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16:09 21.05.2009
Karlspreisträger 2009: Andrea Riccardi, Gründer der katholischen Laienbewegung Sant'Egidio. Quelle: Henning Kaiser/ddp
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In seiner Laudatio würdigte der ehemalige Präsident des Europäischen Parlaments und Karlspreisträger 2004, Pat Cox, Riccardi als „Mann mit ganz besonderen Verdiensten“. Der Preisträger stehe für die „Hoffnung auf Frieden und Versöhnung“ in der Weltgesellschaft.

In seiner Dankesrede rief Riccardi zum politischen und gesellschaftlichen Engagement der Europäer auf. Der Kontinent dürfe keine „Eigentümergemeinschaft“ sein. Die Bürger und Regierungen Europas müssten in ihrer gemeinsamen Demokratie für eine bessere Welt streiten, sagte Riccardi und rief zur Teilnahme an der Europawahl am 7. Juni auf. Ohne ein starkes Europa drohten die „europäischen Werte der Freiheit, des Friedens und der Menschlichkeit“ verloren zu gehen, betonte Riccardi.

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Europa müsse beim Kampf gegen das Leid auf der Welt vorangehen, forderte Riccardi. „Die Welt braucht Europa.“ Die Benachteiligten der Welt benötigten auch die Ressourcen Europas. Europa dürfe sich gerade wegen seiner historischen Verantwortung nicht aus Afrika zurückziehen. Die Unterstützung des schwarzen Kontinents sei auch deshalb geboten, da Europa selbst immer stärker zum Fluchtziel zahlreicher verzweifelter Menschen aus Afrika werde.

Aachens Oberbürgermeister Jürgen Linden (SPD) bezeichnete Riccardi als „großen Europäer“. Für den ehemaligen Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), Michel Camdessus, sind Riccardi und seine Mitstreiter eine Gegenbewegung zu einem „Weltsystem der Gier“, das mit der Krise zusammengebrochen sei.

Der 59-jährige Historiker wird laut Karlspreisdirektorium für sein beispielgebendes zivilgesellschaftliches Engagement für ein menschliches und solidarisches Europa über konfessionelle und nationale Grenzen hinweg gewürdigt.

Riccardi ist gebürtiger Römer und hat 1968 als Gymnasiast mit einigen Freunden die Gemeinschaft von Sant’Egidio im römischen Stadtteil Trastevere gegründet. Die katholische Laienbewegung, die sich von Anfang an die Freundschaft mit den Armen, die Ökumene, Nächstenliebe und den Dienst am Frieden zum Ziel gesetzt hat, zählt mittlerweile über 50 000 Mitglieder in mehr als 70 Ländern.

Der Aachener Karlspreis gehört zu den bedeutendsten europäischen Auszeichnungen. Er wird seit 1950 jährlich an Persönlichkeiten und Institutionen verliehen, die sich um die Einigung Europas verdient gemacht haben.

Riccardi ist der fünfte Karlspreisträger aus Italien. Die Verleihung des 50. Internationalen Karlspreises findet traditionell am Himmelfahrtstag im Krönungssaal des Aachener Rathauses statt.

Anders als in den vergangenen Jahren, als Politiker ausgezeichnet worden waren, wohnten diesmal nur wenige aktive Spitzenpolitiker der Zeremonie bei. Unter anderem waren diesmal NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) und Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) unter den Gästen. Im vergangenen Jahr hatte der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy die Laudatio auf die damalige Preisträgerin, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), gehalten.

ddp