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Panorama Zollitsch: Es wurden Missbrauchsfälle vertuscht
Mehr Welt Panorama Zollitsch: Es wurden Missbrauchsfälle vertuscht
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09:41 21.03.2010
"Jeder einzelne Fall verdunkelt das Gesicht der ganzen Kirche": Der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz und Freiburger Erzbischof, Robert Zollitsch, äußert sich zu den Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche. Quelle: dpa

Zollitsch sagte dem Nachrichtenmagazin „Focus“: „Ja, das hat es bei uns gegeben. Seit Jahren jedoch steuern wir den entgegengesetzten Kurs.“

Sexueller Missbrauch von Minderjährigen sei “über Jahrzehnte in der gesamten Gesellschaft vertuscht worden. Man lässt das Problem nicht in seiner gesamten gesellschaftlichen Bedeutung an sich heran.“ Auch wenn immer deutlicher werde, dass „die meisten Fälle außerhalb des kirchlichen Raumes“ geschehen, seien sie in der Kirche besonders schlimm.

„Dass Übergriffe in solcher Zahl auch in unseren Einrichtungen stattgefunden haben, beschämt mich und bewirkt in mir ein großes Erschrecken. Jeder einzelne Fall verdunkelt das Gesicht der ganzen Kirche.“

Der Vorsitzende der Bischofskonferenz sieht eine Anzeigepflicht bei Verdachtsfällen kritisch. Er höre immer wieder von Fällen, bei denen Opfer über ihr Leid sprechen wollten, aber eine Anzeige ausdrücklich nicht wünschten, sagte Zollitsch. „Das stürzt uns moralisch in Probleme, da wir ja dennoch daran interessiert sind, dass Täter überführt werden und der staatliche Prozess zu einem Urteil kommt.“ Seines Erachtens verlange der Weg zur Staatsanwaltschaft zudem Anhaltspunkte für eine mutmaßliche Tat. „Immerhin kann man Menschen durch falsche Beschuldigungen geistig umbringen. Darüber wird vielleicht in der momentanen erhitzten Situation zu wenig nachgedacht.“

Zollitsch trat dem Vorwurf entgegen, der Zölibat sei mit Ursache für sexuelle Übergriffe. Es gebe „jedenfalls keine direkte Verbindung“. Wohl in kaum einem anderen Beruf als dem des Priesters werde während der Ausbildung so viel in Bezug auf die emotionale Reife zur Klärung beigetragen. „Wenn in der Ehevorbereitung nur ein Zehntel dieser Sorgfalt auf die Persönlichkeitsbildung verwendet würde, wäre es um den Bund von Mann und Frau vielleicht um vieles besser bestellt.“

Zu den Angriffen auf den Papst, in dessen Münchner Zeit ein Missbrauchsfall verschleiert wurde, sagte Zollitsch, dies sei weder auf Weisung noch mit Kenntnis des damaligen Erzbischofs geschehen. Joseph Ratzinger habe „in seiner Zeit an der Spitze der Glaubenskongregation entscheidende Impulse für eine drastische Verfolgung solcher Straftaten gegeben und als Papst sich in den USA und jüngst durch seinen Brief an die irischen Gläubigen unzweideutig positioniert“.

dpa

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