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Panorama „Top Kill“ gescheitert: Das Öl strömt weiter
Mehr Welt Panorama „Top Kill“ gescheitert: Das Öl strömt weiter
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20:34 30.05.2010
Quelle: dpa
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„Es ist nun an der Zeit für die nächsten Schritte“, sagte der für die Rettungsarbeiten zuständige BP-Manager Doug Suttles auf einer Pressekonferenz. Er sprach allerdings nicht offen von einem Scheitern. Nun soll erneut versucht werden, eine Auffangkuppel über die Austrittsstelle zu stülpen. Zwei ähnliche Versuche sind aber in den vergangenen Wochen bereits gescheitert, unter anderem, weil in der großen Meerestiefe die Absaugleitung vereiste, durch die das Öl in ein bereitstehendes Schiff gepumpt werden sollte. Selbst im besten Fall wird eine nun geplante, dritte Variante dieser Vorrichtung nicht alles Öl auffangen können. Da nach neuesten Schätzungen die Menge des austretenden Öls mit täglich bis zu drei Millionen Litern mehrfach größer ist als lange angenommen, kann selbst ein Erfolg die weitere Verschmutzung der Küste nicht verhindern. Bis die Absaugvorrichtung angebracht ist, wird es noch Tage dauern. Eine definitive Lösung werden erst zwei Entlastungsbohrungen bringen, die jedoch voraussichtlich erst im August fertig sein werden.

US-Präsident Barack Obama nannte den neuen Rückschlag erschreckend, aber nicht vollkommen überraschend: „Wir hatten Hoffnung, dass der ,Top Kill‘ gelingen würde, aber wir hatten immer im Hinterkopf, dass es ein beträchtliches Risiko gab, dass dies nicht der Fall sein würde.“ Obama beschrieb das Öl als „täglichen Angriff auf die Menschen an der Golfküste und auf den Reichtum der Natur, der uns allen gehört“. Dies sei herzzerreißend. Er werde nicht ruhen, bis die Wunden der Menschen, die dieses Ereignis aufgerissen habe, wieder geheilt seien. In den Golf von Mexiko sei bereits mehr Öl geströmt als bei jeder anderen Katastrophe zuvor, sagte die Beraterin von US-Präsident Barack Obama für Energie- und Umweltfragen, Carol Browner, dem Sender NBC am Sonntag.

Die Frustration an der Golfküste ist groß, zumal die „New York Times“ nun BP-Dokumente ausgegraben hat, die beschreiben, dass es schon lange vor der Explosion Probleme mit dem Schutzventil der Bohrinsel gegeben hat. Kritisiert wird auch die Informationspolitik von BP. Seit Tagen sprach der Ölkonzern von Teilerfolgen und rückte erst mit großer Verzögerung mit der Information heraus, dass der Versuch des sogenannten „Top Kill“ aus Angst vor weiteren Schäden am Meeresgrund immer wieder hatte unterbrochen werden müssen.

„Wenn BP sagte, dass die Erfolgschancen bei 60 bis 70 Prozent lagen, dann bedeutete das für eine Firma, die alles systematisch ins Positive zu verdrehen versucht, dass sie genau wussten, wie wenig effektiv das Ganze sein würde“, sagte John Tesvich, der Leiter der Einsatzgruppe zum Schutz der Austernbänke. Am Wochenende wurden Forderungen laut, dass nun die Zahl der Schiffe, welche die Folgen des Öl bekämpfen, von derzeit 1300 deutlich aufgestockt werden müsse. BP beziffert die bisherigen Kosten der größten Ölkatastrophe in der Geschichte der USA allein für die Firma mit bisher 940 Millionen Dollar (765 Millionen Euro).

Andreas Geldner

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