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Panorama Täter gestehen brutalen Überfall in U-Bahnhof
Mehr Welt Panorama Täter gestehen brutalen Überfall in U-Bahnhof
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19:47 16.02.2011
Videoaufnahmen einer Überwachungskamera im U-Bahnhof in Berlin-Lichtenberg zeigen die mutmaßlichen Schläger, die einen Mann (weiße Hose) verfolgen und auf ihn einschlagen.
Videoaufnahmen einer Überwachungskamera im U-Bahnhof in Berlin-Lichtenberg zeigen die mutmaßlichen Schläger, die einen Mann (weiße Hose) verfolgen und auf ihn einschlagen. Quelle: dpa
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Der junge Mann in der dunklen Jacke rennt auf sein Opfer zu, reißt das rechte Bein hoch und springt den anderen mit voller Wucht an. Der 30-jährige Handwerker, von Faustschlägen und Tritten schon verletzt, bricht zusammen. Im Vorbeigehen nimmt der Angreifer dem Schwerverletzten das Handy ab. Mit dieser Szene endet eine 26 Sekunden lange Videosequenz, die die Berliner Polizei aus Aufnahmen mehrerer Überwachungskameras vom Freitagabend zusammengeschnitten hat. Gefilmt wurde eine Verfolgungsjagd durch den U-Bahnhof Berlin-Lichtenberg. Die Brutalität der Angreifer hat einen der beiden überfallenen Männer ins Koma befördert.

Die vier Täter sind Jugendliche aus Berlin. Einer von ihnen ist erst 14 Jahre alt, die anderen sind 17. Die Polizei nahm alle am Dienstag fest. Den Ersten fassten die Fahnder von der Mordkommission in seiner Schule in Lichtenberg im Osten Berlins. Viele Fragen zu der Tat sind noch offen.

Auf den Filmen sieht man, wie die Jugendlichen ihr Opfer im Zwischengeschoss des Bahnhofs angreifen und im Vorbeigehen ins Gesicht schlagen. Die nächste Szene spielt eine Etage tiefer: Im Hintergrund des Bildes treten die Angreifer auf den am Boden liegenden Mann ein. In der letzten Szene dann der Kung-Fu-Tritt auf dem Bahnsteig.

Der Gewaltausbruch erinnert an ähnliche Taten vergangener Jahre. Kurz vor Weihnachten 2007 schlagen zwei junge Männer in der Münchner U-Bahn einen Rentner zusammen, weil der sie aufgefordert hatte, das Rauchverbot zu beachten. Einer der Täter trat mit Anlauf gegen den Kopf des schon am Boden liegenden Mannes, der einen Schädelbruch erlitt. Zwei Jahre später stirbt Geschäftsmann Dominik Brunner nach einer Schlägerei mit zwei Jugendlichen auf einem S-Bahnsteig in München. Brunner hatte vier Schüler vor den Gewalttätern beschützt und selber einen der Jugendlichen angegriffen. Diese prügelten auf ihn ein und traten ihm gegen den Kopf. Brunner starb an einem Herzfehler.

Die Hintergründe und der genaue Ablauf des Überfalls in Berlin sind noch nicht vollständig aufgeklärt. Ein Kollege des Malers aus Rostock konnte leicht verletzt entkommen. Mehrere Zeugen beobachteten die Angriffe, reagierten aber nicht und meldeten sich bisher nicht bei der Polizei. Ähnlich wie nach dem Angriff auf den Rentner geht es auch um die Frage, ob die ausländischen Wurzeln der Täter eine Rolle spielten. 2007 hatten die beiden Angreifer mit türkischer und griechischer Abstammung ihr Opfer als „deutsches Schwein“ beschimpft. Die Tat löste damals auch eine politische Debatte aus.

Die Berliner Jugendlichen, die aus dem früheren Jugoslawien, dem Irak und Kenia stammen, sagten jetzt in ersten Vernehmungen, sie hätten sich von „Sieg Heil“-Rufen der Maler provoziert gefühlt. Der Stadtteil Lichtenberg gilt als eine der Hochburgen von Neonazis in Berlin. Die Kriminalpolizei und die Staatsanwälte bezeichneten diese Aussage als Schutzbehauptung und „taktische Absprache“ der Jugendlichen. Es sei nicht bekannt, dass die beiden Maler zur rechtsextremen Szene gehörten.

Die Männer seien an dem Abend aus einer Kneipe in Lichtenberg gekommen. Die Jugendlichen hätte ohne ersichtlichen Anlass jemanden „abziehen wollen“, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft. „Es hätte jeden treffen können.“

Die Polizei verwies darauf, dass hauptsächlich Jugendliche, die selber in der Familie geschlagen oder verprügelt werden, gewalttätig werden. Die meisten Täter, aber auch die meisten Opfer derartiger Angriffe seien Jugendliche und junge Männer, sagte die Präventionsbeauftragte der Polizei, Susanne Bauer. Häufig komme Gewalt in den von Männern dominierten Einwandererfamilien vor. Der Anteil junger Männer mit ausländischen Wurzeln sei bei Gewalttaten aber insgesamt nicht überproportional hoch. Von den Mehrfach- und Wiederholungstäter stellten sie allerdings 70 bis 80 Prozent.

Warum nur einer von mehreren Zeugen die Polizei alarmierte und keiner zur Notrufsäule im Bahnhof lief oder anders um Hilfe rief, ist kaum zu erklären. Auf dem Video sind unbeteiligte Menschen zu sehen, die vorbeigehen. Laut einem Zeitungsbericht soll ein Zeuge dem bereits am Boden liegenden Opfer sogar noch die Jacke gestohlen haben.

Andreas Rabenstein und Jutta Schütz