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Panorama Zoos setzen auch nach dem Tod von Knut weiter auf Eisbären
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15:16 24.03.2011
Eisbären bleiben auch nach dem Tot von Knut in den elf deutschen Tierparks.
Eisbären bleiben auch nach dem Tot von Knut in den elf deutschen Tierparks. Quelle: dpa
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Das Schicksal von Eisbär Knut löst in deutschen Zoos kein Umdenken aus. Keiner der elf Tierparks, in denen aktuell 34 Eisbären gezeigt werden, will nach dem plötzlichen Tod des Berliner Publikumslieblings künftig auf die Haltung des größten Landraubtiers der Welt verzichten. Das ergab eine dpa-Umfrage. Weltweit werden nach Angaben des Deutschen Verbandes der Zoo-Direktoren 352 Eisbären in 134 Zoos präsentiert. Der erst vierjährige Knut war am vergangenen Samstag vor Hunderten Besuchern im Zoologischen Garten Berlin überraschend gestorben. Eine erste Untersuchung ergab schwere krankhafte Veränderungen im Hirn als mögliche Todesursache.

Einstimmig wiesen Sprecher und Leiter der Zoos mit Eisbären-Haltung in der Bundesrepublik die nach Knuts Tod mehrfach geäußerten Forderungen von Tierschützern und Grünen-Politikern nach einem Stopp von Zucht und Haltung der Tiere zurück. „Warum sollen unsere beiden Eisbären Corinna und Anton aus dem Zoo verschwinden? Ihnen geht es gut. Sie sind bereits 20 Jahre alt und die Besucher erfreuen sich an ihrer verspielten und verschmusten Art“, sagte die Sprecherin der Stuttgarter Wilhelma, Karin Herczog, der Nachrichtenagentur dpa.

Auch die Direktorin des Karlsruher Zoos, Gisela von Hegel, kann Forderungen nach dem Verzicht auf die weißen Riesen nicht nachvollziehen. Die Tierärztin zeigte sich überzeugt, dass es den drei Eisbären Vitus, Larissa und Nika in Karlsruhe gut gehe und sie optimal versorgt werden. Es gebe mehrere Becken und Gehege, wo sich die Bären auch zurückziehen könnten. Wichtig sei Naturboden, „weil sich die Eisbären gerne mal einbuddeln“. Nach Spielen in der Sandkiste sähen die Tiere so aus wie Braunbären.

Eine ganz andere Entscheidung traf grundsätzlich der Zoo in Frankfurt/Main. Dort ist kein Platz für Eisbären. Einen Knut werde es dort auch in Zukunft nicht geben. „Eisbären müssen schwimmen, tauchen, jagen und sind die meiste Zeit Einzelgänger“, sagte Zoodirektor Manfred Niekisch. Im Zoo könnten ihnen keine guten Bedingungen geboten werden. Für den Frankfurter Zoo seien vor allem Klima- und Artenschutz wichtig. „Das können wir auch ohne Eisbären vermitteln.“

Komplettes Gegenprogramm in Nürnberg: Hier lebt mit vier Mitgliedern die größte Eisbären-Familie. Mutter Vera und Vater Felix haben die Zwillinge Aleut und Gregor gezeugt, die am 2. Dezember vergangenen Jahres geboren wurden. Seitdem waren sie mit der Mutter in der Höhle, sagte Sprecherin Nicola Mögel. Doch am Mittwoch - auf den Tag genau vier Jahre nach Knuts Weltpremiere - schnupperte das Babypaar mit seiner Mama erstmals im Gehege Frühlingsluft. Als doppelte Attraktion, neue Jungstars nach ihrer Schwester Flocke, die in ihren Kindertagen wie Knut eine Berühmtheit wurde. In München-Hellabrunn sind Gianna und Yoghi nach ihrem Berlin-Urlaub wieder auf die grundsanierte Anlage zurückgekehrt.

In Berlin leben mittlerweile nur noch fünf Eisbären, es waren einmal zehn. Knuts Vater Lars musste Platz machen und nach Wuppertal ausweichen. Die aus München für mehrere Monate nach Berlin ausgeliehene Knut-Oma Lisa starb an Krebs im Tierpark Friedrichsfelde im Ostteil der Hauptstadt. Dort leben jetzt noch Troll und Aika. Im Zoologischen Garten streifen jetzt noch Knuts Mutter Tosca sowie Nancy und Katjuscha durchs Gehege. Wenn etwas Zeit verstrichen ist, will sich Zoo-Chef Bernhard Blaszkiewitz um ein neues Zuchttier als Nachfolger von Knut umsehen.

„Konkurrenz“ für Berlin ist mittlerweile Gelsenkirchen, wo ebenfalls fünf Eisbären besichtigt werden können. Schlagzeilen löste Lara aus, die einmal als Knut-Gefährtin im Gespräch war - jetzt soll sie allerdings mit dem russischen Eisbären Billi für Nachwuchs sorgen. Ein Trio lebt in Rostock. Churchill ist allerdings so aggressiv, dass er alleine leben muss. Vienna und Blizzard sind das neue Zuchtpaar.

„Einsamer Wolf“ im schleswig-holsteinischen Tierpark Neumünster ist Eisbär Kap. Auch im Stammzoo von Knuts Vater Lars ist Direktor Peter Drüwa der Meinung, dass in Deutschland die Eisbärenhaltung auch nach Knuts Tod weitergeht. „Das wird weiterlaufen. Aber man ist immer bemüht, das zeitgemäß anzupassen. Im Zoo ist das immer im Fluss.“ In Hannover spielt sich das Eisbärleben mit viel Wasser in der nagelneuen „Yucon Bay“ ab. Dort tauchen Nanuq, Arktos und Sprinter. „Es geht ihnen bestens“, sagte eine Zoosprecherin. Das Publikum reagiert begeistert, denn mehrere Jahre lang wurde in Hannover kein Eisbär gezeigt.

dpa

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