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Panorama Terrorwarnungen vermiesen ausgelassene Wiesn-Gaudi
Mehr Welt Panorama Terrorwarnungen vermiesen ausgelassene Wiesn-Gaudi
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15:41 29.09.2009
Verstärkte Sicherheitsmassnahmen auf dem Oktoberfest. Quelle: ddp
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Auch am Tag nach der massiven Verschärfung der polizeilichen Sicherheitsmaßnahmen ist viel los auf dem Oktoberfest - Eltern, Lehrer und Kindergärtnerinnen ziehen mit den begeisterten Buben und Mädchen über die Festwiese.

Doch die ausgelassene Wiesn-Stimmung ist vielen verdorben. „Ich hab’ die ganze Nacht hin und her überlegt, ob ich mit den Kindern gehen soll“, verrät die Lehrerin einer Münchner Grundschule, die gerade ihren 22 Schülern beim Kettenkarussellfahren zusieht. Da aber keine Eltern Bedenken geäußert hätten, habe sie es einfach mal gewagt. „Aber komisch ist das schon, mit den vielen Polizisten rundherum“, berichtet sie.

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Franca Fogli, die für die „Historische Wiesnführung“ arbeitet, gibt zu, dass es ihr seit den Terrordrohungen „nicht mehr so wohl“ sei. Eine Schulklasse, die für eine Führung angemeldet gewesen sei, habe schon abgesagt. Auch viele Eltern plagt sichtlich das schlechte Gewissen. Die meisten geben zu, dass sie „schon daran gedacht“ hätten, den Wiesn-Besuch abzusagen. Aber schließlich hätten sich die Kleinen ja so aufs Karussellfahren gefreut. „Und jetzt ist das Oktoberfest ja außerdem so sicher wie nie“, beruhigt ein Vater eine Runde über die Polizeikontrollen diskutierender Mütter.

Dieses Argument bringt Polizeipräsident Wilhelm Schmidbauer auf einem Wiesn-Rundgang am Dienstag ebenfalls vor. Er versichert, es seien alle erforderlichen Maßnahmen „ausreichend“ ergriffen worden, „um eine sichere Wiesn zu garantieren“. Sollte sich die Bedrohungslage noch einmal verschärfen - wonach es derzeit aber nicht aussehe - wäre die Polizei auch in der Lage, schnell noch weitere Sicherheitsstufen einzuführen, betont der Polizeichef.

Auch die Wiesn-Wirte lassen sich von den Terrorwarnungen nicht aus der Ruhe bringen. „Dummschwätzer und Panikmacher hat es doch schon immer gegeben“, sagt Wirte-Sprecher Toni Roiderer. Allerdings rechnet er damit, dass sich durch die Terrorwarnungen schon einige abschrecken ließen. Bei ihm habe bereits eine Firma eine Reservierung storniert. Allerdings habe er keine Probleme gehabt, die Plätze wieder zu besetzen. Zudem gehe Sicherheit vor Umsatz, betont er.

Peter Pongratz, Festwirt im „Winzerer Fähndl“, glaubt ebenfalls, dass „der ein oder andere“ nicht wie geplant das Oktoberfest besuche. „Drei Viertel der Leute kommen aber auf jeden Fall“, prognostiziert er. Und wenn die Gäste erst mal in den Zelten seien, seien die Terrordrohungen schnell vergessen. Auch am Montagabend sei in den Festhallen wieder ordentlich gefeiert und getrunken worden: „Nach der zweiten Maß denkt keiner mehr drüber nach.“

Zum Schutz vor möglichen Terroranschlägen gilt seit der Nacht zum Montag rund um die Theresienwiese ein erweitertes Sicherheitskonzept, seit Samstag gibt es über der Theresienwiese ein Flugverbot. Zwei mutmaßliche Islamisten, die Kontakt zum mutmaßlichen Al-Qaida-Sprecher Bekkay Harrach gehabt hatten, wurden in München bis zum Ende des Oktoberfests in Gewahrsam genommen. Und auch rund um den Münchner Hauptbahnhof verstärkte die Bundespolizei ihr Sicherheitskonzept. Grund für die Maßnahmen sind zwei Terror-Drohvideos aus Al-Qaida- und Taliban-Kreisen, in denen direkt Bezug auf das Oktoberfest genommen wird.

ddp

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