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Panorama Zehntausende beten mit Papst Benedikt den Kreuzweg
Mehr Welt Panorama Zehntausende beten mit Papst Benedikt den Kreuzweg
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12:44 03.04.2010
Bei der Predigt am Karfreitag blieben die Missbrauchfälle in der katholischen Kirche unerwähnt.
Bei der Predigt am Karfreitag blieben die Missbrauchfälle in der katholischen Kirche unerwähnt. Quelle: dpa
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Der italienische Kardinal Camillo Ruini hatte in diesem Jahr für die 14 Stationen zum Leiden und Sterben Jesu die Meditationen und Gebete geschrieben. Die traditionelle Zeremonie am antiken Kolosseum lief im Schein von Fackeln und unter strengen Sicherheitsvorkehrungen ab. Unter anderem zwei Katholiken aus dem Irak und zwei aus dem vom Erdbeben geschundenen Haiti wirkten an der Kreuzweg-Zeremonie mit. Es war der fünfte Todestag von Benedikts Vorgänger Johannes Paul II.

Benedikts persönlicher Prediger Raniero Cantalamessa hatte zuvor in der Karfreitagszeremonie aus einem Brief eines jüdischen Freundes zum Missbrauchsskandal in der Kirche zitiert. Mit Abscheu verfolge er die aggressiven und konzentrischen Angriffe auf den Papst und auf die Kirche, las der Prediger im Beisein Benedikts aus dem Brief des nicht namentlich genannten Juden vor: „Die Stereotypen und das Verschieben persönlicher Verantwortung und Schuld hin zu einer kollektiven Schuld erinnert mich an beschämendste Aspekte des Antisemitismus.“ In dieser Zeremonie zog Benedikt in einer als ungewöhnlich beschriebenen Geste der Buße die Schuhe aus, ging zum Kruzifix und küsste Jesus die Füße.

Die Osterfeiern mit dem Papst in Rom sind überschattet von dem Missbrauchsskandal in katholischen Einrichtungen. Benedikt ging in seinen Osteransprachen zunächst nicht auf die tiefe Krise wegen der zahlreichen Missbrauchsfälle ein. Er rief die Priester aber auf, „in der Gemeinschaft mit Jesus Menschen des Friedens zu sein, der Gewalt entgegenzustehen und der größeren Macht der Liebe zu vertrauen“.

Um die Sünde, die „das Antlitz des leidenden Christus entstellt“, kreisten die Meditationen des italienischen Kardinals Camillo Ruini für den Kreuzweg. „Gib unserem inneren Auge einen klaren Blick und Wahrhaftigkeit, damit es ohne Heuchelei das Böse erkennt, das in uns steckt“, so hieß es in dem Gebet, mit dem Benedikt die Zeremonie eröffnete. Die Meditationen des Kardinals an der „Via Crucis“ wandten sich auch gegen Heuchelei und gingen auf das Kreuz ein, „das sich unvermittelt auf unsere Schultern legt: Krankheit, ein schwerer Unfall, der Verlust eines lieben Menschen oder des Arbeitsplatzes.“

Als ersten festlichen Höhepunkt hatte Benedikt am Gründonnerstag die traditionelle Fußwaschung in Roms Lateran-Basilika absolviert. Dabei wäscht der Papst zwölf Priestern die Füße, in Erinnerung an die Geste der Demut und Barmherzigkeit Jesu Christi. Am Samstag ist die Osterwache im Petersdom ein erhebender Moment der Feiern - wenn Licht die dunkle Kirche immer heller erstrahlen lässt. Am Sonntag erteilt der Papst seinen Segen „Urbi et Orbi“ (Der Stadt und dem Erdkreis).

dpa

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