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Panorama „Grease“-Star Olivia Newton-John: „Manchmal ist Weinen das Beste“
Mehr Welt Panorama „Grease“-Star Olivia Newton-John: „Manchmal ist Weinen das Beste“
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21:00 10.05.2019
Totgesagte leben länger: Diverse Medien vermeldeten Ende 2018, Olivia Newton-John läge im Sterben. Mit einer Videogrußbotschaft meldete sich die Sängerin zum Jahreswechsel zurück. Jetzt ist ihre Autobiografie erschienen. Quelle: Richard Shotwell/Invision/AP
Melbourne/Malibu

Man muss sich gestatten, durch die Angst durchzugehen, „denn da gibt es kein Außenherum“, sagt Olivia Newton-John im Interview mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Die Sängerin kämpft zum dritten Mal gegen Krebs an, und gibt sich optimistisch, die Krankheit auch diesmal zu besiegen. Gerade ist ihre Autobiografie „Hör nie auf zu träumen“ erschienen.

Frau Newton-John, Ihre Autobiografie „Hör nie auf zu träumen“ (Originaltitel: „Don’t stop believing)“ erscheint jetzt auf deutsch. Sie haben lange mit Ihren Memoiren gewartet. Warum ausgerechnet jetzt?

Ich hatte schon mal vor Jahren mit dem Schreiben angefangen, es aber wieder aufgegeben. Dann kam das australische Fernsehen darauf, einen Film über mein Leben zu drehen. Da dachte ich mir: Ich schreib mal besser alles auf, für den Fall, dass die mit ihrer Sichtweise meiner Person schiefliegen.

Waren Sie mit dem fertigen Film zufrieden?

Ich habe ihn nicht gesehen. Ich kann mir keinen Film über mich selbst anschauen (lacht). Aber ich habe mir sagen lassen, sie hätten ihre Sache gut gemacht.

Sie kommen aus einer Familie, in der Musik wichtig war. Ihre Mutter verliebte sich in die Singstimme Ihres Vaters, bevor sie ihn gesehen hatte. Der Vater Ihrer Mutter machte in Deutschland Hausmusik mit Albert Einstein. War Ihre Kindheit voller Musik?

Mein Vater hörte tagein, tagaus klassische Musik. Und er lief durchs Haus und dirigierte dabei. Auch mein älterer Bruder war Klassikfan. Ich war das Nesthäkchen und sorgte für die Popmusik, ich hatte immerzu das Radio laufen.

Ihr Vater stammte aus Wales, sprach „Hochdeutsch“, wie Sie in Ihrem Buch schreiben. Ihre Mutter ist in Deutschland aufgewachsen. Wie deutsch war Ihr Zuhause?

Es hat mich immer aufgeregt, dass meine Eltern nie Deutsch mit mir gesprochen haben. So verstand ich auch die Brocken nicht, die meinem Vater rausrutschten. Untereinander sprachen sie deutsch, aber offiziell nicht – die Familie meines Großvaters hatte einen jüdischen Hintergrund, sie war vor Hitler geflohen. Meine Kinderzeit war allerdings voller deutscher Kochkünste. Meine Mutter konnte richtig gut Rotkohl zubereiten.

Ein Kapitel Ihres Buchs handelt von „Grease“. Mit dem Musical ging Ihre Karriere 1978 in die Stratosphäre. Jeder kennt den Film, für viele sind Sie bis heute Sandy. Sind Sie stolz darauf oder sagen Sie sich: „Ich habe doch noch so viel anderes gemacht“?

Klar hab’ ich viele andere Sachen gemacht. Aber ich kann nachvollziehen, warum dieser Film so geliebt wird, und die Reaktionen der Leute berühren mich bis heute. Doch, ich bin schon stolz. Aber beileibe nicht jeder hat „Grease“ gesehen. Mein Ehemann John beispielsweise kannte ihn nicht. John Travolta hat ihm den Film dann in seinem Flugzeug gezeigt, als wir mal bei ihm zu Besuch waren.

Ihr Buch liest sich wie ein behaglicher Roman, und das bleibt auch so, wenn Sie auf Ihre Krebserkrankung zu sprechen kommen. Als der Krebs 2017 zum dritten Mal zurückkehrt beschreiben sie eine idyllische Abendstimmung. Hatten Sie nie Angst?

Doch, natürlich. Und dann musst du dir auch gestatten, durch die Angst durchzugehen. Denn da gibt es kein Außenherum. Dann weine ich oder mache einen Spaziergang in der Natur, dann bete oder meditiere ich, tue etwas, um das Gefühl zu durchqueren. Manchmal ist Weinen das Beste, es nimmt viel von der Anspannung und Aufregung.

Zur Person: Olivia Newton-John

Olivia Newton-John (70) wurde im englischen Cambridge geboren, mit sechs Jahren zog ihre Familie nach Melbourne. Die Enkelin des deutschen Physiknobelpreisträgers Max Born war schon als Teenager ein Pop- und TV-Star in Australien. Erste Hits waren 1971 „If Not For You“ und „Banks of The Ohio“, 1974 nahm sie für Großbritannien mit dem Song „Long Live Love“ am Eurovision Song Contest teil und wurde Vierte (Sieger wurden Abba).

1978 wurde Newton-John mit der Rolle der Sandy im Filmmusical „Grease“ zum Superstar. Es folgte der Film „Xanadu“ (1980) und Hits wie „Xanadu“, „Magic“, „Physical“. Mit Amy Sky und Beth Nielsen Chapman nahm sie 2016 das Album „Liv On“ auf, mit John Farnham ein Weihnachtsalbum. Newton-John erkrankte 1993 an Brustkrebs, der 2013 und 2017 zurückkehrte. Sie ist in dritter Ehe mit John Easterling verheiratet, aus ihrer ersten Ehe mit dem Schauspieler Matt Lattanzi stammt die Tochter Chloe Rose Lattanzi (33). Am 9. Mai erscheint ihre Autobiografie „Hör nie auf zu träumen“.

Für das Buch wählten Sie den Titel ihres 1976er-Albums „Don’t stop believing“. Im Titelsong heißt es „Hör nicht auf zu glauben. Du schaffst es. Böse Tage gehen vorbei.“ Ist das die Haltung, die einem durch Zeiten schwerer Krankheit hilft?

Ja. Du musst dir dich in der Zukunft vorstellen, dich dort gesund sehen. Es gibt Tage, an denen ist diese Sicht getrübt, an anderen ist sie besser. Du erschaffst, was du glaubst. Du erschaffst, was du dir vorstellst.

Sie sprechen von der Krankheit nie im Vokabular von Feindseligkeit oder Krieg.

Kampf, Schlacht, Krieg: Das ist das Vokabular des Zorns. Es bringt Zorn hervor und erschöpft dich. Ich bevorzuge das Wort „überwinden“. Ich spreche zu meinem Körper, wie es wäre die Krankheit nicht mehr zu haben und tue meinem Körper so viel Gutes und Gesundes wie möglich, um ihm zu helfen, sie überwinden zu können.

Sie haben dabei auch auf Cannabis zurückgegriffen.

Oh ja, Cannabis hat mir bei ganz vielen Dingen geholfen, vor allem als Mittel gegen den Schmerz während der Chemotherapie, und um schlafen zu können. Wir sind gerade dabei, unser Wissen um Cannabis erheblich zu erweitern. Unsere Sicht war Jahrzehnte lang voreingenommen, geprägt von Filmen und von Leuten, die wir high erlebt haben. Diese Pflanze hat aber weit mehr zu bieten, und beinahe täglich gibt es neue Informationen über die heilenden Kräfte von Cannabis.

Ist Cannabis eine Alternative zu den weit verbreiteten süchtig machenden Opioiden?

Wenn du mit einem gebrochenen Kreuzbein eingeliefert wirst wie ich, ist der Schmerz kaum zu ertragen. Und alles, was sie dir im Krankenhaus geben, sind Opioide. Mit Cannabis fühlst du dich gut, an Cannabis stirbst du nicht - an Opioiden schon. Inzwischen wird Cannabis sogar benutzt, um Süchtige von den Opioiden wegzubekommen. Die massiven Heilkräfte stehen gegen das alte Stigma. Aber mal ehrlich: Wenn die Leute Alkohol trinken, dann werden sie laut, aggressiv und gewalttätig. Mit Cannabis ist es das genaue Gegenteil. Die Leute werden friedfertig, keine Schlägereien, keine Autounfälle. Vielleicht, weil sie zu langsam fahren. (lacht)

“You’re The One That I Want!“: Das Musical „Grease“ erzählte eine Liebesgeschichte aus den Fünfzigerjahren. Mit der Verfilmung ging die Karriere von Olivia newton-John und John Travolta in die Stratosphäre. Quelle: imago/ZUMA Press

Nachdem der Krebs zurückgekehrt war, wurden Sie 2018 von einigen Medien aufs Sterbebett geschrieben. Sie antworteten in einem Neujahrsvideo für 2019 mit Mark Twain: „Die Nachricht von meinem Tod ist stark übertrieben.“

Man muss sich einfach den Humor bewahren, muss auch über sich selbst lachen können. Als ich las, ich sei tot, fühlte sich das schon reichlich seltsam an, sogar völlig verrückt (lacht). Also habe ich das mit einem Video beendet, bevor es aus dem Ruder laufen konnte. Mit Humor – immer dem besten Mittel.

Wie geht es Ihnen heute? Sie mussten wieder laufen lernen. Am Ende Ihres Buchs spazieren Sie über Hügel und träumen davon, wieder zu reiten. Sitzen Sie inzwischen wieder im Sattel?

Nein. Ich bezweifle, dass ich wieder reiten werde, obwohl ich das wirklich gerne tun würde. Ich habe Minipferde, die so groß sind wie dänische Doggen. Und ich liebe es, nach ihnen schauen zu können, wozu ich inzwischen keine fremde Hilfe mehr brauche. Das fühlt sich gut an.

Im Buch schreiben Sie, größtes Glück aus einfachen Dingen zu schöpfen. Was sind das für Dinge?

Dinge wie heute morgen, als ich aufgestanden bin. Da war draußen Bodenfrost und die Sonne glitzerte darauf, Vögel waren an meinen Vogelhäuschen, ich habe die Katze und den Hund gefüttert und mir einen Tee gemacht. Solche Sachen erfüllen mich.

„Mein Wille ist fest wie Eisen“, schreiben Sie, „weil ich noch so viel zu tun habe“. Was sind Ihre wichtigsten Pläne?

Oh, wo fange ich an? Ich will mithelfen, dass Schmerzpatienten in Australien und anderen Ländern freien Zugang zu Cannabis bekommen. Ich will mehr Menschen Zugang zu den Programmen meines „Olivia Newton-John Cancer Wellness and Research Centre“ in Melbourne verschaffen. Und mehr Zeit mit meiner Tochter Chloe verbringen. Sie wird wohl in diesem Jahr heiraten, da will ich dabei sein. Und ich hoffe sehr, am Ende auch ein Enkelchen zu bekommen.

Gibt es auch musikalische Vorhaben?

Nichts Dringliches. Aber wenn ich wieder etwas aufnehmen würde, dann liebend gern mit meiner Tochter. Das wäre richtig gut. Sie hat so viel Talent, und wir haben uns auch schon mal drüber unterhalten. Mal sehen.

Hat ihre Krankheit ihre Sicht auf Leben und Tod verändert?

Nun, ich bin dankbarer geworden.

Und glauben Sie an höhere Mächte, die Sie beschützen?

In jedem Fall. Da muss es etwas geben. Ich denke, mein Großvater ist irgendwo um mich herum und passt auf mich auf.(lacht)

Das Buch: Olivia Newton-John - „Hör‘ nie auf zu träumen“, Hannibal-Verlag,384 Seiten, 25 Euro (erscheint am 9.Mai)

Von Matthias Halbig/RND

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