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09:09 27.01.2013
Von Saskia Döhner
Die Leibniz Universität Hannover hat 23.000 Studierenden und nimmt damit die meisten Studiengebühren ein - 15 Millionen Euro. Quelle: Radel (Archiv)
Hannover

Viele Studenten sind derzeit im Prüfungsstress. An etlichen Hochschulen im Land können sie jetzt auch sonnabends in der Bibliothek lernen - dank der Studiengebühren. Doch seit dem Machtwechsel, den der rot-grüne Wahlsieg am Sonntag eingeleitet hat, fürchten die Hochschulen um diese Einnahmequelle, die im Schnitt rund zehn Prozent ihres Budgets ausmacht. SPD und Grüne hatten schon vor der Wahl angekündigt, dass sie die Studiengebühren abschaffen wollen.

Die Hochschule Emden etwa öffnet in Prüfungsphasen wie jetzt jeden Sonnabend zwischen 10 und 14 Uhr ihre Bibliothek, zudem wurden eigens „Lernnischen“ eingerichtet. Verlängerte Bibliothekszeiten, mehr Tutorien, bessere Labors und Werkstätten, neue Hörsäle, zusätzliche wissenschaftliche Mitarbeiter und Studienberater - mit den Studiengebühren ist in den vergangenen sechs Jahren viel für die Verbesserung der Lehre getan worden. Rund 106 Millionen Euro nehmen die niedersächsischen Hochschulen dadurch jährlich ein. Neben Bayern, wo gerade ein Volksbegehren gegen die Studiengebühren läuft, ist Niedersachsen derzeit das einzige Land, in dem Studenten noch zahlen müssen. So kostet ein Studium in Niedersachsen zwischen 1400 und 1600 Euro im Jahr - neben den Lebenshaltungskosten. Zu den 1000 Euro Studiengebühren kommen auch noch Semesterbeiträge. Darin enthalten ist immerhin das Semesterticket.

Die Hochschule Emden (4300 Studenten) kassiert rund drei Millionen Euro Studiengebühren pro Jahr. „Wenn die Beiträge wegfallen, muss die Gegenfinanzierung gesichert sein, das Geld brauchen wir“, sagt Hochschulpräsident Gerhard Kreutz.

Ähnlich äußert sich auch Erich Barke von der Leibniz Universität Hannover. Mit 23.000 Studierenden ist sie nach Göttingen (25.380 Studierende) nur die zweitgrößte Uni des Landes, nimmt aber die meisten Studiengebühren ein - 15 Millionen Euro. Göttingen kommt auf 13,5 Millionen. Zwei Drittel des Geldes in Hannover sind nach Angaben des Präsidenten in zusätzliches Personal geflossen.

Es gebe einen bis 2015 laufenden Vertrag mit dem Land, betont der Vorsitzende der Landeshochschulkonferenz und Präsident der Universität Braunschweig, Jürgen Hesselbach. „Den kann man nicht so leicht kündigen“, sagt der Präsident der Uni Hildesheim, Wolfgang-Uwe Friedrich. Der designierte Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hat indes betont, dass man zwar die Gebühren streichen, den Unis das Geld aber ersetzen wolle. Die Frage sei nur, zu welchen Bedingungen, heißt es vonseiten der Hochschulen. „Wenn die Studiengebühren abgeschafft werden, müssen zusätzliche Mittel in den Etat des Wissenschaftsministeriums eingestellt werden“, fordern die Uni-Präsidenten Barke und Hesselbach. Das Geld müsse dynamisch an die Studentenzahl angepasst werden: „Mehr Studierende gleich mehr Kompensation.“ Der finanzielle Ausgleich dürfe nicht dazu führen, dass die Unis mehr Studienplätze zur Verfügung stellen müssten.

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