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Panorama „Sybille starb im Streit“
Mehr Welt Panorama „Sybille starb im Streit“
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18:36 15.09.2009
Von Gabriele Schulte
Der Angeklagte Nils S. im Gericht. Quelle: ddp
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Nils S. verwickelte sich in Widersprüche und packte schließlich aus: Er habe die 16 Jahre alte Sybille im Juli 2002 von einer Diskothek in Visselhövede (Kreis Rotenburg) nach Hause begleitet, sie unterwegs gewürgt und ihren Kopf in einem Teich unter Wasser gedrückt, gab Nils S. zu. Er habe die Realschülerin aber nicht töten und auch nicht vergewaltigen wollen, wie die Ermittler vermuteten. „Ich wollte ihre Schwester“, sagte der inzwischen 39-Jährige Angeklagte vor fünf Monaten bei der Polizei aus und auch am Dienstag beim Mordprozess vor dem Landgericht Verden. Sybille habe sich geweigert, bei der neun Jahre Älteren ein gutes Wort für ihn einzulegen – deshalb sei er „ausgerastet“ und die 16-Jährige musste sterben.

Vor Gericht sieht sich der angeklagte Leiharbeiter aus Walsrode einer ungewöhnlich langen Reihe von Nebenklägern gegenüber. Sybilles Vater, ein Fliesenleger, ihre Mutter sowie sechs Geschwister und Halbgeschwister klagen zusammen mit der Staatsanwältin an, was dem Mädchen angetan wurde – von einem Freund der Familie. Nils S., ein unauffälliger Mann mit sehr kurzen Haaren und Brille, sieht ihnen allen nicht ins Gesicht, auch nicht der jetzt 32 Jahre alten Stadtangestellten M., um die der Streit vor sieben Jahren sich drehte. Mit M. hatte er zwei Jahre zusammengelebt, nach zwei Trennungen wollte er sie zurückhaben.

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Der Angeklagte hatte in der Tatnacht Sybille zufällig in der Disko „Tenne“ getroffen. Da er als letzter im Gespräch mit ihr gesehen wurde, war der junge Mann schnell ins Visier der Ermittler geraten. Doch stets behauptete er, er habe dem Mädchen für seinen Heimweg zwar Geld für ein Taxi angeboten, es sei aber zu Fuß alleine nach Hause gegangen.

Bei dieser Version blieb der Verdächtige über Jahre. Die immer kleiner werdende Mordkommission „Vissel“ kam nicht weiter – bis offenbar eine Bekannte des Täters als verdeckte Ermittlerin den entscheidenden Hinweis gab. Was danach geschah, erzählt der Angeklagte den Richtern so nuschelnd, dass sie zwischendurch nachfragen müssen. „Sybille hatte sich gefreut, dass ich mitkomme“, sagt Nils S.. Man habe sich nett unterhalten, bis er das Gespräch auf Sybilles Schwester gebracht habe. Angesichts des noch frischen Trennungsschmerzes nach der Beziehung mit M. habe er sich selbst leid getan und ihre jüngere Schwester bedrängt, sich für eine Versöhnung einzusetzen. „Sie hat aber gesagt, die Trennung sei meine Schuld“, berichtet der Angeklagte. „Das wollte ich nicht hören.“ Auf einem dunklen Wiesenweg an einem Teich sei es zum Streit gekommmen: Sie wollte weglaufen, er hielt sie fest, Sybille schrie um Hilfe, er würgte sie und drückte sie zweimal im Teich unter Wasser. „Dann bin ich einfach abgehauen“, sagt Nils S.