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Panorama Wirbelsturm „Sandy“ stürzt US-Küste in Chaos
Mehr Welt Panorama Wirbelsturm „Sandy“ stürzt US-Küste in Chaos
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17:01 30.10.2012
Der Wirbelsturm „Sandy“ ist mit voller Wucht auf die Ostküste der USA geprallt und hat etwa im New Yorker Stadtteil Queens viele Häuser völlig zerstört. Quelle: Reuters
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New York

Es war einer der schlimmsten Wirbelstürme der letzten Jahrzehnte: „Sandy“ hat die US-Ostküste mit der Millionen-Metropole New York schwer getroffen und eine Nacht des Schreckens beschert. Mindestens 17 Menschen starben. Millionen Haushalte waren ohne Strom. Eine Woche vor der US-Wahl wurde der Sturm auch zu einer Bewährungsprobe für Amtsinhaber Barack Obama und seinen Herausforderer Mitt Romney.
„Sandy“ traf am Montagabend bei Atlantic City auf die Küste. Die Kasinostadt wurde überschwemmt, der Boardwalk, die historische Uferpromenade aus Holz, teilweise weggespült. „Sandy“ zog dann über Pennsylvania nach Norden weiter und schwächte sich nur langsam ab. Das Nationale Hurrikan-Zentrum bezeichnet „Sandy“ seit Montagabend (Ortszeit) nicht mehr als Hurrikan.

In New York richteten die Ausläufer des Sturms mit einer 1000 Kilometer breiten Front Milliardenschäden an. An der Südspitze Manhattans stieg das Wasser etwa 4,30 Meter über Normal - gut einen Meter mehr als der bisherige Rekord von 1960. Der ansonsten hell erleuchtete Finanzdistrikt im Süden Manhattans wurde in gespenstisches Dunkel getaucht, weil der Strom ausfiel oder vorsichtshalber abgeschaltet wurde. Das Wasser lief in Sturzbächen in die Tunnel, die die Insel mit Brooklyn verbinden.
In vielen U-Bahn- und Straßentunneln stand das Wasser in der Nacht mehr als einen Meter hoch. Die New Yorker Verkehrsbetriebe sprachen von der schwersten Zerstörung in der 108-jährigen Geschichte der U-Bahn. Wahrscheinlich dauert es mehrere Tage, bis die Bahn wieder fährt.
An Hunderten Stellen waren Stromleitungen beschädigt. Eine Explosion in einem Umspannwerk in der New Yorker Lower East Side verschärfte die Lage noch weiter. Wegen der Überschwemmungen haben viele Menschen in New York kein Wasser.

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Präsident Obama erklärte Teile der Bundesstaaten New York und New Jersey zu Katastrophengebieten. Mit dieser Maßnahme gibt die US-Regierung zusätzliche Hilfsgelder für betroffene Bürger sowie für Hilfsorganisationen, Firmen und lokale Behörden frei, wie das Weiße Haus am Dienstag in Washington mitteilte.

Wegen eines bedrohlich ansteigenden Wasserspiegels wurde im ältesten Atomkraftwerk der USA südlich von New York Alarm ausgelöst. Das Kraftwerk Oyster Creek war laut der US-Atomaufsichtsbehörde NRC zu dem Zeitpunkt bereits abgeschaltet gewesen. Der Meiler ist seit 1969 am Netz und steht etwa 60 Kilometer von New York entfernt.

Börsen blieben geschlossen

Die US-Börsen blieben auch am Dienstag geschlossen, weil die Händler wegen des stillstehenden Verkehrs nicht zur Arbeit kommen konnten. Zudem liegt die Wall Street in einer Gegend, die überflutungsgefährdet ist. Ab Mittwoch soll die Börse dann nach Angaben des Betreibers wieder öffnen, sofern es die Wetterbedingungen zulassen. Zuletzt war die Börse 1985 wegen eines Sturmes geschlossen geblieben. Auch in der Hauptstadt Washington war das öffentliche Leben am Dienstag weiterhin überwiegend lahmgelegt.
Der Sturm fällt mitten in den Endspurt des US-Wahlkampfs zum 6. November. Der republikanische Gouverneur von New Jersey, Chris Christie, lobte Präsident Obama ausdrücklich für sein Krisenmanagement. „Ich will dem Präsidenten persönlich für all seine Hilfe danken, während wir uns von dem Sturm erholen“, schrieb Christie im Kurznachrichtendienst Twitter mit Blick auf seinen politischen Widersacher.

Obama will vor der Wahl unbedingt ein Desaster wie nach Hurrikan „Katrina“ vor sieben Jahren vermeiden. Der damalige Präsident George W. Bush war 2005 wegen unkoordinierter Hilfe der Regierung in die Kritik geraten. Sowohl der US-Präsident als auch sein Herausforderer Romney hatten mehrere Termine abgesagt.

Die Schäden durch „Sandy“ dürften sich nach Experteneinschätzung auf bis zu 20 Milliarden US-Dollar belaufen. Die Versicherungsbranche dürfte davon 5 bis 10 Milliarden Dollar zu tragen haben, teilte der auf Risikoanalysen spezialisierte Versicherungsdienstleister Eqecat in Oakland mit.

Die Suche nach dem vermissten Kapitän des wegen „Sandy“ in Seenot geratenen Filmschiffs „Bounty“ ging am Dienstag weiter. Das Schiff war am Montag vor der US-Küste in Seenot geraten und später gesunken. 14 der 16 Crew-Mitglieder wurden in einer dramatischen Rettungsaktion von der Küstenwache in Sicherheit gebracht. Eine später bewusstlos aus dem Wasser gezogene 42 Jahre alte Frau wurde in eine Klinik geflogen und starb.

dpa

Hinweis: Dieser Artikel wurde aktualisiert

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