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Panorama Trinkkumpane von König Carl Gustaf wollten Skandalfotos kaufen
Mehr Welt Panorama Trinkkumpane von König Carl Gustaf wollten Skandalfotos kaufen
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20:44 19.05.2011
König Carl XVI. Gustaf und seine Frau Königin Silvia wissen von nichts, heißt es. Quelle: dpa
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Erst feierten sie mit Schwedens König wilde Feste in berüchtigten Kneipen, dann versuchten sie mithilfe der Unterwelt, kompromittierende Bilder und ein Dementi zu kaufen. Nach der Skandalbiografie „Der widerwillige Monarch“ über den schwedischen Staatschef Carl XVI. Gustaf kommen nun dessen Trinkkumpane in die Schlagzeilen. In ihrem Versuch, Schaden von sich und dem König abzuwenden, wandten sie sich an einen Mann, den die Polizei für Schwedens Gangsterfürsten hält. Carl Gustaf selbst soll von alldem nichts gewusst haben.

Die Enthüllungen über die häufigen Besuche des Königs im illegalen „Club Power“ und die dortigen Gelage mit Freunden und willigen jungen Damen hatten im Vorjahr die Monarchie in eine Vertrauenskrise gestürzt. Zwar lagen die Eskapaden 20 Jahre zurück, doch die Vorbildfunktion des Monarchen und das Image vom idyllischen Familienleben waren zerstört. Als dann Klubbesitzer Mille Markovic verstehen ließ, dass er in Besitz von Fotos angeblich intimer Situationen sei, versuchten einige der Mitfeiernden, ihn zum Schweigen zu bringen.

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Sie wandten sich dabei an den in Belgrad lebenden „Geschäftsmann“ Milan Sevo, der als Boss der Stockholmer „Juggemafia“ gilt. Der Autor Nuri Kino, der ein Buch über den „schwedischen Paten“ schrieb, belegt mit Tonbandaufnahmen, die der Schwedische Rundfunk veröffentlichte, die Gespräche des Königsfreunds und Millionärs Anders Lettström mit Sevos Bodyguard Daniel Webb. Darin fordert Lettström Webb auf, herauszufinden, „was Mille hat und was er will“. Webb kam mit der Antwort zurück, dass Markovic bereit sei, zu dementieren, dass Carl Gustaf bei ihm einkehrte. Auch die Fotos wolle er herausrücken. Aber das werde kosten. Von einer zweistelligen Millionensumme war die Rede.

Dass der Kontakt über Sevo laufen sollte, kann dessen Leibwächter verstehen: „Sie wollten wohl jemanden haben, der in der gleichen Liga spielt“, sagt Webb. Milan Sevo, in einem Stockholmer Vorort aufgewachsen, machte schon als 14-Jähriger als Bankräuber auf sich aufmerksam und stand oft vor Gericht, unter anderem wegen Mordes, Drogenhandels, Geldraubs und Waffenbesitzes. Jetzt behauptet er, in Belgrad legalen Geschäften nachzugehen. Die Polizei hält ihn weiterhin für den Drahtzieher spektakulärer Verbrechen, wie des Hubschrauberraubs in Stockholm, bei dem eine Gruppe Gangster ein Gelddepot plünderte.

Die Aufregung um die Partys vermag Lettström, ein angesehener Geschäftsmann, nicht zu verstehen. „Dass wir vor 20 Jahren auf Festen waren und dass es dort Weiber gab, das ist doch gar nichts. Wäre schlimmer, wenn es kleine Jungs gewesen wären“, sagte er zu Webb. Gegenüber dem Schwedischen Rundfunk bestritt er zunächst, dass er „irgendjemandem irgendeinen Auftrag“ gegeben habe. Mit den Tonbandmitschnitten konfrontiert, behauptete er, über „Bekannte von Bekannten“ ein Angebot über „Fotos und ein Dementi der verbreiteten Lügen“ erhalten, dieses aber abgelehnt zu haben.

Andere der Festteilnehmer sagen, sie hätten von den Verhandlungen im Nachhinein erfahren, damit aber nichts zu tun gehabt. Webb behauptet hingegen, die Freunde seien bereit gewesen, viele Millionen zu bezahlen, hätten aber versucht, den Preis zu drücken, als sie die Bilder sahen. Daher sei das Geschäft nicht zustande gekommen. „Vielleicht wollten sie nicht den König schützen, sondern nur sich selbst und steckten zurück, als sie sahen, dass sie nicht auf den Fotos waren“, vermutet der Leibwächter.

Vielleicht auch sind die Bilder ganz einfach so harmlos, dass die ganze Aufregung umsonst war. König Carl Gustaf jedenfalls habe „keine Kenntnis über das Agieren in diesen Fragen“, sagt Hofsprecher Bertil Ternert.

Hannes Gamillscheg