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Panorama Vermeintlicher Kriegsheld auf der Flucht
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15:36 08.07.2009
US-Veteranen gedenken jedes Jahr ihrer in der Normandie gefallenen Kameraden. Quelle: Mychele Daniau/afp
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Der Bürgermeister errichtete ihm eine Gedenktafel, Frankreich nahm ihn in die Ehrenlegion auf. Doch nun ist der Traum zerplatzt. Seine Geschichte über den heroischen Einsatz bei der Befreiung der Normandie war wohl frei erfunden - und Manoian verließ Frankreich fluchtartig.

„Ich kann es noch immer nicht glauben“, sagte Marc Lefèvre, der Bürgermeister von Sainte-Mère-Eglise. „Hier war er bekannt wie ein bunter Hund.“ Dafür hat Manoian selbst gesorgt. Er erzählte seine Geschichte immer wieder, so lange, bis sie alle glaubten. Demnach sprang er Anfang Juni 1944 mit dem Fallschirm hinter den feindlichen Linien über der Normandie ab und kämpfte dann in Sainte-Mère-Eglise gegen die Deutschen, die von den Alliierten von der Kanalküste zurückgedrängt wurden. Zweimal wurde er nach eigenen Angaben durch Schüsse verwundet.

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Manoian, der seit 1984 einen Teil des Jahres in Frankreich lebte, gab sich als Mitglied der berühmten 82. US-Fallschirmspringerdivision aus. Er trug ihre Abzeichen auf der Jacke und am roten Barett, auch seinen alten Renault und sein Haus im Nachbarort von Sainte-Mère-Eglise zierten die Insignien der Haudegen-Truppe. Über die Jahre wurde er von französischen und ausländischen Medien zum Jahrestag der Landung der Alliierten am 6. Juni regelmäßig interviewt.

Doch die US-Zeitung „Boston Herald“ machte Manoians Legende nun ein Ende. Sie suchte in US-Militärarchiven und fand ihn zwar, aber nicht als Fallschirmspringer. Tatsächlich war er demnach Soldat in einer Einheit zur Abwehr von Chemiewaffen und kam mit dem Schiff in der Normandie an. Im Kampf schwer verletzt wurde er laut der Zeitung auch nicht: Er hatte sich lediglich einmal einen Finger gebrochen - ein Unfall.

Zweifel an seiner Geschichte gab es länger, aber niemand wollte sie glauben. „Ich dachte, dass dahinter Rivalitäten zwischen Veteranenverbänden stecken“, sagte Bürgermeister Lefèvre. Er weist sich und seinen Landsleuten auch selbst Schuld zu. „Wir haben derart großen Respekt für die Veteranen, vielleicht zuviel.“ Andererseits könne er aber auch nicht die Vergangenheit jedes Kriegsteilnehmers überprüfen, den er treffe.

Im Ort hat Manoian noch immer Freunde, die es einfach nicht glauben können. „Ich hoffe, dass es falsch ist“, sagt Huguette Joret, die bei sich zuhause Veteranen aufnimmt, wenn sie zu Besuch kommen. „Howard bleibt mein Freund“, sagt Roger Coueffin, der Wirt der Dorfkneipe. „Er ist in die USA zurück, um nach Beweisen für die Wahrheit seiner Geschichte zu forschen.“ Bis Klarheit herrscht, will Coueffin die Bilder von Howard in seinem Lokal nicht von der Wand nehmen.

Doch wirklich kämpfen will der angebliche Kriegsheld offenbar nicht mehr. Wird er von Journalisten in den USA angerufen, legt er einfach auf. Der Historiker Christophe Prime, der in der Weltkriegsgedenkstätte der Stadt Caen arbeitet, ist über Manoians Geschichte nicht überrascht. Viele Veteranen erzählten, „dass sie zu der und der Zeit an der Front waren, obwohl das nicht stimmt“, sagte er. Manche lebten sich so sehr in diese Legenden hinein, „dass sie sie am Ende selber glauben“.

afp