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Panorama Verzweiflung haitianischer Bebenopfer schlägt in Gewalt um
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16:40 19.01.2010
Quelle: AFP
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Eine Woche nach dem Erdbeben in Haiti entlädt sich die Verzweiflung der Not leidenden Bevölkerung zunehmend in Plünderungen und Gewalt. Hoffnung auf eine bessere Versorgung gab am Dienstag ein US-Flugzeug, das nach Angaben der US-Armee erstmals Lebensmittel und Wasser über der Hauptstadt Port-au-Prince abwarf. Der UN-Sicherheitsrat wollte über die Entsendung von weiteren 3500 Blauhelmsoldaten nach Haiti abstimmen.

Tausende durch das Erdbeben obdachlos gewordene Einwohner waren den Plünderen hilflos ausgeliefert, die in den Ruinen von Port-au-Prince umherstreiften und es außer auf Geschäfte auch auf Privathäuser abgesehen hatten. Soldaten in Kampfuniformen versuchten vergeblich, der Lage Herr zu werden, indem sie Warnschüsse abgaben. Neben der Sicherheitslage war das größte Problem die Seuchengefahr, die bei tropischen Temperaturen und verheerenden hygienischen Zuständen stündlich zunimmt.

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Nach Angaben der US-Armee wurden acht Kilometer vom Flughafen von Port-au-Prince entfernt aus einem Flugzeug 14.500 Lebensmittelpakete und 15.000 Liter Trinkwasser abgeworfen. Mit der Maßnahme solle ein weiterer Verteilungspunkt entstehen, um schneller an die Bevölkerung heranzukommen, hieß es. Die USA hatten dem Abwerfen von Hilfspaketen aus Flugzeugen wegen befürchteter Unruhen unter den Erdbebenopfern zunächst skeptisch gegenüber gestanden. Stunden zuvor war in Port-au-Prince bereits ein US-Amphibienschiff mit mehr als 2200 Marineinfanteristen, Nahrungsmitteln, Wasser und Medikamenten eingetroffen.

Das Welternährungsprogramm (WFP) verteilte nach der Katastrophe 250.000 Essensrationen und über 20.000 Zelte an die zahlreichen Obdachlosen. Nach Angaben des Technischen Hilfswerks (THW) läuft die von ihm in der Nähe des Flughafens von Port-au-Prince eingerichtete Anlage zur Aufbereitung von Trinkwasser seit Montag mit voller Leistung. Die Johanniter-Unfall-Hilfe kündigte für Mittwoch die Entsendung weiterer zwölf Helfer, darunter Ärzte und Rettungssanitäter, an. Das Hilfswerk der deutschen Caritas stockte die Hilfe für die Erdbebenopfer auf eine Million Euro auf. Die deutsche Welthungerhilfe verteilte an drei Standorten je 11.000 Liter Wasser.

Nach Einschätzung der UNO bestanden auch sieben Tage nach dem Erdbeben immer noch Chancen, Überlebende aus den Trümmern zu bergen. „Die Hoffnung dauert an“, sagte die Sprecherin des UN-Büros für humanitäre Angelegenheiten (OCHA), Elisabeth Byrs, in Genf. Zuvor hatte sie bekannt gegeben, dass seit der Katastrophe mehr als 90 Menschen lebend geborgen werden konnten. Bei dem schweren Beben starben mindestens 70.000 Menschen, Experten rechnen inzwischen mit bis zu 200.000 Todesopfern.

Nach Ansicht des Präsidenten der benachbarten Dominikanischen Republik, Leonel Fernández, werden für ein fünfjähriges Wiederaufbauprogramm zehn Milliarden Dollar benötigt. Für den UN-Sonderfonds in Höhe von 575 Millionen Dollar gingen nach OCHA-Angaben bis Dienstag erst 105 Millionen Dollar ein. Weitere 50 Millionen Dollar waren demnach zugesagt. US-Präsident Barack Obama schlug seinem brasilianischen Kollegen Luiz Inacio Lula da Silva vor, gemeinsam mit den USA und Kanada die Führung beim Krisenmanagement der humanitären Hilfe für Haiti zu übernehmen. EU-Staaten sagten bislang mehr als 600 Millionen Dollar (420 Millionen Euro) Hilfe für Haiti zu.

AFP