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Panorama US-Polizist steht unter Mordanklage
Mehr Welt Panorama US-Polizist steht unter Mordanklage
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21:21 08.04.2015
Foto: Das Video eines Zeugens zeigt, wie der Polizist Michael Slager den unbewaffneten Walter Scott mit acht Schüssen tötet.
 Das Video eines Zeugens zeigt, wie der Polizist Michael Slager den unbewaffneten Walter Scott mit acht Schüssen tötet. Quelle: YouTube
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Charleston

Am Sonnabend geht gegen 10 Uhr eine knappe, sachliche Meldung über den Polizeifunk von North Charleston ein. „Schüsse abgefeuert, Subjekt ist auf dem Boden. Er hat meinen Taser (eine Elektroschockpistole) genommen“, ist da die Stimme des Beamten Michael Slager zu hören. Offensichtlich ist der Polizist darum bemüht, den Vorfall so trivial und routinemäßig wie möglich erscheinen zu lassen.

Das „Subjekt“ ist der 50 Jahre alte Afroamerikaner Walter Scott. Slager hat ihn in einem Park erschossen. Doch der Vorfall hat, zunächst, wie von Slager gewünscht, keine Konsequenzen. Slager schreibt seinen Dienstbericht und macht nach seiner Schicht Feierabend. Was der Polizist anscheinend nicht bemerkt hatte, war jedoch, dass ein Passant den Vorfall gefilmt hat. Das Amateurvideo, das am Dienstag den Behörden und verschiedenen Medien übergeben wurde, erzählt eine ganz andere Geschichte als die der Notwehr eines bedrängten Beamten, die Slager zu konstruieren versuchte. Es zeigt, wie Slager einem unbewaffneten Mann, der vor ihm auf der Flucht ist, achtmal in den Rücken schießt. Und es zeigt offenbar auch, wie Slager eiskalt den Taser neben die Leiche legt, nachdem er dieser Handschellen angelegt hat.

Das Video verbreitet sich am Dienstagabend im Internet und in den Nachrichtensendungen wie ein Lauffeuer. Es zeigt Bilder, die Amerika nur allzu vertraut sind und derer das Land zugleich überdrüssig ist. Ein weißer Polizist tötet einen hilf- und wehrlosen Schwarzen. Ohne Not und ohne Grund. Es ist wie eine Pest, die die USA nicht loswerden. Erst im Herbst sind in Dutzenden von Städten des Landes Hunderttausende auf die Straßen gegangen, um gegen diese Art der willkürlichen Polizeigewalt zu demonstrieren.

Immerhin hat es die Südstaatenstadt North Charleston, wie Ferguson ein Ort mit überwiegend schwarzer Bevölkerung und einer überwiegend weißen Polizeitruppe, vermieden, was im vergangenen Sommer in Missouri und in New York passiert ist. Anstatt untätig eine langwierige Untersuchung abzuwarten, ist Michael Slager verhaftet und des Mordes angeklagt worden. „Wer eine schlechte Entscheidung trifft, muss für die Folgen seiner Handlungen geradestehen“, sagte Bürgermeister Keith Summey. „Da ist es gleichgültig, ob man eine Dienstmarke trägt oder ob man ein ganz normaler Bürger ist.“

Die prompte Verhaftung und Anklage von Slager wird zweifellos dazu beitragen, zunächst die Gemüter zu kühlen. Summey wird sich nicht derselben Lage ausgesetzt sehen wie seine Kollege in Ferguson, wo nach der Erschießung von Michael Brown im vergangenen August wochenlange Demonstrationen nebst heftigen Ausschreitungen die Stadt und die gesamte Nation erschütterten. Ob die aktuelle Anklage dauerhaft den Frieden wahren kann, hängt allerdings davon ab, ob es auch zu einer Verurteilung kommt.

Wenn der bekannte Fall in New York ein Lehrstück ist, dann ist ein Schuldspruch trotz des Videobeweises jedoch alles andere als sicher. Dort wurde auch der Tod eines Mannes namens Eric Garner auf Video aufgezeichnet, das Geschehen schien eindeutig. Eine Gruppe von Polizisten rang den unbewaffneten Mann, der sich nicht wehrte, nieder und erstickte ihn. Dennoch befand die Grand Jury, dass die Beweise nicht zu einer Anklage ausreichen. Auch im Fall Slager scheinen mit dem Video die Dinge klar zu liegen. Wie seine Verteidigung den Tatbestand der Notwehr konstruieren will, ist auf den ersten Blick für den Laien schleierhaft.

Laut Polizeibericht hat Slager den Wagen von Scott wegen eines defekten Rücklichts angehalten. In einer nahe gelegenen Parkanlage kommt es dann zum Handgemenge. Laut Polizeibericht versucht Slager Scott mithilfe seines Tasers zu stoppen. In diesem Augenblick setzt das Video ein. Darauf ist zu sehen, wie neben den beiden Männern ein Gegenstand zu Boden fliegt, mutmaßlich die Taser-Pistole. Slager zieht seine Waffe, Scott beginnt wegzulaufen. Dann fallen acht Schüsse, sie treffen Scott in den Rücken. Der Getroffene fällt zu Boden.

Interessant für die Anklage ist, was danach passiert. Slager hebt den Gegenstand auf, der zu Boden gefallen ist und bringt ihn zu Scott. Er legt ihn neben den Körper und legt Scott Handschellen an, so, als wäre er am Leben und könne sich noch wehren. Versuche von Erster Hilfe oder Wiederbelebung gibt es nicht. Das alles scheint eindeutig. Und so ist, wie schon in Ferguson und im Fall von Eric Garner, die öffentliche Reaktion auf den Vorfall einhellig. Bürgerrechtsgruppen planten für Mittwoch Proteste in Charleston, riefen jedoch zu Besonnenheit und Mäßigung auf.

Doch all diese Bekundungen konnten nicht übertünchen, dass es wieder passiert ist, dass Amerika ein systematisches Problem der Polizeigewalt gegen Minderheiten hat. „Da war ein Polizist, der geglaubt hat, er käme einfach damit davon, jemanden mehrfach in den Rücken zu schießen“, sagte Chris Stewart, der Anwalt der Familie Scott. „Das sagt einiges darüber aus, wie viel ein Menschenleben hier wert ist.“ Ein schwarzes Menschenleben wäre anzufügen.

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