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Panorama Zustand des verunglückten Dompteurs stabilisiert sich
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14:09 11.12.2009
Dem Dompteur sei keine Hand amputiert worden, teilte der Veranstalter des Dinner-Zirkus unter Berufung auf die Eltern des Verletzten mit.
Dem Dompteur sei keine Hand amputiert worden, teilte der Veranstalter des Dinner-Zirkus unter Berufung auf die Eltern des Verletzten mit. Quelle: ddp
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Der Gesundheitszustand des in Hamburg von drei Tigern attackierten 28-jährigen Dompteurs hat sich stabilisiert. Das sagte der Veranstalter des Dinner-Zirkus, Stefan Pagels, am Freitag unter Berufung auf die Eltern des Mannes. Entgegen ersten Meldungen sei dem Tiertrainer keine Hand amputiert worden. Auch der Lebensgefährte des 28-Jährigen wird medizinisch betreut. Die Tiger wurden unterdessen an einen geheimen Ort in die Obhut eines befreundeten Tierlehrers gebracht.

Der Dompteur aus Augsburg war am Dienstag bei einer festlichen Dinner-Party in der Manege der „Alten Hagenbeck’schen Dressurhalle“ gestolpert und dann vor den Augen von fast 200 Showgästen von drei bengalischen Tigern lebensgefährlich verletzt worden. Dabei erlitt der 28-Jährige nach Angaben der Rettungskräfte ein offenes Schädel-Hirn-Trauma und schwere Verletzungen am Brustkorb.

Die Wunde an der schwer verletzten Hand des Dompteurs wurde mittlerweile in einer zweiten Operation nochmals versorgt. Die behandelnden Ärzte im Hamburger Universitätsklinikum Eppendorf beschreiben den Zustand des 28-Jährigen weiterhin als kritisch. In den kommenden Tagen soll die künstliche Beatmung langsam abgesetzt und das künstliche Koma schrittweise beendet werden.

„Das sind Situationen, die sie nicht erleben möchten, die sie auch nicht mehr loswerden im Leben“, sagte Pagels. Dadurch, dass er jedoch aktiv eingegriffen und den Dompteur aus der Manege geholt habe, gehe es ihm ganz gut. Alle Beteiligten hätten viel zu verarbeiten, insbesondere die Angehörigen.

So musste etwa der Lebensgefährte des 28-Jährigen das Unglück mit ansehen und ist seither sehr angegriffen. „Er hat aus der Emotion heraus ein paar unbedachte Äußerungen getroffen, wurde aber nicht wie berichtet von der Polizei in Gewahrsam genommen“, sagte der Veranstalter. Der Mann sei medizinisch betreut worden und zu seiner Familie zurückgekehrt.

Die Tiger wurden in Abstimmung mit den Eltern des Dompteurs zu einem befreundeten Tierlehrer gebracht. Sie haben den Transport gut überstanden und werden weiterhin optimal versorgt, wie es weiter hieß. Namen und Orte würden nicht bekanntgegeben, da die Tiere sich zunächst an ihr momentanes Zuhause und die neuen Bezugspersonen in Ruhe gewöhnen müssten. Der befreundete Tierlehrer hat Pagels zufolge lange mit dem 28-Jährigen zusammengearbeitet.

Derweil ermitteln die Polizei und das Amt für Arbeitsschutz zum Unglückshergang. Die Beamten gingen weiterhin von einem Arbeitsunfall aus, sagte eine Polizeisprecherin.

Mehrere Tierschutzvereine hatten nach dem Unglück erneut ein Verbot der Wildtierhaltung im Zirkus gefordert. Pagels wies die Kritik damit zurück, dass seine Tiere „absolut artgerecht“ gehalten würden. Ihnen sei kein Schaden zugeführt worden. Stattdessen würden sie in der täglichen Arbeit körperlich und geistig fit gehalten. „Unsere Methode basiert auf Belohnung, nicht auf Bestrafung“, sagte der Veranstalter, der auch künftig Tiger-Attraktionen zeigen möchte. Aus Respekt vor dem verunglückten Dompteur pausiere die Nummer vorübergehend. „Aber wir halten ihm seinen Platz in der Parade der Artisten frei.“

ddp