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Politik Ärzte fühlen sich verleumdet
Mehr Welt Politik Ärzte fühlen sich verleumdet
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19:40 03.09.2009
Von Bernd Knebel
Quelle: ddp (Archiv)
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Jetzt die Ärzte unter Generalverdacht zu stellen sei unsäglich.

Der oberste Kassenarzt wies darauf hin, dass vertraglich geregelte Zusammenarbeit von niedergelassenen Ärzten und Krankenhäusern bei der Behandlung von Patienten gewollt und ganz legal sei. Nicht zulässig seien Prämien, die ohne Leistung nur für die Einweisung gezahlt würden, sagte Köhler. Diesen Fällen gingen die Ärztekammern nach.

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Der NAV-Virchow-Bund der niedergelassenen Ärzte bezeichnete die Berichte als „Verleumdungskampagne von noch nie dagewesenem Ausmaß“, so der Verbandsvorsitzende Klaus Bittmann. Der Vizepräsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery, verdächtigte in der „Frankfurter Rundschau“ die Krankenhausgesellschaft, die Debatte über die sogenannten Kopf- oder Fangprämien angestoßen zu haben. So sollten die Honorarforderungen der Ärzte für ihre legale Zusammenarbeit mit den Krankenhäusern gedrückt werden.

Der Vorsitzende des Ärzteverbandes Hartmannbund, Kuno Winn, sagte: Wenn in ersten Reaktionen Schätzungen von 20 bis 30 Prozent zweifelhafter Zuweisungspraktiken in Umlauf gebracht würden, dann sei dies vor dem Hintergrund der Brisanz des Themas entweder grob fahrlässig oder man müsse sich fragen, warum solche Erkenntnisse nicht schon längst zu entsprechenden Konsequenzen geführt hätten. Die Barmer Ersatzkasse verlangte die öffentliche Bekanntmachung von „Ärzten und Kliniken, die in den Korruptionsskandal über Fangprämien verwickelt sind“. Die stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Barmer, Birgit Fischer, sagte zur Begründung: „Jeder Versicherte hat das Recht zu erfahren, welchen Ärzten und Krankenhäusern er vertrauen kann.“ Die Aufdeckung der Fangprämien schüre den Verdacht, „dass es den Leistungserbringern immer mehr ums Geld und weniger um die Qualität der medizinischen Versorgung und die Patientensicherheit geht.“

Der Sozialverband Deutschland forderte, die Ärztekammern könnten und müssten berufsrechtlich gegen schwarze Schafe vorgehen. „Bestechung im Gesundheitswesen muss darüber hinaus auch strafrechtlich verfolgt werden“, sagte Verbandspräsident Adolf Bauer. Wenn es Gesetzeslücken gebe, müssten diese geschlossen werden. Der Staatssekretär im Gesundheitsministerium, Klaus Theo Schröder, sagte im ARD-Morgenmagazin“ hingegen, das bestehende Recht sei völlig klar.

Klaus Wallbaum 03.09.2009