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Panorama Unglamouröses Lebewohl von Heidi Klum und Seal
Mehr Welt Panorama Unglamouröses Lebewohl von Heidi Klum und Seal
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21:10 23.01.2012
Von Imre Grimm
Foto: „The End“ für Model Heidi Klum und Sänger Seal.
„The End“ für Model Heidi Klum und Sänger Seal. Quelle: dpa
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Hannover

Es war eine merkwürdige Botschaft, mit der Seal am Freitag um 11.27 Uhr seine 46.000 Follower bei Twitter überraschte: „The End.“ tippte er schlicht, dazu verschickte er das Foto eines – tja, was? Eines Baumstammes? Eines Brathähnchens? Oder doch eines eintätowierten Engels? Die kryptische Nachricht bot Anlass zu Spekulationen. Und dass beide dann schwiegen, Heidi und Seal, machte die Sache umso verdächtiger. Denn Heidi Klum und Schweigen – das passt nicht gut zusammen.

Am Montag dann die offizielle Bestätigung: Sänger Seal, geboren 1963 als Seal Henry Olusegun Olumide Adeola Samuel in London, und Supermodel Heidi Klum, geboren 1973 als Heidi Klum in Bergisch Gladbach, gehen getrennte Wege. Eines der populärsten Paare des Glamourzirkus macht Schluss, im verflixten siebten Jahr. „Wir haben uns auseinandergelebt“, heißt es in einer Mitteilung. Aber: „Wir werden uns weiter lieben.“ Nun stehe das Wohl der Kinder im Mittelpunkt, man bitte daher darum, „unsere Privatsphäre zu respektieren“. Das sagt die Frau, die die Geburt ebendieser Kinder vermarktete und in Interviews erzählt, wie man mit Minirock und Strapsen das Sexleben aktiv hält.

Drei gemeinsame Kinder hat das Paar: die Söhne Henry Günther Ademola Dashtu (6) und Johan Riley Fyodor Taiwo (5) sowie die Tochter Lou Sulola (2). Zur Patchwork-Familie gehört noch Heidis Tochter Leni (7), deren Vater der Formel-1-Manager Flavio Briatore ist. Seal nahm für Leni die Vaterrolle an, adoptierte sie später.

Sieben Jahre Ehe – das ist in der Welt von Heidi Klum und Seal eine halbe Ewigkeit. Hollywood-Ehen halten auch gern mal 55 Stunden (Britney Spears/Jason Alexander), neun Tage (Dennis Rodman/Carmen Electra), 16 Tage (Sinéad O’Connor/Barry Herridge) oder zwei Monate (Pamela Anderson/Rick Salomon). Da gelten dreieinhalb Monate (Lisa Marie Presley/Nicholas Cage) oder gar fünf Monate (Drew Barrymore/Tom Green) schon als Langzeitbeziehung.

„Fans in den USA und Europa reagierten geschockt“, behauptete am Montag die Deutsche Presse-Agentur. Von verzweifelten Fans mit tränennassen Augen, Fotos und brennenden Kerzen in den Händen ist allerdings nichts bekannt. Doch das Aus für die europäische Variante von „Brangelina“ kommt tatsächlich ziemlich aus dem Nichts. Erst 2009 nahm Klum den bürgerlichen Nachnamen ihres Mannes an, ließ sich dann ein verschnörkeltes „Seal“ auf den rechten Unterarm tätowieren. Noch am 2. Weihnachtstag, vor vier Wochen, twitterte sie ein idyllisches Urlaubs-Paarbild aus Colorado mit den Worten: „Sun and Snow and Seal.“

Heidi & Seal: Die Schöne mit der offensiven Stimme und der „Schmusesänger“ waren eine symbiotisch verbandelte Glücksfabrik, eine penetrante Seifenoper in Dauerschleife, die unentwegt neue Bilder der Eintracht produzierte. Von der Verlobung vor sechseinhalb Jahren mit einem zehnkarätigen Diamantring in einem eigens errichteten Iglu auf einem Gletscher in Kanada über schrille Halloween-Fotos bis zum gemeinsamen Schunkel-Karneval in Bergisch Gladbach – immer wusste „die Heidi“, was der Boulevard sehen wollte. Und eisern lächelte sie weg, was sie nicht hören wollte. Kritik etwa. An ihrer Stimme, an der würdelosen Fleischbeschau „Germany’s Next Topmodel“.

Warnzeichen? Kann man finden. „Vor Heidi wusste ich nicht, was ich in den nächsten Wochen machen werde“, hat Seal mal gesagt. „Es ist sehr schwierig. Ich halte mich an ihr fest und versuche nicht loszulassen, wenn sie durchs Leben rast.“ Vier Kinder seien „harte Arbeit“.

Die Tochter eines ehemaligen 4711-Parfümmanagers und einer Friseurin siegte 1992 in Thomas Gottschalks RTL-Late-Night-Show im Wettbewerb „Model ‘92“. Ihren Durchbruch hatte sie 1998 auf dem Cover der Swimsuit-Ausgabe von „Sports Illustrated“. Die „stupsnasige und kaltschnäuzige Scharführerin“ („Emma“) lief nie bei den großen Schauen in Mailand, Paris oder New York. Jedes Jahr erneuerten sie und Seal dafür ihr Eheversprechen mit dem kitschigen Pomp einer Cinderella-Parade in Disneyland. Es war die perfekte Klatschgeschichte: der blütenweiße Engel mit den Eisaugen und der dunkle, starke Mann mit schwerer Kindheit.

Nun brummt die Spekulationsmaschinerie. „Society-Experten“ in aller Welt rücken die Schlipse gerade und sprechen Küchenpsychologisches in TV-Kameras: Hat es Seal nicht länger ertragen, dass die begnadete Selbstvermarkterin an seiner Seite als Unternehmerin, TV-Moderatorin und Victoria’s-Secret-Engel Jahr für Jahr bis zu 20 Millionen Dollar verdiente, während sein letzter eigener Nummer-eins-Hit 17 Jahre zurückliegt? Damals landete „Kiss From a Rose“ dank des „Batman Forever“-Soundtracks an der US-Chartspitze. Zuletzt geriet Seal in die Kritik, weil er als Mietsänger bei der pompösen Geburtstagsparty des tschetschenischen Machthabers Ramsan Kadyrow auftrat. Bei Konzerten in Deutschland gab es „Wir wollen die Heidi sehen“-Sprechchöre. Verletzte es seinen Stolz, als „Mr. Heidi Klum“ zu gelten? Heidi hat 460.000 Twitter-Follower – fast zehnmal so viele wie er.

Sicher ist: Die frischen Schlagzeilen kommen nicht zur Unzeit. Am 23. Februar startet bei PRO7 die siebte Staffel von „Germany’s Next Topmodel by Heidi Klum“. Und Seal hat derzeit als Juror bei der australischen Ausgabe von „The
Voice“ ein Album zu verkaufen. Heidi Klum wäre nicht Heidi Klum, wenn sie nicht selbst aus einer Trennung noch ein bisschen Publicity saugen würde. Die Ersten spekulieren bereits über ein Abschieds­parfüm: „The End. By Heidi Klum“.