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Panorama UNAIDS stellt Jahresbericht zu Aids-Epidemie vor
Mehr Welt Panorama UNAIDS stellt Jahresbericht zu Aids-Epidemie vor
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17:25 23.11.2010
UNAIDS-Chef Michel Sidibé sagte, 56 Ländern sei es gelungen, die Zahl der Neuinfektionen stabil zu halten oder „bedeutend zu senken“. Quelle: ap
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Die Zahl der Neuinfektionen mit dem Aids-Virus HIV ist in den vergangenen zehn Jahren weltweit um rund ein Fünftel zurückgegangen. Das geht aus dem Jahresbericht des UN-Programms gegen Aids (UNAIDS) hervor, der am Dienstag in Genf veröffentlicht wurde. Von 1999, dem vermutlichen Höhepunkt der Aids-Epidemie, bis zum Jahr 2009 sank die Zahl der Neuinfektionen demnach um 19 Prozent auf 2,6 Millionen. UNAIDS-Chef Michel Sidibé sagte, 56 Ländern sei es gelungen, die Zahl der Neuinfektionen stabil zu halten oder „bedeutend zu senken“.

Sidibé erneuerte sein Lob für Papst Benedikt XVI. für dessen Äußerungen zum Gebrauch von Kondomen. Wissenschaftliche Beweise zur Wirksamkeit von Kondomen bei der Aids-Verhütung allein seien nicht ausreichend. „Unerlässlich“ seien Vorgaben von „moralischen Instanzen“ wie dem Papst, aber auch von muslimischen Religionsführern. Das Oberhaupt der katholischen Kirche hatte die Nutzung von Präservativen in einem Interview in Einzelfällen für erlaubt erklärt. Hoffnung mache auch die Entwicklung eines Vaginal-Gels, das Frauen erstmals die Möglichkeit zur eigenen HIV-Prävention geben soll, sagte Sidibé. Die medizinischen Versuche mit dem Gel weckten die „Hoffnung einer ganzen Generation von Frauen“.

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Der UNAIDS-Chef warnte aber zugleich vor einem nachlassenden Einsatz gegen die Immunschwächekrankheit. „Wir haben keinen Grund, den Sieg auszurufen“, sagte Sidibé. Im vergangenen Jahr habe sich das Wachstum der für den Kampf gegen Aids bereitgestellten Mittel erstmals in der Geschichte verlangsamt. Ohne ausreichende Finanzierung drohe fünf Millionen HIV-Infizierten der Tod, die auf die Einnahme von Aids-Medikamenten angewiesen sind.

Dem Bericht zufolge, den UNAIDS gemeinsam mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erstellte, starben seit dem Aufkommen der Krankheit in den 1980er Jahren rund 30 Millionen Menschen. 60 Millionen Menschen infizierten sich. Am schwersten betroffen ist das südliche Afrika: Dort lebten 2009 67 Prozent der HIV-Positiven weltweit, 72 Prozent aller Todesfälle in Verbindung mit Aids werden in der Region registriert.

Mittel verringert HIV-Infektionen drastisch

Eine Vorbeugung vor HIV-Infektionen rückt näher: Studienergebnisse mit dem Medikament Truvada verheißen einen Rückgang der Ansteckungsgefahr um knapp die Hälfte. Das berichteten US-Forscher im Fachjournal „New England Journal of Medicine“ am Dienstag online. Truvada wird bislang auch in Deutschland zur Behandlung von HIV-Infizierten eingesetzt.

Die Studie umfasste 2499 nicht infizierte Männern in Nord- und Südamerika sowie Afrika und Asien. Experten wie Jim Pickett, einer der Direktoren der Aids-Stiftung von Chicago, gehen davon aus, dass das zusätzliche Angebot von Truvada in Form einer Rektalsalbe das Risiko von HIV-Infektionen noch weiter senken könnte.

Da viele schwule Männer beim Verkehr von jeher eine Rektalsalbe benutzen, dürfte eine Truvada-Salbe mit Abwehrstoffen gegen den Aidserreger für sie akzeptabel sein, glaubt auch der US-Forscher und Vorsitzende der Organisation International Rectal Microbicide Advocates, Ian McGowan.

Im Rahmen der sogenannten iPrEx-Studie erhielt nun die Hälfte der Männer eine Pille Truvada und die andere Hälfte das Scheinmedikament Placebo. Keiner der Teilnehmer wusste, zu welcher Gruppe er gehört.

Von denen, die Truvada bekamen, bekannte etwa die Hälfte, dass sie die Pille nicht regelmäßig oder auch gar nicht eingenommen hatte. Das erklärt nach Meinung von Pickett, warum das Mittel die Infektionsrate im Vergleich zu Placebo nur um 43,8 Prozent reduzierte. Nach durchschnittlich 14 Monaten Einnahmedauer waren 36 Männer der Truvada-Gruppe und 64 der Placebo-Gruppe infiziert.

Die Studie mit den Truvada-Tabletten läuft seit Juni 2007. Eine Monatspackung der kostet etwas über 800 Euro.

Den Jahresbericht des UN-Programms gegen Aids (UNAIDS) finden Sie hier.

afp/dpa