Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Panorama Zehn US-Bürger wegen mutmaßlichen Kindesraubs festgenommen
Mehr Welt Panorama Zehn US-Bürger wegen mutmaßlichen Kindesraubs festgenommen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:22 31.01.2010
Haitis Präsident René Préval: „Ein Präsident ist auch nur ein Mensch und der große Schmerz ist stumm“ Quelle: dpa
Anzeige

Am Sonnabend wurden im Grenzgebiet zur Dominikanischen Republik 10 US-Bürger festgenommen, die das Land ohne Genehmigung mit 33 haitianischen Kindern verlassen wollten. Die Amerikaner gaben an, dass es sich um Waisenkinder handele, die nun im Nachbarland in einem Heim untergebracht und versorgt werden sollten. Unabhängig von ihrer Motivation hätten die Amerikaner gegen haitianisches Recht verstoßen, teilten die Behörden mit. Allein das Sozialministerium in Port-au- Prince sei berechtigt, zu entscheiden, ob Minderjährige das Land verlassen dürfen. Die 33 Kinder wurden in einem staatlichen Kinderheim außerhalb von Port-au-Prince untergebracht.

Nach dem Erdbeben waren immer wieder Berichte über Menschenhändler bekanntgeworden, die mit der Vermittlung haitianischer Waisen an Paare vor allem in den USA und Europa Geschäfte machen. Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen hat damit begonnen, die Waisenkinder im Erdbebengebiet zu erfassen, um sie besser schützen zu können. Die Zahl der Waisen oder von ihren Eltern getrennten Kinder wird auf eine halbe Million geschätzt.

Anzeige

Der haitianische Präsident René Préval hat sich bei der Bevölkerung für sein langes Schweigen nach dem Erdbeben entschuldigt. „Ein Präsident ist auch nur ein Mensch und der große Schmerz ist stumm“, sagte er in seinem ersten Interview mit dem einheimischen Sender TVC am Sonnabend. Er selbst sei dem Erdbeben nur entkommen, weil er den Präsidentenpalast wegen eines Termins früher als sonst verlassen habe. Bei dem Beben am 12. Januar starben nach jüngsten Schätzungen der Regierung 180.000 Menschen. Unterdessen gestaltet sich die Verteilung der Hilfen für die Überlebenden weiter schwierig. Nach Drängeleien bei der Lebensmittelausgabe wollen die Vereinten Nationen in erster Linie nur noch Frauen versorgen.

Wie US-Medien am Sonnabend berichteten, hat das US-Militär Evakuierungsflüge von verletzten Erdbebenopfern aus Haiti in die USA vorläufig eingestellt. Hintergrund seien finanzielle Unstimmigkeiten darüber, wer die Behandlung bezahlt. So habe der Gouverneur von Florida, Charlie Crist, bei der Regierung in Washington bereits um finanzielle Hilfe nachgefragt.

Laut „New York Times“ hat das US-Militär seit dem Beben mehr als 500 verletzte Erdbebenopfer allein nach Florida ausgeflogen. Wie ein Sprecher des Transportkommandos des US-Militärs der Zeitung sagte, seien die Stellen, zu denen man die Verletzten bringe, „nicht länger bereit, diese Patienten anzunehmen, ohne dass zuvor eine von der Regierung ausgearbeitete Vereinbarung darüber getroffen wurde, wer für die Behandlung aufkommt“. Von Krankenhaus-Vertretern in Miami wurde diese Darstellung zurückgewiesen. Sein Krankenhaus sei auch „weiter bereit, Menschen aufzunehmen, auch wenn wir noch nicht wissen, wer das bezahlen wird“, sagte der Direktor der Universitätsklinik Miami, William O’Neill, dem „Miami Herald“.

In Haiti selbst wurden nach Angaben der Regierung in Washington bisher 18.500 Kranke oder Verletzte von US-Teams medizinisch versorgt. Wie das Gesundheitsministerium in Washington bereits am Freitag mitgeteilt hatte, wurden auch auf dem Lazarettschiff „USS Comfort“ und dem Flugzeugträger „USS Vinson“, die vor der haitianischen Küste liegen, bereits tausende Menschen behandelt.

Das Welternährungsprogramm (WFP) richtete zur Versorgung der Erdbebenopfer mit Lebensmitteln in Port-au-Prince 16 feste Verteilstationen ein. Wie WFP-Sprecher Marcus Prior am Samstag sagte, sollen in den kommenden beiden Wochen auf diese Weise zwei Millionen Menschen mit Nahrung versorgt werden. Bislang hatte das WFP etwa 600.000 Menschen erreicht. Jede Familie soll unter anderem einen Sack mit 25 Kilo Reis erhalten.

Das Welternährungsprogramm will mit der UN-Mission in Haiti und der US-Armee eng zusammenarbeiten, um Ausschreitungen bei den Verteilungen zu verhindern. Die haitianische Regierung hat das Weiterverkaufen von Lebensmittelhilfe inzwischen für illegal erklärt.

dpa

Mehr zum Thema

Vermutlich wegen eines Disputs über die Begleichung von Arztkosten ist die Evakuierung von verletzten Erdbebenopfern aus Haiti in die USA vorerst gestoppt worden.

30.01.2010

UNICEF registriert die Waisenkinder im Erdbebengebiet von Haiti. 60 Adoptivkinder aus Haiti haben derweil ein neues Leben in Deutschland begonnen. Am Donnerstag kamen sie am Frankfurter Flughafen an, wo sie von ihren Adoptiveltern in die Arme geschlossen wurden.

29.01.2010

Das Erdbeben hat am Dienstag ein Land getroffen, das ohnehin schon am Rande des Abgrunds lebte. Haiti ist der ärmste Staat der westlichen Hemisphäre und seit Jahrzehnten nur mit Hilfe der internationalen Gemeinschaft überlebensfähig.

13.01.2010