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Panorama Wut und Hoffnungslosigkeit ergreifen die Haitianer
Mehr Welt Panorama Wut und Hoffnungslosigkeit ergreifen die Haitianer
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20:22 15.01.2010
Erdbebenopfer versorgen sich mit Wasser.
Erdbebenopfer versorgen sich mit Wasser. Quelle: afp
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Drei Tage nach dem Erdbeben in Haiti machen sich wegen schleppend anlaufender Hilfen im Katastrophengebiet Wut und Hoffnungslosigkeit breit. Während die Menschen in der Hauptstadt Port-au-Prince am Freitag bei tropischen Temperaturen weiter mit bloßen Händen nach Opfern gruben, standen internationale Rettungsteams vor massiven logistischen Problemen. Das Rote Kreuz rechnete mit bis zu 50.000 Toten.

„Wenn die internationale Hilfe nicht kommt, wird sich die Lage schnell verschlimmern“, sagte ein Überlebender in der haitianischen Hauptstadt. „Wir brauchen dringend Wasser und Lebensmittel.“ Ein anderer klagte: „Wir hören im Radio, dass Rettungsteams von außen eintreffen, aber hier kommt nichts an.“

Am Flughafen von Port-au-Prince traf zwar im Minutentakt internationale Hilfe ein, massive logistische Probleme erschwerten jedoch die Vereitlung. Infrastruktur und das Kommunikationsnetz wurden beinahe völlig zerstört, es gab kaum Ansprechpartner und viele Rettungsteams hingen am Flughafen oder auf dem Weg nach Haiti fest. Kuba erlaubte den USA, für Hilfsaktionen den kubanischen Luftraum zu nutzen, um die Flugzeit zu verkürzen.

Den Helfern lief drei Tage nach dem Beben die Zeit für die Bergung von Überlebenden davon. „Sie werden sterben“, jammerte der 30-jährige Jean Rald Rocher, der in Port-au-Prince in den Trümmern eines Kaufhauses nach zwei leise wimmernden Frauen grub. Etliche Leichen lagen weiter auf den Straßen.

Immer wieder waren in der haitianischen Hauptstadt auch Schüsse zu hören. Augenzeugen berichteten von Plünderungen, auch die Lagerhäuser des Welternährungsprogramms (WFP) wurden ausgeraubt. Aus dem größten Gefängnis der Stadt flohen nach Angaben des Internationalen Komitee des Roten Kreuzes (IKRK) rund 4000 Gefangene. Die Lage sei „angespannt, aber kontrollierbar“, erklärte die UNO.

Nach UN-Angaben sind in Haiti mit rund 3,5 Millionen Menschen mehr als ein Drittel der Bevölkerung von dem Erdbeben betroffen. In Port-au-Prince verloren 300.000 Menschen ihr Obdach. An großen Plätzen der Stadt errichteten die Überlebenden provisorische Lager und kämpften mit Gebeten und Gesängen gegen die Verzweiflung an.
Laut US-Außenministzerium beteiligten sich bereits 30 Länder mit Hilfe vor Ort. Ein US-Flugzeugträger mit einer Wasserreinigungsanlage, dutzenden Betten und drei OP-Sälen erreichte am Freitag die Region. Das Deutsche Rote Kreuz wollte am Freitag eine mobile Klinik nach Haiti fliegen. Zahlreiche Hilfsorganisationen wie die Johanniter und CARE starteten Nothilfeprogramme.

Die internationale Gemeinschaft sagte laut UNO bislang rund 268,5 Millionen Dollar (186,3 Millionen Euro) an Hilfen zu. Zu den wichtigsten Gebern zählen die Weltbank (100 Millionen Dollar), Großbritannien (zehn Millionen Dollar) und Australien (9,3 Millionen Dollar). Deutschland sagte 1,5 Millionen Euro Soforthilfe zu. Die Weltbank erwog die Einrichtung eines Fonds, um die Hilfen der Geberländer langfristig besser zu koordinieren. Frankreich setzte sich dafür ein, dem bitterarmen Karibikstaat möglichst schnell alle Schulden zu erlassen.

Hinweise auf deutsche Opfer lagen weiterhin nicht vor. „Wir haben Gott sei Dank noch keine schlechten Nachrichten, aber leider auch keine guten“, sagte Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) bei seinem Besuch in China.Deutsche Opfer könnten nach dem Erdbeben der Stärke 7,0 nicht ausgeschlossen werden.

afp

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