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Panorama „Wir wissen nichts, alles sind Spekulationen“
Mehr Welt Panorama „Wir wissen nichts, alles sind Spekulationen“
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00:32 04.06.2009
Die ersten Schiffe der brasilianischen Marine erreichen das Absturzgebiet. Quelle: afp

All dies könnte dazu beigetragen haben, dass die Air-France-Maschine auf ihrem Flug von Rio de Janeiro nach Paris am frühen Montagmorgen 650 Kilometer nordöstlich der brasilianischen Fernando-de-Noronha-Inseln mit 228 Menschen an Bord in den Atlantik gestürzt ist. Es könnte dazu beigetragen haben, muss es aber nicht.

„Wir wissen bisher nichts, das sind alles Spekulationen“, hat Paul-Louis Arslanian am Mittwoch in Paris klargestellt, der Leiter des französischen Amts für Unfallanalyse. Man wisse nicht einmal, wann das Unglück geschehen sei, ob der Pilot oder einer der Kopiloten das Flugzeug gesteuert habe, ob der Airbus in der Luft auseinandergebrochen sei oder erst beim Aufprall auf dem Meer. Es sei nun Sache der Experten, ihre Arbeit zu tun und vertrauenswürdige Informationen zu liefern.

Das Beste, was die Experten liefern könnten, wäre zweifellos die Bergung und Auswertung der beiden Flugschreiber des Airbus 330, die rund 1000 Flugdaten und eine Aufzeichnung der im Cockpit geführten Gespräche enthalten. Schon die Ortung dürfte schwer fallen. Die Flugschreiber liegen in einer Gebirgslandschaft, die sich 3000 bis 5000 Meter unter dem Meeresspiegel ausbreitet. Noch nie ist in solcher Tiefe eine Black Box gefunden worden. Aber wenn die mit einem Peilsender ausgestatteten Flugschreiber überhaupt zu orten und zu bergen sind, dann von den Spezialisten des Instituts zur Erforschung und Erschließung des Meeres (Ifremer).

Am Mittwoch sind die Ozeanforscher im Auftrag der französischen Regierung von den Azoren Richtung Absturzstelle aufgebrochen. An Bord ihres Forschungsschiffes „Pourquoi Pas?“ (deutsch: Warum Nicht?) haben die Wissenschaftler alles, was es zu einem Tiefseeabenteuer braucht. An erster Stelle ist dies das kleine gelbe Unterseeboot „Nautile“. Es bietet Platz für drei Menschen, zwei Piloten und einen Forscher. Nach Angaben des Herstellers ist es das geeignete Fortbewegungsmittel, um bis in 6000 Meter Tiefe 97 Prozent des Ozeangrundes zu erkunden.

Für auf dem Meeresgrund zu verrichtende Arbeiten bietet sich der mit Armen und Kneifzangen ausgestattete Tauchroboter Victor an. Anders als die „Nautile“, die nach fünf Stunden unter Wasser wieder auftauchen muss, hält er es dort unten bis zu drei Tage aus. Besonders kräftig ist er allerdings nicht. Vor dem Auftrag, mit den Zangen ein Flugzeugwrack aufzureißen und eine Black Box herauszuziehen, müsste Victor kapitulieren.

Trotz moderner Ausrüstung ist der Erfolg der Expedition also keineswegs sicher. Hinzu kommen Unwägbarkeiten wie etwa die Ausbreitung der Signale, die der Peilsender eines Flugschreibers 30 Tage lang aussendet, kommt er mit Wasser in Berührung. Temperatur, Salzgehalt und Tiefe des Meeres beeinflussen Richtung und Geschwindigkeit der Signale, Strömungen lenken sie ebenfalls ab. Die Ortung der Flugschreiber gleicht einer Rechnung mit vielen Unbekannten.

„Zunächst müssen wir überhaupt erst einmal die genaue Absturzstelle ermitteln“, sagt Olivier Lefort, der Direktor des Meeresforschungsinstituts. Die auf dem Wasser schwimmenden Flugzeugteile reichten hierzu nicht aus. Winde und Strömungen könnten sie in alle Himmelsrichtungen verteilt haben.

Fest steht bisher nur, dass sich die Unfallforscher wie auch die Öffentlichkeit in Geduld fassen müssen. Ende Juni erst will das Amt für Unfallanalyse den nächsten Untersuchungsbericht vorlegen.

Mit einer Trauerfeier in der Pariser Kathedrale Notre Dame haben Familien, Politiker und tausende Bürger am Mittwoch der Opfer der Flugzeugkatastrophe gedacht.

von Axel Veiel

Die Ortung ist extrem schwierig

Als der Airbus der US-Airways im Januar auf dem New Yorker Hudson River notlandete, war die ganze Welt live am Fernseher dabei – und dieRetter in Minuten am Unglücksort. Das Drama des Air-France-Airbus spielte sich derweil zunächst unbemerkt in der Nacht zum Montag ab – außerhalb derRadarreichweite der Bodenstationen. Erst als die Piloten sich nicht mehr, wie vorgeschrieben, alle 20 Minuten per Funk meldeten, wurde von der Flugsicherung Alarm geschlagen.

Mehr als ein Tag verging nach dem mysteriösen Absturz, bevor das erste Suchflugzeug Wrackteile im Atlantik sichtete. Das erste Bergungsschiff kamnach zwei Tagen am Katastrophenort an. Überlebende zu finden galt zwar von Beginn an als unwahrscheinlich. Doch auch bei der Bergung von sinkendenWrackteilen oder dem Flugschreiber, die Aufschluss über die Unglücksursache geben können, arbeiten die Helfer gegen die Zeit.

Die Ortung der Absturzstelle wurde erheblich dadurch erschwert, dass Flugzeuge während der Atlantiküberquerung nicht durch Radarstationen überwacht werden können. Die Reichweite des Bodenradars an den Küsten liegt bei etwa 300 bis 400 Kilometer. Sowohl bei der Überquerung des Süd- wie des Nordatlantiks können die Flugbewegungen der Verkehrsmaschinen daher nicht auf den Radarschirmen der Kontrollzentren am Boden verfolgt werden: Die Flugzeuge sind also für die Lotsen nicht mehr sichtbar, es gibt nur noch Funkkontakt.

Damit auf den Atlantikstrecken, auf denen täglich mehrere Hundert Flugzeuge verkehren, trotzdem sicher geflogen werden kann, wird jeder Maschine eine bestimmte Route zugewiesen. Diese Routen bestimmte Positionskoordinaten und Sicherheitsabstände zu anderen Jets fest. Alle 20 Minuten müssen die Piloten per Funk ihre Position an die für sie zuständige Flugsicherung durchgeben – bis die Maschine wieder in Landnähe vom Radar erfasst und dann zum Zielflughafen geführt wird.

Die Piloten, die während der Atlantiküberquerung somit weitgehend auf sich selbst gestellt sind, haben zur Gefahrenvermeidung aber auch ein Radar an Bord, das in der Flugzeugnase untergebracht ist. Damit können Schlechtwetterfronten, die eventuell eine kurzfristige Änderung der Flugroute erfordern, aufgespürt werden. Auch andere Flugzeuge in der Nähe werden angezeigt. Bei Kollisionskurs schlägt das System automatisch Alarm.

von Ralf Schulze

In der Pariser Kathedrale Notre Dame haben Angehörige und Regierungsvertreter am Mittwoch bei einem Gottesdienst der Opfer der über dem Atlantik abgestürzten Air-France-Maschine gedacht.

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