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Panorama Tatverdächtiger führt Polizei zur Leiche von Melanie R.
Mehr Welt Panorama Tatverdächtiger führt Polizei zur Leiche von Melanie R.
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13:13 31.10.2010
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Aus der Vermisstensache Melanie R. wurde am späten Freitagabend eine Mordsache: Der bereits von der Polizei unter dringendem Tatverdacht festgenommene 27-Jährige legte während des Termins beim Haftrichter ein Geständnis ab. Der Mann räumte ein, die 23-Jährige getötet zu haben, wie die Polizei am Freitag mitteilte.

Kurz darauf führte er die Beamten der Kriminalpolizei in ein Waldstück bei Peine, wo der Leichnam dann gefunden wurde. Gegen den Mann, der aus dem Kreis Peine stammt, wurde anschließend vom Richter Haftbefehl erlassen. Laut Polizei ist die Tote durch Obduktion identifiziert worden.

Melanie R. hatte den Mann nach ersten Ermittlungen zufolge in einem Internetforum kennengelernt. Dort hatte er sich jedoch als Frau ausgegeben. Bei einem ersten Treffen hätten sie darüber gestritten. Das Mordmotiv und nähere Details waren zunächst nicht bekannt.

Auch zum Waldstück wurden es keine näheren Angaben gemacht. Vermutlich handelt es sich aber um die Gegend zwischen dem Bahnhof Vöhrum und dem Mittellandkanal.

Zuvor waren den ganzen Tag über Polizei und Feuerwehr im Einsatz, um die 23-Jährige zu finden. Mit Spürhunden, Booten und Tauchern suchten die Einsatzkräfte ein Teilstück des Mittellandkanals ab – ohne Erfolg.

Ein Zeuge hatte die junge Frau am Dienstagabend zuletzt auf dem Parkplatz eines Schnellrestaurants an der Autobahn 2 gesehen. Melanie R. war zu diesem Zeitpunkt auf dem Nachhauseweg von ihrem Freund in Höver bei Sehnde. Als sie am Mittwoch nicht zur Arbeit erschien, hatte die Chefin die Eltern und die wiederum die Polizei informiert. Ein Beamter hatte am Donnerstag schließlich das abgestellte Auto von Melanie R. am Bahnhof Peine-Vöhrum entdeckt.

Spuren eines Gewaltverbrechens seien an dem Fahrzeug nach einer ersten Untersuchung aber nicht zu erkennen gewesen, sagte Rinke am Freitag. Fast zur gleichen Zeit hatte ein Hundebesitzer zudem in der nahe dem Bahnhof gelegenen Feldmark, rund ein Kilometer vom Fundort des Wagens entfernt, das Handy von Melanie R. entdeckt. Ein Fährtensuchhund führte die Polizei zum nahegelegenen Ufer des Mittellandkanals.

Ebenfalls am Donnerstag wurde zudem der Tatverdächtige festgenommen, der sich bei seinem Verhör in Widersprüche verstrickt hatte. In welcher Beziehung der 27-Jährige zu der Vermissten steht, teilten die Behörden bislang aber nicht mit. Es handele sich bei dem Verdächtigen aber nicht um den aus Höver stammenden Freund der 23-Jährigen, sagte Rinke.

Seit Donnerstagabend konzentrierte sich die Suche nach Melanie R. auf den Abschnitt des Mittellandkanals rund um eine Brücke. Den ganzen Freitag über hatte ein Sonarschiff der Wasserschutzpolizei Hannover das trübe, vier Meter tiefe Gewässer per Echolot nach einem leblosen Körper gescannt. Unterstützt wurden die rund 30 Einsatzkräfte vor Ort dabei von einem Leichenspürhund. An zwei Stellen auf dem Wasser schlug das Tier an; Taucher konnten aber an den mit kleinen Bojen markierten Stellen nichts finden. Die Anspannung unter den Helfern blieb den ganzen Tag über groß. Aber wenn er ehrlich sei, sei diese Hoffnung zurzeit nicht sehr groß, hatte einer der beteiligten Polizeibeamten eingeräumt.

Die Eltern der 23-Jährigen wurden von der Polizei abgeschottet. Am Donnerstag waren Martina und Lothar R. im Gespräch mit der „Peiner Allgemeinen Zeitung“ noch voller Hoffnung gewesen, dass ihre Tochter wieder zurückkommt. Eine Erklärung für das Verschwinden hatten beide nicht. „Sie hatte im Juni gerade ihre Prüfung zur Floristin bestanden“, sagte die Mutter. Auch Melanies 27-jähriger Freund aus Höver hatte gesagt, er hoffe noch, dass alles gut wird. Warum seine Freundin zum Vöhrumer Bahnhof gefahren sei, könne er sich nicht erklären.

Der Artikel wurde aktualisiert.

Stephan Fuhrer und Thorsten Pifan / dpa / kla