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Welt 70 Prozent der Niedersachsen fahren mit dem Auto zur Arbeit
Mehr Welt 70 Prozent der Niedersachsen fahren mit dem Auto zur Arbeit
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09:44 02.07.2018
Volle Straßen und eine erhöhte Kohlendioxid-Emissionen sind die Folge davon, dass viele Arbeitnehmer mit dem Auto zur Arbeit fahren.
Volle Straßen und eine erhöhte Kohlendioxid-Emissionen sind die Folge davon, dass viele Arbeitnehmer mit dem Auto zur Arbeit fahren. Quelle: Julian Stratenschulte (dpa)
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Hannover

Das Auto wird für die arbeitende Bevölkerung in Niedersachsen immer wichtiger. Mittlerweile nutzen gut 70 Prozent aller Berufstätigen den Pkw, um damit zum Arbeitsplatz zu fahren. Das geht aus einer im aktuellen Monatsheft veröffentlichen Erhebung des Landesamts für Statistik (LSN) für das Jahr 2016 hervor. Im Jahr 2008 lag die Quote noch bei 65 Prozent.

Der Anteil der Berufstätigen, die den öffentlichen Personenverkehr nutzen, um zum Arbeitsplatz zu gelangen, ging im gleichen Zeitraum von 9,1 auf 8,7 Prozent zurück. Noch stärker sank der Anteil der Radler. Er verringerte sich von 14,3 auf 13,6 Prozent. Und der Anteil der Menschen, die den Arbeitsweg zu Fuß zurücklegen, sank sogar von 9,5 auf 6,4 Prozent.

Anbindung vielerorts noch schlecht

Der ADAC führte die Zunahme der Pkw-Nutzung vor allem auf die unzureichende Anbindung des ländlichen Raums an die Zentren zurück. „Wo die Verbindung gut ist, nutzen Berufstätige die öffentlichen Verkehrsmittel“, sagte ADAC-Verkehrsexperte Wolfgang Müller. Dass die Nutzerzahlen beim Auto in den vergangen Jahren gestiegen sind, zeige deutlich, dass es vielerorts um die Anbindung nicht gut bestellt sei. „Wer ewig auf Bus oder Bahn warten muss, weil die Taktzeiten zu lang sind, nimmt natürlich lieber das Auto“, sagte Müller. Das gelte genauso, wenn die Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln deutlich mehr Zeit in Anspruch nehme als mit dem Auto.

„Für den öffentlichen Nahverkehr und für den Radverkehr wird viel zu wenig getan“, kritisierte Ulrich Thüre vom Naturschutzverband Nabu. Mit negativen Folgen: Die gestiegene Zahl der Autopendler sei ein Grund dafür, dass die Kohlendioxid-Emissionen in Deutschland entgegen den bundespolitisch gesetzten Zielvorgaben zuletzt wieder gestiegen seien, sagte Thüre. „Dies hängt auch mit den falschen Signalen der Bundesregierung zusammen, die beispielsweise den Diesel jährlich mit 8 Milliarden Euro subventioniert“, sagte der Nabu-Sprecher. Die Bundesregierung hatte einen Vorstoß gewagt mit der Idee, den öffentlichen Nahverkehr kostenlos zu machen, war damit bislang aber gescheitert.

Eine Sprecherin des Verkehrsministeriums wies darauf hin, dass Niedersachsen im vergangenen Jahr die Ausgaben für den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) deutlich erhöht habe. Alleine in diesem Jahr fördere das Land im Rahmen eines Investitionsprogramms Bürgerbusse, umweltfreundliche Omnibusse, Park&Ride– sowie Bike&Ride-Anlagen mit mehr als 82 Millionen Euro. Für den Erhalt und den Neubau von Radwegen an Land- und Bundesstraßen würden jährlich 20 Millionen Euro investiert.

Im Jahr 2016 waren in Niedersachsen nach Angaben der Statistiker etwa 3,72 Millionen oder gut 96 Prozent aller Berufstätigen Pendler, die zwischen Wohnung und Arbeitsstätte wechseln. Gut die Hälfte davon pendelte innerhalb des Wohnortes (Binnenpendler), die andere Hälfte waren sogenannte Außenpendler, die in einem anderen Ort arbeiten.

In kleinen Gemeinden mit weniger als 5000 Einwohnern pendelten der LSN-Erhebung zufolge gut 82 Prozent der Erwerbstätigen mit dem Auto. In größeren Städten ist dieser Anteil niedriger. Durchschnittlich brauchen drei Viertel aller Niedersachsen für ihren Arbeitsweg mehr als zehn Minuten. Ein Viertel benötigt sogar länger als eine halbe Stunde.

Von lni/RND