Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Panorama US-Ostküste fürchtet sich vor Hurrikan „Sandy“
Mehr Welt Panorama US-Ostküste fürchtet sich vor Hurrikan „Sandy“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:10 29.10.2012
Anzeige
Washington

Die Furcht vor Hurrikan „Sandy“ hat das öffentliche Leben an der US-Ostküste weitgehend lahmgelegt. Schon vor seinem Eintreffen wirbelte der Sturm das Leben von Millionen Menschen durcheinander. Tausende Flüge fielen aus, darunter auch Verbindungen nach Deutschland. In den Metropolen New York und Washington stand der Nahverkehr komplett still. Die Wall Street blieb erstmals seit 27 Jahren wieder wegen Sturms geschlossen, beeinträchtigt war auch der Präsidentschaftswahlkampf. Vor der Küste wurden zudem mehrere Menschen vermisst.

Nach Einschätzung des Hurrikanzentrums in Florida sollte das Auge des Sturms im Laufe des Abends (Ortszeit) gute 100 Kilometer südlich von New York die Küste erreichen. Der Sturm bewegte sich zuletzt mit etwa 30 Kilometern in der Stunde auf die US-Küste zu. Die Winde in seinem Wirbel erreichten zwischenzeitlich aber 150 Kilometer in der Stunde.

Anzeige

Der befürchtete Jahrhundertsturm gefährdet auch die Terminpläne für den Endspurt vor der US-Wahl am 6. November. Präsident Barack Obama kehrte von einer Wahlkampftour in Florida nach Washington zurück und rief die Bevölkerung eindringlich dazu auf, den Anweisungen der Behörden zu folgen. „Dies wird ein großer und mächtiger Sturm“, warnte Obama im Weißen Haus.

Allein die Sturmschäden könnten sich nach Ansicht von Fachleuten auf etwa drei Milliarden Dollar (2,3 Milliarden Euro) belaufen. Aus Angst vor dem Hurrikan sollten allein in New York fast 400 000 Bewohner ihre Häuser verlassen. Insgesamt könnten rund 60 Millionen Menschen die Auswirkungen „Sandys“ zu spüren bekommen, wie es vom Energieversorger National Grid hieß.

Das Auswärtige Amt in Berlin rechnet wegen des Hurrikans mit erheblichen Einschränkungen im öffentlichen Leben an der Ostküste der USA. Das geht aus den aktuellen Reise- und Sicherheitshinweisen hervor. Die Menschen in den betroffenen Bundesstaaten deckten sich mit Vorräten ein. Knapp wurden Wasserflaschen, Lebensmittel in Dosen, Taschenlampen und Batterien.

Das Zentrum der Hauptstadt Washington glich am Morgen (Ortszeit) einer Geisterstadt. Die Behörden riefen alle Bewohner auf, ab 14 Uhr Ortszeit möglichst nicht mehr die Häuser zu verlassen. Wetterexperten befürchten, dass der Hurrikan im Nordosten der USA auf einen Wintersturm stoßen könnte. Diese Kombination könnte zum schwersten Unwetter an der Ostküste seit 1991 führen. Damals kamen bei Hurrikan „Bob“ vier Menschen ums Leben, von South Carolina im Süden bis Maine im Norden entstanden hohe Schäden.

Zum ersten Mal seit 27 Jahren blieb die Wall Street wegen eines Sturms komplett geschlossen. An allen US-Aktienmärkten fiel zum Wochenauftakt wegen des Hurrikans der Handel aus. Dies hatte die US-Wertpapieraufsicht SEC in der Nacht zu Montag in New York angeordnet. Auch an diesem Dienstag soll die Wall Street dicht bleiben.

Die Schiffe der Navy, die im Hafen Norfolk im Bundesstaat Virginia liegen, wurden verlegt. 61.000 Mitglieder der Nationalgarde waren in Katastrophen-Bereitschaft. Vielerorts sicherten Menschen ihre Häuser mit Brettern und Sandsäcken.

Präsident Obama rief für die Millionenmetropolen Washington und New York sowie die Bundesstaaten Maryland und Massachusetts den Notstand aus. Er warnte in einer kurzen Ansprache im Weißen Haus, dass der Sturm tödliche Folgen haben könnte. Zugleich versicherte er, dass alles Mögliche zur Vorbereitung auf den Hurrikan getan worden sei. „Ich bin zuversichtlich, dass wir bereit sind“, sagte Obama. „Wir werden das zusammen überstehen.“

Obama will vor der Wahl unbedingt ein Desaster wie nach Hurrikan „Katrina“ vor sieben Jahren vermeiden. Der damalige Präsident George W. Bush war 2005 wegen unkoordinierter Hilfe der Regierung in die Kritik geraten. Zu möglichen Auswirkungen auf die Präsidentenwahl am Dienstag nächster Woche sagte Obama am Montag, das bereite ihm keine Sorgen. Die Wahl werde stattfinden. Worum er sich sorge, sei das Wohlbefinden der Bevölkerung.

Bürgermeister Michael Bloomberg warnte die New Yorker davor, den Sturm auf die leichte Schulter zu nehmen. „Sie könnten essen oder ins Kino gehen. Aber denken Sie daran: Es ist gefährlich da draußen. Vielleicht ist das einfach ein guter Tag, vor dem Fernsehen zu sitzen und ein Sandwich zu essen“, sagte Bloomberg in New York. Der Hinweis, zu Hause zu bleiben, gelte aber nicht für die Menschen im Evakuierungsgebiet. Dazu zählen die niedriger gelegenen Stadtteile im Süden Manhattans, darunter das bekannte Viertel Tribeca.

Auch für Inseln vor New York sowie für die Bewohner von Inseln vor New Jerseys Küste wie Long Beach Island gab es Evakuierungsbefehle. Vielerorts wurden Klassenräume zu Notunterkünften.

In der Karibik starben wegen „Sandy“ nach jüngsten Angaben 67 Menschen, davon allein in Haiti 51. Nach dem Vorbeizug wurden in der Region zudem mehrere Europäer vermisst. Nach Angaben des Transportministeriums in Paris handelt es sich um sechs bis sieben Franzosen, die mit einem Boot zwischen den Inseln Martinique und Dominica unterwegs waren.

Bei einer dramatischen Rettungsaktion brachten zwei Hubschrauber der US-Küstenwache 14 Besatzungsmitglieder des Filmschiffs „Bounty“ in Sicherheit. Zwei Menschen wurden allerdings auch Stunden nach der Aktion noch vermisst. Der aus dem Hollywood-Klassiker „Die Meuterei auf der Bounty“ von 1962 bekannte Großsegler war etwa 150 Kilometer südöstlich von North Carolina in Seenot geraten und aufgegeben worden.


Hurrikan Sandy legt US-Ostküste lahmStepMap


dpa/mhu

Dieser Artikel wurde erneut aktualisiert.

Mehr zum Thema
Panorama Dutzende Tote in der Karibik - Sorge in den USA vor Hurrikan „Sandy“

Hurrikan „Sandy“ hat in der Karibik 39 Menschen das Leben gekostet und wird zur Bedrohung für die Ostküste der USA. Meteorologen warnen vor einem Monstersturm. Wahlkämpfer Romney sagte eine Kundgebung ab.

27.10.2012

Ein Hurrikan hinterlässt eine Spur der Verwüstung in der Karibik. Mehr als 20 Menschen sterben. Nun wird der Sturm zur Bedrohung für die USA. Meteorologen sprechen von einem möglichen Jahrhundertsturm.

26.10.2012

Hurrikan „Sandy“ wütet in Jamaika und richtet schwere Schäden an. Ein Mensch kommt ums Leben. Auch auf den Bahamas herrscht nun Hurrikan-Alarm.

25.10.2012
Panorama Schenkelbrand für Pferde - Brandzeichen wird nicht verboten
28.10.2012