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Panorama Zehn deutsche Atomtechniker aus Fukushima zurück in der Heimat
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16:46 25.03.2011
Zehn deutsche Atomtechniker aus dem Katastrophenreaktor Fukushima sind wieder wohlbehalten zurück in Deutschland.
Zehn deutsche Atomtechniker aus dem Katastrophenreaktor Fukushima sind wieder wohlbehalten zurück in Deutschland. Quelle: dpa
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Seit 72 Stunden sind sie auf den Beinen. Sie haben das verheerende Erdbeben und den Tsunami in Japan unbeschadet überstanden - mitten im Katastrophenkraftwerk Fukushima Eins. Die beiden Techniker Gordon Huenies und Robert Meister sitzen nun in der deutschen Zentrale ihres Arbeitgebers in Erlangen und stellen sich den Fragen der Medien.

Gemessen daran, dass sie vor wenigen Tagen ein so zerstörerisches Erdbeben und die Flucht vor einem Tsunami überlebt haben, wirken sie erstaunlich ruhig und gelassen. Vom wahren Ausmaß der Katastrophe haben sie in Japan selbst nicht viel mitbekommen. Erst so langsam wird ihnen klar, wie viel Glück sie hatten.

Huenies und Meister arbeiten für die Areva NP GmbH, eine Tochterfirma des französischen Konzerns Areva und Siemens. Im Kraftwerkskomplex Fukushima wollen sie gerade im abgeschalteten Block 4 ein Prüfverfahren für Schweißnähte vorstellen, als plötzlich die Erde bebt: „Der erste Gedanke ist pure Angst, der zweite Gedanke ist pure Angst, der dritte Gedanke ist pure Angst“, sagt der 34-jährige Huenies.

Doch sie fangen sich schnell wieder - auch, weil die Japaner eine unglaubliche Gelassenheit an den Tag legen. „Beeindruckend war, dass während des Bebens überhaupt keine Panik ausgebrochen ist. Die Japaner waren sehr, sehr gelassen.“ Bis zu 1000 Menschen seien im Kraftwerksbereich mit Wartungsarbeiten beschäftigt gewesen. Niemand habe beim Verlassen der Gebäude gedrängelt oder Emotionen gezeigt.

Das Kraftwerk habe auch nach dem Jahrhundertbeben „stabil“ gewirkt, sagt der 50 Jahre alte Meister. Auf die erlebten dramatischen Ereignisse in Fukushima wollen sie nicht näher eingehen. Nur so viel sagen sie: Ihr Eindruck sei gewesen, dass das, was die Japaner in der Anlage taten, „Hand und Fuß“ gehabt habe.

Die zehn Techniker können sich zunächst im Hauptgebäude des Kraftwerks in Sicherheit bringen. Gleich nach dem Hauptbeben werden sie untersucht, es sei keine erhöhte Strahlenbelastung nachgewiesen worden. Als der Tsunami heranrollt, werden sie ins rettende Hinterland gebracht und landen in einem Auffanglager. Per Bus geht es später zum Flughafen und zurück nach Deutschland.

In Erlangen werden die zehn Techniker von ihren Kollegen in Empfang genommen, Areva will Psychologen und Mediziner zur Betreuung bereitstellen. Doch Huenies und Meister wirken nicht allzu angeschlagen. Jetzt wollen sie nur noch möglichst schnell zu ihren Familien, sagen sie. Beide sind verheiratet, Meister hat zwei Söhne. Und worauf er sich jetzt am meisten freut? „Auf ein heißes Bad und viel Schlaf.“

dpa

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