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Panorama Umstrittener Kormoran ist Vogel des Jahres 2010
Mehr Welt Panorama Umstrittener Kormoran ist Vogel des Jahres 2010
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16:42 09.10.2009
Der Kormoran gilt für viele als lästiger Fischräuber.
Der Kormoran gilt für viele als lästiger Fischräuber. Quelle: ddp
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Obwohl der Kormoran eine geschützte Art sei, werde er an deutschen Seen, Flüssen und Küsten wieder zu Tausenden geschossen und vertrieben, weil er als Fischräuber gelte. Angler und Sportfischer reagierten mit heftiger Ablehnung auf die Wahl.

Die 80 bis 100 Zentimeter großen und bis zu drei Kilogramm schweren Vögel galten laut NABU in Mitteleuropa jahrzehntelang als ausgerottet. Erst dank eines konsequentem Schutzes seit Ende der 70er Jahre sei der Kormoran wieder an die Gewässer in Deutschland zurückgekehrt. Mittlerweile gebe es bundesweit wieder rund 24.000 Brutpaare. „Die Rückkehr des Kormorans ist ein Erfolg für den Vogelschutz“, sagte der LBV-Vorsitzende Ludwig Sothmann. Die Verbände hätten aber mittlerweile „wirklich Sorgen“, dass sich die Vertreibung des Vogels, der besonders häufig in großen Kolonien nahe der Küsten brütet, wiederholen könnte.

In einem gemeinsamen „Kormoran-Management“ hätten nahezu alle Bundesländer zum Schutz ihrer Fischbestände Verordnungen erlassen, die den Schutz der Vögel untergraben würden, kritisierte NABU-Vizepräsident Helmut Opitz: „Die Bilanz ist beschämend: Jedes Jahr werden in Deutschland wieder rund 15.000 Kormorane getötet.“ Zum Teil werde der Abschuss selbst in Naturschutzgebieten und während der Brutzeit freigegeben. Sogar mit Lasergewehren sei schon Jagd auf den auch als „schwarzer Geselle“ verschrienen Vogel gemacht worden. „Kormorane vernichten keine natürlichen Fischbestände und gefährden langfristig auch keine Fischarten“, sagte Sothmann. Außerdem würden durch die Jagd andere gefährdete Vogelarten wie die Rohrdommel und der Schwarzmilan gestört.

Nach Ansicht der Naturschützer gibt es Alternativen für den Schutz von Fischbeständen vor dem Kormoran. So könnten etwa Fischteiche durch das Spannen von gut sichtbaren, weitmaschigen Drahtnetzen vor wirtschaftlichen Schäden geschützt werden. Außerdem könne die Einrichtung von Ruhezonen für Kormorane an natürlichen Gewässern die Schäden begrenzen. Die Wahl solle „keine Provokation sein, sondern ein Appell“, betonte Sothmann. Man wolle zeigen, was getan werden könne, um sowohl Kormoranen als auch Fischern „eine Zukunft an unseren Gewässern zu sichern“.

Angler und Sportfischer kritisierten die Wahl des Kormorans dennoch als „außerhalb jeglicher Vernunft“. Manche Fischzucht-Betreiber seien durch den fliegenden Fischfresser „an den Rand des Ruins getrieben worden“, kritisierten der Verband Deutscher Sportfischer und der Deutsche Anglerverband. Mithilfe der Länderverordnungen hätten manche Fischarten wie etwa die Äsche, die durch den Kormoran in bayerischen Gebirgsflüssen fast ausgerottet worden sei, wieder etwas besser geschützt werden können. Die Verordnungen seien notwendig, um dem Vogel Einhalt zu gebieten.

Der Kormoran ist der insgesamt 39. Vogel des Jahres. Der Vogel aus der Familie der Ruderfüßer, der mit Ausnahme Südamerikas in allen Regionen der Erde beheimatet ist, kann bis zu 90 Sekunden lang und bis zu 30 Meter tief tauchen. Sein mit Wasser vollgesogenes Gefieder lässt er danach von Wind und Sonne trocknen - laut NABU ein einzigartiges Verhalten in der Vogelwelt. Vogel des Jahres 2009 war der Eisvogel. Der Titel wird seit 1971 vergeben.

ddp