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Panorama Ist er ein Vorzeige-Landrat oder ein Blender?
Mehr Welt Panorama Ist er ein Vorzeige-Landrat oder ein Blender?
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00:15 20.11.2015
Von Michael B. Berger
Landrat Tjark Bartels polarisiert. Quelle: dpa
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Hameln

„Ich bin immer schnell, will immer schnell Resultate“, sagt der 46-Jährige, der nicht frei von Selbstbewusstsein ist. Schon rein äußerlich gibt er nur ansatzweise den durchschnittlichen Landrat, der meistens korrekt mit Schlips im grauen oder wahlweise blauen Anzug sein Büro betritt. Bei Bartels ist nur der graue Blazer geblieben, ansonsten Jeans mit Sporthemd, die Haare etwas wuschelig, tendenziell lässig, ohne Frage.

Bartels legt sich gern mit Landkreistag an

Nicht ganz zum üblichen Landratsverhalten gehört, dass er sich öffentlich mit dem Landkreistag anlegt, wenn dieser sich mit Forderungen nach einer Begrenzung des Familiennachzugs der Flüchtlinge hervortut. Bartels, der seit zwei Jahren im modernen Kreishaus der Rattenfängerstadt den Ton angibt, drohte indirekt mit Aufkündigung der Mitgliedschaft im Landkreistag. Ungewöhnlich unter kommunalen „Brüdern“.

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Er lasse sich ungern von „anderen organisieren“, sondern nehme die Dinge am liebsten selbst in die Hand, sagt Tjark Bartels, der in der Wedemark aufgewachsen ist und als Bürgermeister der Gemeinde schnell den Ruf erwarb, die Dinge auch mal auf den Kopf zu stellen. Vielleicht war der eigene Vater ein Vorbild, der mit 22 Jahren erblindete und schnurstracks vom Orthopädieschuhmeister auf Physiotherapeut umschulen musste – und dies nach Aussagen des Sohns gut meisterte. „Ich bin behütet aufgewachsen.“ In einem Hause, in dem Politik eine große Rolle spielte. Sozialdemokratische Politik.

Nach dem Studium gründet er eine Beratungsfirma

Überregional bekannt wurde der SPD-Mann als Sprecher von 20 Landkreisen, die gegen den ursprünglich geplanten Trassenverlauf der Höchstspannungsleitung Südlink aufbegehrten – mit Erfolg. Am Anfang der Protestbewegung, die sogar bis in bayerische Landkreise schwappte, stand eine von Bartels aufgesetzte „Hamelner Erklärung“. Keck nahm der Landrat aus der Provinz auch den eigenen Parteivorsitzenden und Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel auf den Arm, als dieser wenigstens in seinem eigenen Wahlkreis die von vielen anderen gewünschte Erdverkabelung durchsetzen wollte. Bartels verspottete Gabriel als „Nimby“, das Kürzel für „not in my backyard“ (nicht in meinem Hinterhof). Hat der große Parteivorsitzende auf die kleine Anrempelei aus Hameln reagiert? „Ich glaube indirekt“, sagt der Landrat. Dabei scheinen Gabriel und Bartels aus ähnlichem Holz geschnitzt in ihrer zupackenden Art.

Bei Bartels hat sie sich früh gezeigt. Bereits im Jurastudium entwickelte er Projekte, die er neben dem Büffeln von Paragrafen und dem Taxifahren („habe ich unheimlich gern gemacht“) vorantrieb. Er beschäftigte sich mit der damals noch relativ neuen EDV, gründete eine kleine Firma und führte Schulungen durch, etwa bei Bahlsen. Nach dem Studium gründete er eine größere Beratungsgesellschaft mit insgesamt vier Gesellschaftern und entwickelte nach eigenen Worten eine „große Nähe zu Menschen, die etwas unternehmen wollen“, also zu Machern. Wobei ihm als Sozialdemokraten der Visionär Willy Brandt stets näher war als der Macher Helmut Schmidt.

Organisation der Flüchtlingsaufnahme ist jüngstes Projekt

Das jüngste Projekt, das ihn in den Augen der Sozialdemokraten zum Vorzeige-Landrat macht, ist die effiziente Organisation der Flüchtlingsaufnahme in der Hamelner Linsingen-Kaserne, wo 1000 Zuwanderer jeweils für vier Wochen untergebracht werden. Bartels hob schon früh die Hand, als das Land im Rahmen einer umstrittenen „Amtshilfe“ den Kommunen die Erstunterbringung zuschob. Als einziger Landkreis bot er zudem an, die gesamte Registrierung selbst zu übernehmen. Wenn man ihn denn ließe, würde er auch die Annahme der Asylanträge übernehmen, die Sache des Bundes sind, aber mehr als ein halbes oder Dreivierteljahr dauern. „Das ist doch ein absoluter Irrsinn“, schimpft der Landrat, der weiß, wie es wesentlich schneller gehen könnte.

Während die Hamelnerin und Grünen-Landtagsfraktionschefin Anja Piel Bartels „Optimismus und zupackende Art“ überaus schätzt, ist der CDU-Landtagsabgeordnete Otto Deppmeyer mehr als skeptisch. Er hält den Landrat für einen „Karrieristen“, der sich mit fremden Federn schmücke, und den es nicht lange in Hameln halten werde. „Das Erdkabel“, sagt Deppmeyer, „hat doch der Horst Seehofer durchgesetzt und nicht der Bartels.“ Hier widerspricht FDP-Kreistagsfraktionschef Heinrich Fockenbrock. Er meint, „beim Erdkabel“ könne man Bartels Engagement nicht infrage stellen. „Er ist“, sagt Fockenbrock, „ein sehr dynamischer Mann und sieht sich mehr als Politiker denn als Leiter der Verwaltung.“ Das, schiebt Hamelns früherer Polizeichef nach, rufe allerdings „nicht nur Freude“ bei ihm hervor.     

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