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Panorama Warten auf den Weltuntergang am Pic de Bugarach
Mehr Welt Panorama Warten auf den Weltuntergang am Pic de Bugarach
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16:19 27.12.2010
Jean-Pierre Delord, Bürgermeister der Gemeinde Bugarach, befürchtet einen Ansturm von Esoterikern, die für den 21. Dezember 2012 das Ende der Welt erwarten. Quelle: afp
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Doch Bürgermeister Jean-Pierre Delord ist gar nicht glücklich darüber, dass ausgerechnet der zu seiner Gemeinde gehörende 1231 Meter hohe Gipfel des Pic de Bugarach so sagenumwoben ist. Denn er fürchtet den Ansturm von tausenden Esoterikern in Bugarach. „Das Internet ist zu allen Verrücktheiten fähig - und wir 200 Einwohner werden dem nicht widerstehen können“, sagt der 67-jährige ehemalige Viehzüchter.

Schon jetzt kommen seinen Angaben zufolge Reisende mit Amuletten und magischen Steinen, um den Berg aufzusuchen. Einige glauben, dass das Massiv eine Garage für UFOs beherbergt. Andere suchen den Heiligen Gral oder den Schatz der Templer. „Am Anfang bestand meine Kundschaft zu 72 Prozent aus Wanderern. Heute sind es zu 68 Prozent Esoteriker“, sagt Sigrid Benard, die seit sechs Jahren eine Pension in Bugarach betreibt.

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Nach dem Zweiten Weltkrieg waren zahlreiche Einwohner aus dem Ort weg in die Städte gezogen. Ende der 60er Jahre erlebte Bugarach dann mit der Ankunft alternativer Landwirte einen Aufschwung. Heute sind acht von neun Viehzüchter-Familien zugezogen. „Die Leute haben sich angepasst und die heimische Wirtschaft angekurbelt“, freut sich Vize-Bürgermeister Gilbert Cros.

Im Jahr 2000 begannen dann die Anhänger des Übersinnlichen, sich für Bugarach zu interessieren. „Von diesen ganzen Absonderlichkeiten hatte man früher nie gehört“, beschwert sich Cros, der ein schlechtes Image für seine Gemeinde befürchtet. Die Esoteriker kaufen seinen Angaben zufolge vor allem vereinzelt stehende Häuser, wo sie dann ihre Seminare abhalten. Eine „Parallelwirtschaft“ habe sich so gebildet.

Die Deutsche Neli Busch, die auf der anderen Seite des Berges in Camps-sur-l’Agly Gästezimmer anbietet, klagt über einen Anstieg der Immobilienpreise. „Die Esoteriker, die die besten Plätze für den Weltuntergang haben wollen, kaufen das ganze Ackerland auf.“ Die Preise schnellten derart in die Höhe, dass junge Leute sich gar nicht mehr niederlassen könnten.

Angaben darüber, wie viele Esoteriker sich tatsächlich in Bugarach und Umgebung ansiedeln, gibt es nicht. Die Gemeindeverwaltung verzeichnet allerdings generell mehr Nachfragen nach Häusern zur Miete oder zum Verkauf. Ob die Sinnsucher in dem Ort dann auch tatsächlich auf ihre Kosten kommen werden, ist fraglich. Ein Rathausmitarbeiter berichtet: „In dem einen Jahr, in dem ich da bin, habe ich keine einzige fliegende Untertasse gesehen.

afp