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Panorama Trauergottesdienst mit Politprominenz, aber ohne Bürgermeister Sauerland
Mehr Welt Panorama Trauergottesdienst mit Politprominenz, aber ohne Bürgermeister Sauerland
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23:04 01.08.2010
Von Heinrich Thies
Am Trauergottesdienst nahmen neben NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft Bundespräsident Christian Wulff und Ehefrau Bettina, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundestagspräsident Norbert Lammert (von rechts) teil. Quelle: dpa
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Am Sonnabend stiegen hier 21 schwarze Luftballons für die Toten und 500 weiße Luftballons für die Verletzten in den Himmel. Am Sonntag bekundete Duisburgs Altoberbürgermeister Josef Krings (SPD) beim Abschluss eines Trauermarsches seine Empörung über den Amtsnachfolger. Keiner müsse in Duisburg ein Held sein, sagte der alte Herr. „Hier werden Menschen gebraucht, die auch ihr Fehlverhalten offen bekennen.“ Der Applaus war lang und kräftig.

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Der noch amtierende Oberbürgermeister Adolf Sauerland indessen zeigte sich weder beim Trauergottesdienst, der unmittelbar neben dem Rathaus in der Salvatorkirche stattfand, noch bei den Trauermärschen. „Es tut mir unendlich leid, dass hier Menschen zu Schaden gekommen und getötet worden sind“, sagte der Christdemokrat in einem Interview mit dem Fernsehsender N24. „Ich bin mir im Klaren, dass Fehler gemacht wurden, und werde mich dieser Verantwortung stellen.“ Vorher aber müsse vieles aufgeklärt werden. „Dazu kann ich nur beitragen, wenn ich im Amt bleibe.“ Im gleichen Interview ging Sauerland auch auf die Frage ein, ob ihn die Sorge um seine Altersbezüge von einem Rücktritt abhalte. Der Bürgermeister wischte die Frage entrüstet beiseite: „Das ist so was von nebensächlich. Wir sprechen hier über tote Menschen, und dann kommen solche profanen Dinge.“

Bundespräsident Christian Wulff ließ dagegen durchblicken, dass ein rascher Rücktritt Sauerlands für ihn die sauberste Lösung wäre. „Zwar hat jeder als unschuldig zu gelten, dessen Schuld nicht erwiesen ist“, sagte Wulff der „Bild am Sonntag“. „Doch unabhängig von persönlicher Schuld gibt es auch eine politische Verantwortung.“

Neben Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU), der nordrhein-westfälischen Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) und weiteren Vertretern aus Politik und Gesellschaft nahm Wulff gemeinsam mit seiner Frau Bettina am Gedenkgottesdienst teil, zu dem Hinterbliebene, Verletzte und Rettungskräfte eingeladen worden waren. „Die Loveparade wurde zum Totentanz“, sagte der Präses der evangelischen Kirche im Rheinland, Nikolaus Schneider. „Es bleibt schwer, mit dem zu leben, was geschehen ist – und doch bleibt etwas und geht weiter, was auch der Name Loveparade zum Ausdruck bringt: die Liebe“, betonte Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck.

Für jeden der 21 Toten stellten Sanitäter, Notfallseelsorger und Polizisten eine Kerze auf den Altar – neben eine große Kerze und ein Kondolenzbuch, die zuvor in einer Prozession vom Tunnel in die Kirche getragen worden waren. In die Fürbitten wurden auch jene eingeschlossen, die die Katastrophe möglicherweise mitverursacht haben: „Bewahre uns davor, Menschen vorschnell zu verurteilen, damit Wut und Zorn die Stadt nicht länger regieren.“
Rainer Schaller, der Organisator der Loveparade, blieb der Trauerfeier ebenso fern wie OB Sauerland. Der Fitnessunternehmer, der sich seit der Katastrophe in ein Duisburger Hotel zurückgezogen hat, will auch vorerst keinen Kontakt zu den Opferfamilien aufnehmen. „In der jetzigen Phase der Trauer möchte ich nicht stören“, sagt Schaller. „Ich will keine Dinge machen, die von den Angehörigen als provozierend empfunden werden könnten.“

Ministerpräsidentin Hannelore Kraft bekräftigte in einer Rede nach dem Gottesdienst mit tränenerstickter Stimme ihre Forderung nach lückenloser Aufklärung. „Das sind wir den Angehörigen schuldig.“

Die Trauerfeier wurde auch in die übrigen zwölf Kirchen Duisburgs und das Fußballstadion übertragen. Ein großes schwarzes Kreuz symbolisierte die Trauer auf dem Rasen der Sportarena. Wie in der Salvatorkirche wurden auch hier 21 Kerzen zum Gedenken an die Toten aufgestellt. Doch die Ränge im Stadion waren weitgehend leer; rund 2000 Menschen kamen. Auch sonst blieb die Teilnehmerzahl bei der offiziellen Trauerfeier mit den vielen Großbildleinwänden hinter den Erwartungen zurück. Dagegen pilgerten wieder viele zum Unglückstunnel – und sammelten für eine Gedenktafel.

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