nigussu. Nach dem Angriff in Bahir Dar sei am Samstagabend der Militärchef, General Seare Mekonnen, in seinem Haus in Addis Abeba von seinem Leibwächter getötet worden.

Auch ein pensionierter General, der ihn besucht habe, sei bei diesem Attentat getötet worden. Der Angriff auf die Regionalversammlung und das Attentat in Addis Abeba seien beide Teil des Putschplans gewesen, hieß es weiter.

Reformen des Ministerpräsidenten fanden große Unterstützung bei Bevölkerung

Die US-Botschaft in Addis Abeba teilte mit, es seien am Samstag Schüsse in der Hauptstadt gehört worden. Sie rief Menschen in der Stadt zur Vorsicht auf. Einwohner Bahir Dars sagten der Nachrichtenagentur AP, sie hätten noch am Samstagabend Schüsse gehört. Das Internet schien am Sonntag in Äthiopien unterbrochen zu sein.

Der Putschversuch ist eine weitere Herausforderung für den reformfreudigen Ministerpräsidenten, der seit seinem Amtsantritt im April 2018 politische und wirtschaftliche Reformen einleitete und einen Friedensprozess mit dem lange verfeindeten Eritrea vorantrieb.

Abiys Reformen, darunter die Freilassung Tausender politischer Gefangener, fanden große Unterstützung in der Bevölkerung, es gab aber auch mindestens eine gewaltsame Aktion gegen ihn und seine Regierung: Im Juni 2018 wurde auf ihn bei einer großen Demonstration zur Unterstützung seines Kurses eine Handgranate geworfen, es gab Tote und Verletzte. Neun Polizisten wurden danach verhaftet, berichteten Staatsmedien.

Im Oktober rebellierten Soldaten in einem Disput über ihre Bezahlung. Die äthiopischen Streitkräfte gehören zu den größten in Afrika.

Von RND/AP