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Panorama Diese Idee rettet Taubenleben
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00:16 21.11.2016
„Papa hat immer solche Ideen“: Die leuchtenden Warnwesten wurden den Brieftauben von Günter Schmidt und seiner Tochter Hilke auf den Leib geschneidert.  Quelle: Irving Villegas
Wallhöfen

Die Vögel flattern aufgeregt hinter dem metallenen Zaun, als Günter Schmidt um die Ecke der Scheune biegt. Etwa 120 Brieftauben habe er gerade in seinem Schlag untergebracht, erzählt er - „nicht ganz so viele“ wie früher. Mit den Händen in den Hosentaschen bleibt er vor dem Gehege stehen und schaut hinein. „Für nächstes Jahr habe ich keine Reisemannschaft“, sagt er wehmütig. Etwa 60 junge Tieren, mit denen er trainierte, selbstständig wieder in den Schlag zurückzufinden, seien ihm in diesem Jahr genommen worden. „Die hat der Wanderfalke aufgefressen oder vertrieben.“

Tiere sterben - das ist für Schmidt etwas ganz Alltägliches. Der 53-Jährige arbeitet als Fleischer, „oder ,Designer für Feinkost und Konserven‘, wie ich es nenne“, sagt er und lacht. Nach Feierabend umgibt er sich lieber mit lebenden Tieren: Neben seinen Brieftauben habe er viele Jahre Ziegen gehalten. Dazu gibt es drei Hunde, ein Pferd, zwölf Gänse und 28 Warzenenten auf dem Grundstück der fünfköpfigen Familie am Ortsrand des ländlichen Wallhöfen im Kreis Osterholz. „Die hier bringen wir aber heute noch zum Schlachter“, sagt Schmidt und schaut in das Gehege der Enten - die Vogelgrippe sei auf dem Vormarsch. Da ist der Fleischer ganz pragmatisch, wie schon früher bei der Namensfindung seiner Ziegenböcke. „Die hießen alle Holger“, sagt Schmidt und lacht.

Wenn er über seine bedrohten Brieftauben spricht, kann Günter Schmidts humorvolle Art eine gewisse Verbitterung nicht verbergen. Seit 1977 züchte er nun die Vögel, erzählt er. Doch als Naturschützer vor wenigen Jahren auf dem nahegelegenen Fernsehturm einen Brutkasten für Wanderfalken aufgestellt hätten, seien viele seiner wertvollen Tauben zur Nahrung für die Greifvögel verkommen. „Seitdem ist es vorbei mit lustig Brieftaubenzüchten“, sagt er in ernstem Ton. Im Clinch sei man jedoch nicht. „Wir sind zwei Gruppen und jeder hat eine andere Meinung.“

Eine Lösung musste her - und auch hier ging der Taubenzüchter ganz pragmatisch vor. In einer Zeitschrift hatte er von Brieftauben im Ersten und Zweiten Weltkrieg gelesen, die, mit Kameras ausgestattet, feindliches Gebiet filmten oder abseits des Funkverkehrs Nachrichten überbrachten. So kam er auf die Idee, seine Vögel mit einem Blinklicht auszustatten, das die Wanderfalken abschrecken sollte.

Er überlegte, Warnwesten als Grundlage zu verwenden. Mit ihren Reflektoren und der grellen Farbe sollte das Material zusätzlich abschreckend wirken. Aber es gab noch viel zu bedenken. Leicht müssten die Westen sein, bequem für das Tier, in der Größe verstellbar und robust verarbeitet. Fast habe er daraufhin die Schere in die Ecke geworfen, erzählt der Familienvater. Doch dann habe er seine Tochter Hilke eingeweiht. „Papa hat immer solche Ideen“, sagt die Zwölfjährige. Hilke übernahm die Fertigung, für die dem Vater nach eigener Aussage das Geschick und die Geduld gefehlt hatte. Gemeinsam schufen sie die ersten Warnwesten für Brieftauben. Nach den Anfängen im Mai dieses Jahres haben Vater und Tochter nun etwa 30 Exemplare angefertigt. Nachdem sich die Tauben an die Westen gewöhnt hatten, konnten vier Probeflüge absolviert werden. „Das hat alles gut geklappt“, sagt Schmidt. Im kommenden Sommer steht der Härtetest an. Dann soll sich zeigen, ob die Westen wirklich Schutz vor Wanderfalken bieten können.

In der Szene kamen die handgemachten Einzelstücke gut an. Auf dem Taubenmarkt in Kassel, einer international besuchten Messe Ende Oktober, hatte Taubenzüchter Schmidt seine blinkenden Warnwesten vorgestellt. Eigentlich habe er sich nur ein paar Tipps einholen wollen. „Dabei haben mich die Leute gefragt, wann und wo sie die Westen kaufen können.“ Damit habe er nicht gerechnet, erzählt er. Bis zur nächsten Messe will er seine Idee daher noch verbessern. „Ich stehe jetzt ein Jahr unter Druck“, meint er grinsend.

Nils Oehlschläger

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