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Panorama Wettlauf mit der Zeit: Impfstoff gegen Schweinegrippe bis Herbst?
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16:17 12.06.2009

Vor der eigentlichen Produktion der ersten Impfdosen steht allerdings ein aufwendiges Verfahren. Zwar ist es dem Schweizer Pharmaunternehmen Novartis nach eigenen Angaben nun gelungen, erste Proben eines Impfstoffes herzustellen. Der Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), Jörg Hacker, geht dennoch davon aus, dass es erst im Herbst einen einsatzfähigen Impfstoff geben wird.

Anders als etwa Masernviren verändern sich Influenzaviren ständig, was die Impfstoffherstellung besonders schwer macht. Deswegen muss auch der Impfstoff für die „normale“ Grippe jährlich neu zusammengesetzt werden. Grundsätzlich kann mit der Herstellung des Serums erst begonnen werden, wenn der Erreger eindeutig identifiziert ist. Denn ein Impfstoff muss einen oder mehrere Eiweißstoffe genau jenes Virus enthalten, gegen das er schützen soll. Das erst führt zur Bildung von Abwehrstoffen im Immunsystem.

Auch im Fall der Schweinegrippe müssen vor der Produktion eines Pandemie-Impfstoffes die Viren zunächst aufwendig angezüchtet werden. Die Viren werden in bebrüteten Hühnereiern oder auf Zellkulturen vermehrt, bevor die eigentliche Impfstoff-Herstellung startet. Die Bundesregierung hat die Entwicklung sogenannter Impfstoff-Prototypen mit 20 Millionen Euro gefördert und Verträge mit zwei Pharmaherstellern geschlossen, die sich verpflichtet haben, im Pandemiefall eine „frühestmögliche“ Impfung der Bevölkerung sicherzustellen.

Novartis verkündete nun am Freitag einen ersten Erfolg: Es sei gelungen, mithilfe des Zellkultur-Verfahrens eine erste Impfstoffprobe herzustellen und zwar schneller als beim üblichen Verfahren mit Hühnereiern. Bevor der Impfstoff auf den Markt kommt, muss er allerdings noch sorgfältig getestet werden. So muss untersucht werden, ob er überhaupt einen ausreichenden Schutz im Menschen aufbauen kann und ob er verträglich ist. Nach klinischen Tests im Juli hofft das Unternehmen, im Herbst die Zulassung zu erhalten.

Die Impfung von 80 Millionen Menschen in Deutschland - und das jeweils zweimal - wäre nicht nur eine logistische Herausforderung. Es ist auch eine Frage der Prioritäten. Denn klar ist: Zunächst würde der Impfstoff für die gesamte Bevölkerung nicht ausreichen. Bis 80 Millionen Dosen für die erste Impfung hergestellt sind, würden nach Expertenschätzungen sechs bis zehn Wochen ins Land gehen.

Als erstes sollen deshalb Bevölkerungsgruppen geimpft werden, die am meisten bei der Bekämpfung der Krankheit gebraucht werden, wie medizinisches Personal, oder auch krankheitsanfällige Menschen. Bei der Impfstoffverteilung müsse der „zur Aufrechterhaltung der medizinischen Versorgung und der öffentlichen Sicherheit und Ordnung erforderliche Personenkreis“ berücksichtigt werden, heißt es im Nationalen Pandemieplan von 2007.

Bis zum Herbst ließen sich nicht „enorme Mengen von Impfstoff“ herstellen, warnte auch die EU-Gesundheitskommissarin Androulla Vassiliou. Ältere Menschen und Behinderte müssten bei der Impfung Vorrang haben. Im Juli soll bei einem Treffen der EU-Gesundheitsminister auch die Frage besonderer Risikogruppen geklärt werden, kündigte Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) an.

Einigermaßen beruhigend ist, dass die Schweinegrippe mit antiviralen Medikamenten wie Tamiflu gut behandelbar ist, wie sich bei den bisher über 100 Fällen in Deutschland gezeigt hat. Die Bundesländer haben Vorräte angelegt, die für mindestens 20 Prozent der Bevölkerung ausreichen sollten.

Trotz der guten Behandlungsmöglichkeiten und den Fortschritten beim Impfstoff warnen Experten gleichwohl davor, die Schweinegrippe zu unterschätzen. Es sei nicht auszuschließen, dass die Schweinegrippe im Herbst mit der normalen Influenzasaison wiederkomme, sich verändere und „die Symptomatik schwerer wird“, sagte RKI-Chef Hacker.

afp

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