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Politik 4,4 Millionen Kroaten zur Präsidentenwahl aufgerufen
Mehr Welt Politik 4,4 Millionen Kroaten zur Präsidentenwahl aufgerufen
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10:16 27.12.2009
Als Favorit gilt Ivo Josipovic von den Sozialdemokraten (SDP)
Als Favorit gilt Ivo Josipovic von den Sozialdemokraten (SDP) Quelle: afp (Archiv)
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In Kroatien finden am Sonntag Präsidentschaftswahlen statt. Rund 4,4 Millionen Wahlberechtigte sind aufgerufen, einen Nachfolger für den seit 2000 amtierenden Staatschef Stipe Mesic zu bestimmen. Als Favorit gilt Ivo Josipovic von den Sozialdemokraten (SDP), der in Meinungsumfragen rund 15 Prozentpunkte vor seinen Konkurrenten liegt.

Dennoch gehen die Meinungsforscher davon aus, dass keiner der zwölf Kandidaten bereits im ersten Durchgang die erforderliche absolute Mehrheit bekommen wird. In diesem Fall gibt es am 10. Januar eine Stichwahl.

Die Meinungsforscher gehen zudem davon aus, dass der Geschäftsmann Nadan Vidosevic und der Bürgermeister von Zagreb, Milan Bandic, die größten Chancen hatten, sich ebenfalls für den zweiten Wahlgang zu qualifizieren. Recht geringe Chancen werden dem Kandidaten der regierenden konservativen Partei, Andrija Hebrang, vorausgesagt. Im Wahlkampf ging es vor allem um Wirtschaftsfragen, die grassierende Korruption und den für 2012 angestrebten Beitritt Kroatiens zur Europäischen Union.

Einen Tag vor der Präsidentschaftswahl demonstrierten in Zagreb unterdessen tausende Menschen gegen die Festnahme von fünf früheren Sonderpolizisten, die während des Kroatienkriegs (1991-1995) mehrere serbische Zivilisten ermordet haben sollen. Wie ein Fotograf der Nachrichtenagentur AFP berichtete, beteiligten sich an dem dreistündigen Protestmarsch durch die kroatische Hauptstadt vor allem uniformierte Kriegsveterane und frühere Mitglieder der Sonderpolizei. Kroatiens Veterane und der Krieg um die Heimat dürften nicht länger "kriminalisiert" werden, sagte Veteranenvertreter Josip Klemm der Nachrichtenagentur HINA.

Die kroatischen Behörden hatten vor einer Woche fünf frühere Angehörige einer Sondereinheit der Polizei unter dem Vorwurf festgenommen, im August 1995 fünf serbische Zivilisten getötet zu haben. Das Verbrechen ereignete sich in Grubori im Süden des Landes, unmittelbar nach dem Beginn der Armee-Offensive "Sturm", die den vierjährigen Unabhängigkeitskrieg Kroatiens beendete.

Unter den Verdächtigen ist ein Gehilfe von General Mladen Markac, dem neben Ivan Cermak und Ante Gotovina derzeit vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag der Prozess gemacht wird. Die Ereignisse von Grubori flossen auch in die Anklageschriften der drei Ex-Generäle ein.

afp