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Panorama Wissenschaftler sollen mit falschen Angaben Mittel beantragt haben
Mehr Welt Panorama Wissenschaftler sollen mit falschen Angaben Mittel beantragt haben
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12:33 02.05.2009
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Für angeblich bereits bei Fachjournalen eingereichte Veröffentlichungen hätten noch gar keine Manuskripte vorgelegen, berichtete das „Göttinger Tageblatt“. Eine Untersuchungskommission der Hochschule prüfe 16 Fälle in diesem Zusammenhang. Der Präsident der Universität, Kurt von Figura, zeigte sich „schockiert über das wissenschaftliche Fehlverhalten“.

Betroffen ist den Angaben zufolge ein Sonderforschungsprojekt der Göttinger Universität in Indonesien über tropische Regenwälder. Es wird seit 2000 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) mit Millionenbeträgen finanziert. Anfang dieses Jahres hatte das Projekt die Fortsetzung der Förderung bis 2012 beantragt. Außer den gar nicht vorhandenen Publikationen hätten andere der in dem Antrag angegebenen Veröffentlichungen ein falsches oder gar kein Datum aufgewiesen, berichtete das Blatt.

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Nach Bekanntwerden der mutmaßlichen Fälschungen sei der Förderantrag bei der DFG zurückgezogen worden. Die verantwortlichen Leiter der beteiligten Forschungsgruppen hätten ihre Ämter sofort zur Verfügung gestellt. Das Forschungsprojekt werde beendet. Gegen welche Wissenschaftler sich die Vorwürfe richten, will die Universität bis zum Abschluss der Untersuchungen nicht mitteilen.

Wie das Nachrichtenmagazin „Spiegel“ am Samstag vorab berichtete, flog der Schwindel im Februar bei der Begutachtung des Antrags zur Weiterförderung des „Sonderforschungsbereichs 552“ auf. Dieser befasst sich mit der Veränderung des Regenwalds in Indonesien. Die verärgerten Gutachter drohten, ihre Koffer sofort wieder zu packen. Um einen Eklat zu vermeiden, habe die Hochschule den Antrag auf 8,6 Millionen Euro Forschungsgelder zurückgezogen und auch auf die sonst übliche Auslauffinanzierung verzichtet.

Einen “ähnlichen Verdacht“ gegen Wissenschaftler gibt es laut Hochschulleitung auch im Zusammenhang mit einem Graduiertenkolleg zum Thema Biodiversität. Wegen der Vorfälle fürchtet Hochschulpräsident Figura um den Ruf der Elite-Universität. „Die Reputation ist erheblich beschädigt worden“, sagte Figura dem „Spiegel“. Dem Nachrichtenmagazin vorliegende E-Mails und Sitzungsprotokolle legten den Verdacht nahe, dass mindestens 200.000 Euro für andere Aufgaben abgezweigt worden sein könnten. Figura wollte sich dazu nicht äußern und verwies auf die laufende Prüfung.

ddp