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Panorama Wie der Traum vom "4-G-Park" in die Pleite führte
Mehr Welt Panorama Wie der Traum vom "4-G-Park" in die Pleite führte
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10:45 12.12.2016
Von Gabriele Schulte
Bildunterschrift
Wathlingen

Es hätte alles so schön sein können. Die Menschen in Wathlingen und Umgebung finden seit vier Jahren ein Angebot vor, von dem andere Dörfer allenfalls träumen. „Ein Dorf baut sich seine Zukunft“, titelte die HAZ kurz vor der Eröffnung des 4-Generationen-Parks am Rand des ehemaligen Kalistandorts. Ein gutes Stück weit ist das mit dem mehr als acht Meter hohen Gebäudekomplex auch gelungen. Eine Vielzahl von Vereinen, Gruppen und Veranstaltungen füllt das 4-G mit Leben. Wenn bloß die Gastronomie dort und die daraus erwachsenden Schulden nicht wären: Wathlingens finanzielle Lage ist so miserabel, dass der Landkreis Celle dem Haushalt der 6200-Einwohner-Gemeinde die Zustimmung verweigert.

Wathlingen leistet sich viel - sogar ein eigenes Kino. Auf dem Nachmittagsprogramm steht etwa „Caprice“, ein Film mit Doris Day als Kosmetikexpertin im Spionageeinsatz. Dieses ehrenamtlich organisierte Angebot der Gemeinde im Anschluss an Kaffee und Kuchen richtet sich an Senioren.

Sorgenkind: das Restaurant

Das täglich geöffnete Restaurant „vierG“ kann Getränke und Speisen nicht so billig anbieten, die an die Mensa angeschlossene Gaststätte soll sich eigentlich selbst tragen. Möglicherweise hatten sich das viele Wathlinger anders vorgestellt, als sie sich bei den Planungen für das Gemeinschaftshaus ausdrücklich eine Gastronomie im Gebäude wünschten. Jedenfalls kommen zu wenige, um den Betrieb wirtschaftlich führen zu können. „Die Leute müssen auch hingehen“, hatte vor der Eröffnung Jens Klingebiel gesagt; der Hausmeister führte damals als einer von 18 ehrenamtlichen „4-G-Botschaftern“ Besuchergruppen durch das Gebäude. „Das Essen im 4-G schmeckt gut“, sagt er heute. „Aber es kommen nicht genug Gäste.“

Die Gaststätte hatte sich von Anfang an als Sorgenbereich des Zentrums erwiesen. Es gab Probleme, Pächter und zuverlässige Köche zu finden. Die Gemeinde entschied schließlich, die Gastronomie selbst zu betreiben. Torsten Harms, der ehrenamtliche Bürgermeister, engagiert sich dort weit über das übliche Maß hinaus. Der Rechtsanwalt hatte das 4-G in der Planungszeit als sein „Baby“ bezeichnet. Nun versucht der 51-Jährige, das Kind am Laufen zu halten - buchstäblich Tag und Nacht, ohne dafür eine entsprechende Aufwandsentschädigung zu erhalten. Mitarbeiter berichten, dass Harms nach nächtlichen Veranstaltungen wie der beliebten „Ü 30-Party“ im 4-G auch mal selbst zur Kehrmaschine greift. Auch die Rolle als Aushilfswirt im kommunalen Restaurant hat er schon übernommen, hat Tische gedeckt, bedient und gespült.

Vielleicht auch deshalb hat der CDU-Mann bei der letzten Kommunalwahl noch ein paar Stimmen mehr erhalten. Doch auch manche Kritik im Dorf setzt dort an: Es sei nicht Sache einer Kommune, ein Restaurant zu betreiben. Schließlich würden auch bezahlte Mitarbeiterstunden darauf verschwendet. Das ist Wasser auf die Mühlen derer, die ohnehin lieber das frühere Dorfgemeinschaftshaus „Schacht“ behalten hätten.

Hohes Defizit, kein genehmigter Haushalt

Die finanziellen Folgen sind offensichtlich. Die Gemeinde hat noch immer keinen genehmigten Haushaltsplan für 2015. Der Kreis Celle, der das Zentrum für Jung und Alt weiter für im Prinzip „richtig“ hält, sieht großen Einsparbedarf. Für die nächsten drei Jahre liegen Wathlingens voraussichtliche Defizite jährlich zwischen 250.000 und 400.000 Euro. „Der Restaurantbetrieb im 4-G macht rund 60 Prozent des Defizits der Einrichtung aus“, sagt Landkreissprecher Christian Sonnenschmidt.

FDP und Grüne im Rat hatten von Anfang an Bedenken geäußert. Mar-Heinz Marheine von den Grünen sieht sich nun bestätigt. „Bei der Verschuldung pro Person liegt Wathlingen im Landkreis an erster Stelle“, sagt er. Insgesamt seien wohl rund 9 Millionen Euro an Schulden zusammengekommen. Der Bund der Steuerzahler habe schon nachgehakt. Marheine kritisiert, dass die Gemeinde zum Ausgleich den Grundsteuerhebesatz deutlich erhöht hat. Dieser werde womöglich in naher Zukunft auf 600 Prozentpunkte steigen.

Unterdessen stellt die Kommune für das 4-G Sparpläne auf: Der Wegfall eines Ausbildungsplatzes und Sparmaßnahmen in den Bereichen Büro, Reinigung und Spülküche könnten zusammen rund 25.000 Euro erbringen. Abstriche in der Gastronomie sind in der Diskussion - Vereine könnten sich vielleicht Getränke aus einem Kühlschrank nehmen, statt sich bei ihren Versammlungen am gedeckten Tisch bedienen zu lassen. Gleichzeitig sieht sich die Gemeinde nach Möglichkeiten um, einen anderen Betreiber für das Restaurant zu finden, doch das ist weiter schwierig. Obwohl bereits ein Versuch gescheitert ist, eine Genossenschaft zu gründen, will Bürgermeister Harms sich weiter mit dem Rat in dieser Richtung umsehen. Der Bürgermeister scheint unermüdlich. Stolz berichtet er, dass die Abwanderung aus dem Dorf gestoppt wurde und fast alle Bauplätze neben dem 4-G verkauft seien. Das Ziel, Wathlingen zum Anziehungspunkt für alle Generationen zu machen, sei erreicht worden. Vom Ideal einer schwarzen Null hat er sich indes verabschiedet. Inzwischen sagt Harms: „Man wird wahrscheinlich nie ganz ohne Zuschuss auskommen.“

"Leuchtturm" für 6 Millionen Euro

Der 4-Generationen-Park in Wathlingen ist ein großes Dorfgemeinschaftshaus mit üppigem Angebot für alle Altersgruppen. „Für uns ist das der demografische Wandel in Beton gegossen“, sagte Bürgermeister Torsten Harms vor der Eröffnung im November 2012. Kern des schon damals in der Gemeinde umstrittenen Komplexes ist ein sieben Meter hoher Saal, der bis zu 200 Personen Platz zum Essen und Feiern bietet und mittags als Mensa der Oberschule genutzt wird. Hinzu kommen im 4-G eine öffentliche Gastronomie, ein Kinder- und Jugendtreff, Seminarräume, Bücherei, Fahrradwerkstatt und ein Kinoraum mit 44 Plätzen. Unter dem Dach des 4-G-Parks bietet die Stiftung Linerhaus Gruppen für Kinder und Jugendliche an. Teil des 4-G-Projekts ist ein angrenzendes Neubaugebiet mit 49 Grundstücken und einem Acht-Parteien-Haus für Betreutes Wohnen. Die Kosten für den landesweit als „Leuchtturmprojekt“ gesehenen 4-G-Park betrugen 6 Millionen Euro. 2 Millionen kamen aus einem Regionalprogramm der EU, eine Million vom Landkreis, die Samtgemeinde und die diakonische Stiftung Linerhaus beteiligten sich. Die Gemeinde selbst hatte noch 2 Millionen Euro zu stemmen.

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