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Panorama Trauriger Tod für Schweinswalbaby „Mimi“ in Fischernetz
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20:07 01.10.2011
Foto: „Mimi“ ist tot.
„Mimi“ ist tot. Quelle: dpa
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Stralsund

Das Anfang Juli aus einer Baggerschaufel bei Rostock gerettete Schweinswalbaby „Mimi“ ist tot. Ein Fischer habe das Junge in seinem Netz vor Warnemünde gefunden, teilte der Direktor des Deutschen Meeresmuseums in Stralsund, Harald Benke, am Samstag mit. Bei dem Tier handele es sich mit 90-prozentiger Wahrscheinlichkeit um das Weibchen, das Anfang Juli am Ostseestrand von Dierhagen (Kreis Vorpommern-Rügen) gerettet wurde. Weil damals hoher Wellengang herrschte, hatten die Retter es zunächst nicht ins Meer zurückbringen können. Mitarbeiter des Bauhofs Dierhagen hatten es in eine mit Meerwasser gefüllte Baggerschaufel gesetzt, in der es zwei Tage überlebte.

Die Retter gaben ihm den Namen „Mimi“ und setzten es schließlich einen Kilometer vor der Küste wieder aus. Sie räumten dem damals höchsten wenige Tage alten Kalb - am Bauch hing noch ein Stückchen Nabelschnur - aber nur eine ganz geringe Überlebenschance ein. Es sei eine Sensation, dass das Walbaby noch drei Monate überlebt habe, sagte Benke. Denn das bedeute, dass es die Mutter oder diese das Junge wiedergefunden habe. Ohne Muttermilch wäre das Walbaby schon nach ein bis zwei Wochen verhungert. „Die Wahrscheinlichkeit, die Mutter wiederzufinden, lag nur bei zehn Prozent.“

Es sei traurig, dass Mimi im Fischernetz ertrunken sei. Das tote Tier soll jetzt im Meeresmuseum seziert und gentechnisch untersucht werden. Genproben seien damals aber nicht genommen worden. „Das durften wir nicht machen, denn das Baby war viel zu schwach“, sagte Benke. Auch eine Markierung sei darum nicht möglich gewesen. Insofern wird nie 100-prozentig geklärt werden können, ob es sich bei dem toten Tier tatsächlich um Mimi handelt. Aber der Experte ist sich sicher: „Die äußeren Merkmale stimmen alle überein.“ Es habe die entsprechende Größe, die gleichen Tuberkeln (kleine Höcker) an der Rückenfinne und die gleiche Zeichnung am Bauchraum.

Dem Fischer macht Benke keinen Vorwurf. „Er hat gar nichts falsch gemacht.“ Der Museumsdirektor fordert aber eine andere Art der Fischerei. „Wir müssen dringend was tun, um die Netze zu verändern.“ Sie könnten mit Bariumsulfat für Schweinswale besser „sichtbar“ gemacht werden. Das Salz reflektiere die Signale der Echolotortung der Wale besser. Außerdem könnten Signalgeber, sogenannte Pinger, an den Netzen angebracht werden. Noch besser sei es aber, die Grundstellnetze durch Fischfallen zu ersetzen. Robben und Schweinswale würden in diese Fallen nicht gehen, Fische könnten dagegen frisch und lebendig herausgeholt werden.

Der Schweinswal ist streng geschützt und gerade in der Ostsee östlich der Darßer Schwelle sehr bedroht. Dort gebe es nur noch 300 bis 600 der Meeressäuger, sagte Benke. Mimi entstammte zum Glück dem etwas zahlreicheren Bestand der westlichen Ostsee. Das begeistert den Stralsunder Meeresforscher, denn: „Das zeigt, wir haben Aufzuchtgebiete direkt vor unserer Haustür vor Fischland/Ahrenshoop.“ Und dem wackeren Walbaby, das vor drei Monaten Tierfreunde im In- und Ausland begeisterte, möchte Benke eventuell noch ein Denkmal setzen. Nach Möglichkeit soll ein Abguss für das Museum gemacht werden.

dpa

01.10.2011
01.10.2011