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Panorama Wieder Piratenübergriffe im Indischen Ozean - Reeder rüsten auf
Mehr Welt Panorama Wieder Piratenübergriffe im Indischen Ozean - Reeder rüsten auf
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14:30 28.03.2010
Portugiesische Marinesoldaten nehmen Piraten im Golf von Aden fest.
Portugiesische Marinesoldaten nehmen Piraten im Golf von Aden fest. Quelle: dpa (Archiv)
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Die Zeit der Stürme und der unruhigen See ist bis Oktober vorbei - beste Bedingungen für die Piraten an der somalischen Küste in ihren kleinen Booten, denen hoher Wellengang zu schaffen machen würde.

Nun können sie sich an ihr meist per Satellitentechik geortetes Objekt heranpirschen, meist kurz vor Sonnenaufgang oder nach Sonnenuntergang, wenn die nahenden Boote der Seeräuber im schwachen Licht oft erst dann zu erkennen sind, wenn die Piraten bereits Leitern und Enterhaken schwingen.

Doch die Reeder, die im vergangenen Jahr Rekordsummen an Lösegeld zahlen mussten, sind nicht untätig geblieben. Immer mehr Schiffseigner haben sich mit den vom internationalen Marinekommando am Horn von Afrika herausgegebenen Tipps vertraut gemacht, ihre Schiffe besser gegen Angriffe zu schützen.

Oft genügen schon einfache bauliche Veränderungen, die es den Seeräubern schwerer machen, überhaupt an Bord zu kommen und ihre Leiter an der Reling aufzuhängen. Auch das Frühwarnsystem funktioniert immer besser. „Wenn wir ein verdächtiges Schiff ausmachen, warnen wir alle Schiffe in der Region“, sagt der niederländische Marineoffizier Leutnant Mark Correleyn. „Die Schiffe können dann ihren Kurs rechtzeitig ändern.“

Der Internationale Transitkorridor im Golf von Aden wird von internationalen Kriegsschiffen gesichert, die besonders gefährdete Schiffe sowie die Transporte des Welternährungsprogramms für die durch Bürgerkrieg und Dürre leidende somalische Bevölkerung begleiten. Aber die Seeräuber aus den mittlerweile schon bekannten bekannten Piratenhäfen Eyl oder Haradhere sind schon längst in die Weiten des Indischen Ozeans ausgewichen.

Sogenannte Mutterboote mit reichlich Benzin- und Lebensmittelvorräten hieven die kleinen Schnellboote an Bord, die weit draußen auf See zu Wasser gelassen werden, um auf Kaperfahrt zu gehen. Immer wieder handelt es sich bei diesen Mutterschiffen um zuvor gekaperte Fischtrawler. Auch die Seychellen gehören mittlerweile zum Jagdrevier der Piraten und inzwischen kam es bereits zu Schiffsüberfällen in Gewässern, die dem indischen Subkontinent näher waren als Afrika.

Zunehmend setzen Reedereien angesichts des immer größeren Risikogebiets auf private Sicherheitskräfte und Waffen an Bord. So auch der unter Panama-Flagge fahrende Frachter MS Almezaan aus den Emiraten, der in dieser Woche vor der somalischen Küste von drei Piratenschiffen angegriffen wurde. Die Sicherheitsmänner schossen zurück, ein Pirat wurde bei dem Schusswechsel getötet. Es war das erste Mal, dass Seeräuber durch privates Sicherheitspersonal ums Leben kamen, nachdem im vergangenen Jahr schon mehrfach Piraten bei Einsätzen von Kriegsschiffen getötet wurden.

In der kenianischen Hafenstadt Mombasa füllen sich unterdessen die Zellen des örtlichen Gefängnisses mit festgenommenen Piraten, die hier auf ihren Prozess warten. Da im Bürgerkriegsland Somalia auch das Justizsystem völlig zusammengebrochen ist, haben Kenia und neuerdings die Seychellen Abkommen mit der EU abgeschlossen, das einen Prozess der auf frischer Tat festgenommenen Seeräuber in dem ostafrikanischen Land ermöglicht. Erst kürzlich wurde ein Dutzend Piraten zu 20 Jahren Haft verurteilt. Einer der Männer klagte heftig gegen das hohe Urteil und sah sich als Opfer eines Justizirrtums an: „Wir sind gar keine Piraten“, versicherte er. „Wir sind doch nur Menschenschmuggler!“

dpa