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Panorama Südafrika ruft Hilfsprogramm für HIV-infizierte Babys ins Leben
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14:04 01.12.2009
Alle Kinder unter einem Jahr sollen künftig versorgt werden, wenn ihr Test positiv ausfalle.
Alle Kinder unter einem Jahr sollen künftig versorgt werden, wenn ihr Test positiv ausfalle. Quelle: afp
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Anlässlich des Welt-Aids-Tags hat Südafrikas Präsident Jacob Zuma ein Behandlungsprogramm für HIV-infizierte Babys angekündigt. Alle Kinder unter einem Jahr würden künftig versorgt, wenn ihr Test positiv ausfalle, sagte Zuma in einer aus Pretoria übertragenen Fernsehansprache am Dienstag. Die Maßnahme als Teil eines nationalen Anti-Aids-Pakets der Regierung werde helfen, die Kindersterblichkeit deutlich zu senken. Bislang erhalten in Südafrika Kinder nur im fortgeschrittenen Krankheitsstadium einmalig medizinische Hilfe. Auch infizierte Schwangere sollten künftig besser versorgt werden, sicherte Zuma zu.

Zugleich rief der Präsident seine Landsleute zu freiwilligen Aids-Tests auf. Er werde ein Beispiel geben und sich erneut testen lassen, kündigte der Präsident an. Er wisse, wie schwer ein solcher Entschluss sei, dennoch fordere er alle Südafrikaner auf, sich testen zu lassen. In der Vergangenheit hatte Zuma mit einer eher laxen Haltung zu Aids für Empörung gesorgt. So äußerte er 2006 als Angeklagter in einem Vergewaltigungsprozess, er habe nach dem Sex mit einer HIV-positiven Frau zum Schutz vor einer Aids-Infektion gründlich geduscht. Zuma war damals Chef des nationalen Aids-Rats. Er wurde später freigesprochen.

In Südafrika leben weltweit die meisten HIV-Infizierten: UN-Schätzungen zufolge tragen 5,7 Millionen der insgesamt rund 48 Millionen Südafrikaner das Virus in sich; darunter sind rund 280. 000 Kinder. Etwa 1,5 Millionen südafrikanische Kinder wurden durch Aids zu Waisen. Laut einer Studie könnte ihre Zahl bis 2015 auf 5,7 Millionen steigen, das entspräche einem Drittel aller Kinder am Kap. An dem von der UNO 1988 ins Leben gerufenen Welt-Aids-Tag wird jährlich am 1. Dezember an die Seuche erinnert und ihrer Opfer gedacht.

HIV-Infektionsrate in Europa hat sich seit 2000 verdoppelt

Die jährliche HIV-Infektionsrate in Europa hat sich nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) seit dem Jahr 2000 verdoppelt. 2008 lag die Zahl der Infektionen bei 89 Fällen pro eine Million Einwohner, wie die WHO anlässlich des Welt-Aids-Tages am Dienstag in Kopenhagen mitteilte. Acht Jahre zuvor waren es 44 Fälle gewesen. Die absolute Zahl der Neudiagnosen lag 2008 in den 43 Ländern, die an der kontinuierlichen Erfassung der Daten teilnehmen, bei 51.600.

Besonders betroffen ist der östliche Teil Europas. Dort liegt die HIV-Infektionsrate bei 179 Fällen pro eine Million Einwohner und ist damit fast doppelt so hoch wie in West- und rund zehnmal so hoch wie in Mitteleuropa. Nach Ansicht von Experten liegt die Zahl vor allem in dieser Region tatsächlich aber „deutlich höher“, wie die WHO weiter berichtete. Am höchsten seien die Infektionsraten in Estland, Kasachstan und Lettland, Portugal, der Republik Moldau, der Ukraine und dem Vereinigten Königreich. Aus einigen Ländern fehlten jedoch Daten, zum Beispiel aus Russland und der Türkei.

afp / ddp