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Politik Schadstoff-Alarm: Diese Städte haben 2018 den Stickoxid-Grenzwert überschritten
Mehr Welt Politik Schadstoff-Alarm: Diese Städte haben 2018 den Stickoxid-Grenzwert überschritten
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13:46 31.01.2019
In 23 deutschen Städten wurde der EU-Stickoxid-Grenzwert nicht eingehalten. Quelle: RND
Berlin

Nirgendwo in Deutschland ist die Stickoxid-Belastung so hoch wie in Stuttgart. Und zwar an der Messstation „Am Neckartor“ in der Innenstadt. Dort wurden im vergangenen Jahr im Schnitt 71 Mikrogramm NOx je Kubikmeter Luft gemessen. Zum Vergleich: 2017 lag der Wert dort bei 73, 2016 bei 82 und 2015 bei 87.

Trotz des Rückgangs: Die Schwabenmetropole hat bei der Schadstoffreduzierung noch einen weiten Weg vor sich, bleibt unverändert weit oberhalb des EU-Grenzwerts von 40 Mikrogramm je Kubikmeter Luft.

Nachzulesen ist das in der Liste des Umweltbundesamtes mit den neuen Jahresmittelwerten für die Stickoxid-Belastung in Deutschlands Städte, die an diesem Donnerstag veröffentlicht werden soll. Dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) lagen die Zahlen vorab vor.

Das Datenkonvolut zeigt vor allem eines: Immer noch überschreiten fast zwei Dutzend Städte den EU-Grenzwert.

Die Grafik zeigt alle Messstationen in Deutschland, für die bereits Daten ausgewertet sind (rosa/rot = über Grenzwert, grün = unter Grenzwert):

23 Städte oberhalb der 40-Mikrogramm-Marke

Die Befunde dürften die Debatte über Fahrverbote, Grenzwerte und Messstationen weiter anheizen. Sie geben erste Anhaltspunkte, was die eingeleiteten Maßnahmen vor Ort in den Kommunen gebracht haben. Und ob es bereits spürbare Effekte des Milliarden-, des Bundesprogramms „Saubere Luft“ gibt.

„Wir sind auf einem guten Weg“, hatte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer noch im vergangenen Sommer in einem Interview erklärt. „2016 waren es 90 Städte, die die Grenzwerte überschritten haben, 2017 noch 66.“ Und der CSU-Politiker zeigte sich zuversichtlich: „Ich bin überzeugt, dass die Zahl der betroffenen Städte relativ schnell einstellig wird.“

Relativ schnell einstellig? Die Zahlen des Umweltbundesamtes für 2018 deuten nicht darauf hin. Genau 23 Städte – neben Stuttgart unter anderem München, Köln, Reutlingen, Hamburg, Düsseldorf, Dortmund und Kiel – lagen im vergangenen Jahr oberhalb der 40-Mikrogramm-Marke.

Allerdings: Die jetzt vorliegende Übersicht ist vorläufig. In der Bilanz des Umweltbundesamtes fehlen noch die Angaben für 36 Kommunen, darunter Darmstadt, Essen und Hannover. Die Daten für diese Städte werden erst im Mai vorliegen. Hintergrund ist, dass dort ein aufwendigeres Messverfahren genutzt wird. Prognose: Die Zahl der Städte, die den Grenzwert reißen, dürfte am Ende deutlich höher sein.

Lesen Sie auch: Der Streit über die Grenzwerte

In Berlin sind die Ergebnisse unverändert

Doch es gibt offenbar auch positive Entwicklungen. Besonders bemerkenswert: München, 2017 noch die Stadt mit der republikweit höchsten Stickoxid-Belastung, konnte sich deutlich verbessern. Der Jahresmittelwert sank dort um 12 Mikrogramm je Kubikmeter Luft im Jahr 2017 auf 66 im Jahr 2018. Eine Minderung, für die auch die Experten des Umweltbundesamtes noch eine schlüssige Erklärung suchen.

Für die meisten anderen Städte oberhalb des Grenzwerts zeigen die neuen Daten geringfügige Verbesserungen der Luftqualität, oder die Werte sind im Vergleich zu 2017 unverändert. Beispiel Berlin: In der Hauptstadt lag der Mittelwert mit 49 Mikrogramm je Kubikmeter Luft 2018 genauso hoch wie im Vorjahr. In drei Städten – Kiel, Freiburg und Mannheim – wurde eine höhere Belastung gemessen.

Offiziell muss Deutschland die NOx-Jahresmittelwerte für 2018 bis Ende September der Europäischen Kommission melden.

Diese Tabelle zeigt alle Werte der Städte, die 2017 auf dem Grenzwert von 40 Mikrogramm je Kubikmeter Luft lagen oder darüber:

„Stoppt das Diesel-Verbot oder wir stoppen Euch!“

Mit den neuen Zahlen dürften auch mögliche Fahrverbote erneut in den Fokus rücken. Unter anderem in Köln, in Mainz und Frankfurt sind mehr oder weniger weitreichende Verkehrsbeschränkungen in Vorbereitung.

In Stuttgart gilt bereits seit Jahresbeginn innerhalb der Umweltzone ein Fahrverbot für Euro-4- und ältere Diesel. Zunächst sind nur Autofahrer von außerhalb der Stadt betroffen, ab April dann auch für in Stuttgart zugelassene Diesel.

Längst gehen Betroffene dagegen auf die Straße, ziehen bei ihren Demonstrationen gelbe Westen über. „Stoppt das Diesel-Verbot oder wir stoppen Euch!“, schallt es über den Platz am Neckartor. Erst vor wenigen Tagen hatte das Bundesverkehrsministerium angekündigt, die Platzierung der dortigen Messstation zu überprüfen. Derweil ist im Streit über Sinn und Unsinn des EU-Grenzwerts kein Ende in Sicht.

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Stickstoffdioxide oder Stickoxide heißen die zahlreichen gasförmigen Oxide des Stickstoffs. Eine der Hauptquellen in der Atmosphäre sind durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe wie Kohle oder Öl entstehende Abgase. Aber auch Blitze tragen erheblich zur Erzeugung von Stickoxiden in der Atmosphäre bei, haben Wissenschaftler nachgewiesen. Studien belegen Gesundheitsgefahren. Nach einer Studie des Münchener Helmholtz Zentrums wurden für Jahr 2014 rund 6000 vorzeitige Todesfälle aufgrund von Herzkreislauferkrankungen ermittelt, die auf eine Langzeitbelastung mit Stickstoffdioxid (NO2) zurückgeführt werden können.

Für NO2 gilt aktuell ein Jahresmittelgrenzwert für die Außenluft von 40 µg/m3. Dieser ist im Jahr 1999 auf Vorschlag der Europäischen Kommission aus dem Jahr 1997 von den EU-Mitgliedstaaten beschlossen worden. 2008 wurde er noch einmal bestätigt. Zugleich setzte man einen 1-Stunden-Mittelwert von 200 µg/m3 in Kraft, der höchstens 18-mal pro Jahr überschritten werden darf. Die EU-Kommission stützte sich bei ihren Grenzwert-Vorschlägen auf Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Von Rasmus Buchsteiner/RND