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Politik AKW Krümmel fällt mehrere Monate aus
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13:25 07.07.2009
Nach dem jüngsten Störfall im Atomkraftwerk Krümmel hat der bisherige Kraftwerksleiter seinen Posten geräumt. Quelle: Roland Magunia/ddp
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Betreiber Vattenfall Europe kündigte nach dem jüngsten Störfall am Dienstag die Erneuerung beider Maschinentransformatoren der Anlage in Geesthacht bei Hamburg an. Solange wird der Atommeiler vom Netz bleiben. Die Schnellabschaltung vom Samstag infolge eines Kurzschlusses an einem der beiden Transformatoren beschäftigt demnächst die Justiz.

Die Gesamtkosten für die Erneuerung der Transformatoren betragen rund 20 Millionen Euro, wie Unternehmenssprecherin Barbara Meyer-Bukow sagte. Die Transformatoren kosteten jeweils rund acht Millionen Euro. Hinzu kämen Kosten für ein neues Trafo-Haus. Der Ausfall der beiden schleswig-holsteinischen Reaktoren Brunsbüttel und Krümmel koste das Unternehmen täglich rund eine Million Euro.

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Schleswig-Holsteins für Atomaufsicht zuständige Sozialministerin Gitta Trauernicht (SPD) begrüßte die Entscheidung. Der Austausch der Transformatoren beende „jedoch nicht die grundsätzliche politische Debatte über eine Stilllegung von Krümmel“, sagte sie.

Vattenfall hat inzwischen nach Angaben des Sozialministeriums der Atomaufsicht die Reaktorschnellabschaltung vom Samstag fristgerecht als meldepflichtiges Ereignis der Kategorie N (Normalmeldung) mitgeteilt. Die Suche nach der Ursache für den Kurzschluss dauere an.

Unterdessen räumte der Energiekonzern Fehler ein. Kraftwerksleiter Hans-Dieter Lucht wurde laut Vattenfall auf eigenen Wunsch von seinen Aufgaben entbunden. Die Anlagenleitung übernehme sein bisheriger Stellvertreter Walther Stubbe. Hintergrund sei die nicht erfolgte Installation einer Überwachungseinrichtung des Maschinentransformators vor dem Wiederanfahren. Dies war nach Ministeriumsangaben Teil der Wiederanfahrgenehmigung vom 19. Juni.

Wegen der neuerlichen Panne erstatteten der schleswig-holsteinische Grünen-Spitzenkandidat für die Bundestagswahl, Konstantin von Notz und der Hamburger Grünen-Bundestagsabgeordnete Manuel Sarrazin bei der Staatsanwaltschaft Lübeck Strafanzeige gegen die Verantwortlichen der Anlage. Dass sich zwei Jahre nach dem Trafobrand „ein fast identischer Störfall“ an einem Transformator ereignet habe, begründe den Verdacht einer groben Verletzung von verwaltungsrechtlichen Vorschriften, sagte Notz.

Um den Entzug der Betriebserlaubnis für das AKW muss sich der Energiekonzern nach Einschätzung des Kieler Verwaltungsrechtlers Wolfgang Ewer aber nicht sorgen. „Selbst wenn Mängel an der Zuverlässigkeit des Betreibers festgestellt werden sollten, kommt die Entziehung der Betriebserlaubnis immer nur als letztes Mittel in Betracht“, sagte Ewer. Er hatte im Auftrag der Atomaufsichtsbehörde bereits nach dem Brand im Atomkraftwerk Krümmel 2007 ein Gutachten über die Zuverlässigkeit des Betreibers erstellt. Darin war er zu dem Ergebnis gekommen, „dass die Betreiberin des Kernkraftwerks Krümmel die im Sinne des Paragrafen 7 Abs. 2 Nr. 1 Atomgesetz erforderliche Zuverlässigkeit besitzt und ein Entzug der Betriebsgenehmigung nicht gerechtfertigt ist“.

Der Reaktor war am Samstagmittag per Schnellabschaltung vom Netz genommen worden. Aus bislang unbekanntem Grund war es zu einem Kurzschluss in einem Maschinentransformator gekommen. Ein baugleicher Transformator war Ende Juni 2007 nach einem Kurzschluss in Brand geraten. Daraufhin war der Meiler wegen Reparaturen knapp zwei Jahre lang vom Netz. Erst am 19. Juni 2009 hatte die Atomaufsicht das Wiederanfahren genehmigt.

ddp