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Panorama Vater der verschleppten Kinder schweigt zu Motiv
Mehr Welt Panorama Vater der verschleppten Kinder schweigt zu Motiv
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18:16 09.09.2011
Die verschleppten Kinder Benjamin (7, von links oben im Uhrzeigersinn), Lisa (4), Jonas (8) und Miriam (5) sind zurück in Deutschland. Quelle: dpa
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Celle

Vor dem Haftrichter habe der 37-Jährige zu seinem Motiv und den Hintergründen der mehr als viermonatigen Odyssee zunächst geschwiegen, sagte Oberstaatsanwalt Lars Janßen am Freitag in Celle.

Der Mann hatte die Geschwister, für die er kein Sorgerecht mehr hat, am Ostermontag aus Hermannsburg in der Lüneburger Heide nach Ägypten verschleppt. Ägyptische Fahnder hatten ihn und die vier bis neun Jahre alten Kinder am Mittwoch in Kairo festgesetzt. Am Donnerstag kamen alle fünf zurück nach Deutschland. Die Kinder sind wieder wohlbehalten bei ihrer Mutter. Der Vater kam wegen Kindesentziehung in Untersuchungshaft.

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Ägyptische Polizeibeamte hatten den Mann in einem Internet-Café in Kairo entdeckt. Er habe die Beamten dann zu einer Wohnung in der Millionenmetropole geführt, in der die vier Kinder waren, teilten Sprecher von Polizei und Staatsanwaltschaft in Celle am Abend mit. Nachdem alle eindeutig identifiziert worden waren, wurden der Vater und seine vier Kinder den Angaben zufolge mitsamt Gepäck zur Generalstaatsanwaltschaft in Kairo gebracht. Um nicht in Auslieferungshaft genommen zu werden, stimmte der 37-Jährige der sofortigen Ausreise mit den Kindern aus Ägypten zu. Botschaft und Auswärtiges Amt organisierten dann die von deutschen Polizeibeamten begleitete Rückreise.

Kindesentziehung kann nach dem Strafgesetzbuch mit bis zu zehn Jahren Haft bestraft werden. In weniger schwerwiegenden Fällen kann auch nur eine Geldstrafe verhängt werden. Sind Angehörige die Täter, muss die Verschleppung in der Regel mit Gewalt, Drohungen oder List einhergehen, um strafbar zu sein. Der 37-Jährige hat sich inzwischen einen Anwalt genommen, aber keinen Antrag auf Entlassung aus der Untersuchungshaft gestellt. Möglicherweise muss der Beschuldigte vor einem Prozess zunächst auch erst fachpsychiatrisch untersucht werden.

dpa