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Panorama Vorzeigepaar Guttenberg muss sich umorientieren
Mehr Welt Panorama Vorzeigepaar Guttenberg muss sich umorientieren
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01:15 03.03.2011
Die Guttenbergs in zünftiger bayerischer Tracht bei der "Kulmbacher Bierwoche". Quelle: dpa
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Sämtliche Wahlkampftermine gestrichen, die Teilnahme an der gestrigen Kabinettssitzung abgesagt, alle Vorbereitungen für Truppenbesuche im In- und Ausland gestoppt – Karl-Theodor zu Guttenberg räumt auf. Sein Amt als Verteidigungsminister übt er nur noch provisorisch aus. Abends, nach dem Dienst im Bendlerblock an der Stauffenbergstraße im Stadtzentrum, lässt er sich direkt in sein Haus ganz im Westen Berlins fahren. Guttenberg, der Medienliebling, schirmt sich ab. Keine Interviews, keine größeren Gesprächsrunden, nur vereinzelte SMS per Mobiltelefon an langjährige Weggefährten. Niemand vermochte am Mittwoch in Berlin zu sagen, wie sich der bisherige Kabinettstar seine persönliche Zukunft vorstellt.

Der Freiherr aus Franken ist ein Politiker aus Leidenschaft. Kritiker sagen rückblickend, er habe dieses Engagement eher spielerisch betrieben. Fest steht, dass er finanziell auf ein Leben als Berufspolitiker nicht angewiesen sein dürfte. Ein Ministergehalt oder die Bundestagsdiäten erscheinen angesichts seines Vermögens eher zweitrangig.

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Laut „Manager Magazin“ zählt sein Vater Enoch mit geschätzten 400 Millionen Euro zu den 500 reichsten Deutschen. Ein Teil des Vermögens soll schon vor Jahren zwischen Karl-Theodor zu Guttenberg und seinem Bruder Philipp aufgeteilt worden sein. Allerdings mit gewissen Ausnahmen: Der Stammsitz der Adelsfamilie zu Guttenberg am gleichnamigen Dorf und der großflächige Forstbetrieb gingen vor zwei Jahren in eine österreichische Privatstiftung über – um zu verhindern, dass Erbstreitigkeiten später zum Verkauf führen könnten. Das Schloss soll als Kulturgut dauerhaft erhalten bleiben.

Das prachtvolle Anwesen auf dem Lande gilt bis heute als wichtige Anlaufstelle für die gesamte Familie. Der CSU-Politiker und seine Ehefrau Stephanie haben in den vergangenen Jahren allerdings nie Zweifel daran gelassen, dass Berlin zu ihrem eigentlichen Zuhause geworden ist. Von ihrer Stadtvilla im noblen Westend ist es nur ein Katzensprung bis zur Einkaufsmeile am Kurfürstendamm. Hier gehen ihre zwei Töchter zur Schule, und hier geht auch Stephanie zu Guttenberg ihren eigenen „Investments“ nach. Die Ururenkelin des „Eisernen Kanzlers“ Otto von Bismarck ist in der Öffentlichkeit zumeist als Präsidentin des Vereins „Innocence in Danger“ bekannt, der gegen den sexuellen Missbrauch von Kindern kämpft. An der Spree genießt sie darüber hinaus den Ruf, eine engagierte Mutter und eine tüchtige Geschäftsfrau zu sein. Im Westberliner Stadtteil Charlottenburg ist sie eine bekannte Persönlichkeit, die auch bei Geschäftsterminen mit ihrem kleinen Mini vorfährt.

Die Guttenberg-Biografen Eckart Lohse und Markus Wehner, die in dieser Woche eine Arbeit über den Politiker vorgelegt haben, beschreiben das Ehepaar als „eine Einheit, von der die eine Hälfte zurzeit Minister ist“. Das Paar, das sich vor 15 Jahren auf einer Party am Rande der Berliner Love-Parade kennengelernt hatte, erscheint ihnen als geradezu symbiotisch: „Sie sprechen sich ungewöhnlich stark ab und handeln geradezu im Einklang“, sagt Lohse. Wer der Frage nach der Zukunft des scheidenden Ministers nachgehe, müsse sich daher ebenso mit den Wünschen und Erwartungen der Ehefrau beschäftigen.

An Ehrgeiz steht Stephanie zu Guttenberg ihrem Mann nicht nach. Dass sie bei Preisverleihungen auf dem roten Teppich oder am Rednerpult eine gute Figur macht, liegt wohl auch daran, dass die Betriebswirtschaftlerin auf die Gestaltung und den Verkauf von Textilien spezialisiert ist. Für Modeagenturen war sie in Düsseldorf, Köln und Paris im Einsatz. Vor ihrer Hochzeit, kurz nach dem Abitur, trat sie als Model für Giorgio Armani in München auf. Es verwundert daher nicht, dass sie im Freundeskreis immer mal wieder davon spricht, „gern einen eigenen Laden aufzumachen“ – wobei die 34-Jährige unter einem „Laden“ wohl eher ein Unternehmen als ein kleines Geschäft versteht.

An Zukunftsplänen hat es dem Paar nie gemangelt. Auch nicht an der frühzeitigen Erkenntnis, dass dem Höhenflug in der Politik und den glanzvollen Auftritten über Nacht eine krachende Niederlage folgen kann. Doch die Plagiatsaffäre ist mehr als eine verlorene Schlacht. Als Hochstapler und Täuscher beschimpft zu werden trifft die Guttenbergs bis ins Mark. Aus ihrem Freundeskreis ist zu hören, dass sich diese Vorwürfe nicht mit Geld und nicht mit Glamour aus der Welt schaffen ließen. „In dieser peinlichen Situation hilft nur eines“, sagt ein CSU-Politiker, der das Paar seit den neunziger Jahren kennt, „Guttenberg muss es sich selbst und seiner Familie in ein paar Jahren noch einmal beweisen.“

Stefan Koch

02.03.2011
02.03.2011