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Politik „Ärzte ohne Grenzen“ sind für viele die letzte Rettung
Mehr Welt Politik „Ärzte ohne Grenzen“ sind für viele die letzte Rettung
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18:03 21.12.2012
Dr. Tankred Stöbe von „Ärzte ohne Grenzen“ war in Syrien direkt im Einsatz. Quelle: HAZ
Berlin

Ist das syrische Bürgerkriegsgebiet eines, das man als routinierter Blaulichtmediziner bewältigt?

Tankred Stöbe: Nein. Es ist im Moment sehr, sehr schwierig, in Syrien als internationaler humanitärer Helfer zu arbeiten. Die Sicherheitslage ist äußerst kritisch. Medizinische Einrichtungen, medizinische Helfer werden direkt attackiert. Das Völkerrecht gilt dort nichts. Wir haben im Norden des Landes vier Kliniken, in denen wir Hilfe anbieten. Wo genau, können wir aus Sicherheitsgründen nicht sagen. Im Moment ist es fast nur möglich, in den Gebieten der Opposition zu arbeiten, aber eben unter schwierigen Sicherheitsbedingungen.

Sind die internationalen Helfer für Syrien überlebensnotwendig?

Die medizinische Not ist größer geworden, vor allem was kriegschirurgische Behandlungen angeht.  Die medizinischen Kräfte in Syrien sind stark reduziert, weil viele nicht mehr leben oder weil auch sie geflüchtet sind. Oft bieten die internationalen Helfer das einzige Behandlungsangebot für die kriegsverletzten Menschen. Für viele Opfer mit Schuss- oder Bombenverletzungen gibt es aber nur Hilfe, wenn sie schnell erfolgt, sonst sterben sie.
Was können Mediziner wie lange in Syrien noch tun?

Die humanitäre Hilfe in Syrien muss deutlich ausgebaut werden. Wir haben zum Beispiel in einem Gebiet gearbeitet, in dem Tag und Nacht Bomben fielen. Wir mussten dabei den Schlafplatz ständig wechseln, um eine relative Sicherheit zu haben. Wir fordern daher, dass nicht nur von der Opposition, sondern auch von der Regierung humanitäre Hilfe zugelassen wird. Zivilisten dürfen nicht länger angegriffen werden. Wir haben es in Syrien mit unerträglichen Zuständen zu tun. Und die Not nimmt täglich weiter zu.

Wie können Menschen helfen, die nicht Mediziner sind?

Wichtig sind Berichte über die Notlage. Die Hilfsorganisationen sind auf Spenden angewiesen. Und die Vereinten Nationen müssen schnell zu einer einvernehmlichen Haltung finden.

Bundesentwicklungsminister Niebel reist unmittelbar vor Weihnachten in das Flüchtlingslager bei Beirut. Ist das ein gutes, ein richtiges Zeichen?

Wichtig aus unserer Sicht ist, dass humanitäre Hilfe geleistet wird. Das muss neutral, überparteilich und überall im Land stattfinden. Hilfe darf nicht ethnisch, regional oder religiös beschränkt erfolgen. Sie muss sich an der in Syrien dramatischen Not orientieren. Versorgt werden müssen auch die vielen syrischen Flüchtlinge in den Nachbarstaaten. Diese Flüchtlingslager haben die Kapazitätsgrenzen oft schon weit überschritten.

Ich meine, dass auch die deutsche Regierung mehr Initiative für Humanitäre Hilfe entwickeln muss, auch in der Flüchtlingsfrage. Die Menschen, die ich in Syrien getroffen habe, sind vollkommen resigniert. Sie setzen auf den Druck von außen. Wer Hilfe leistet, darf diese bei der Flüchtlingsaufnahme beispielsweise nicht nur auf Menschen einer bestimmten Glaubensrichtung beschränken. So trägt man zur Konfliktverschärfung bei.

Interview: Dieter Wonka

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