Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Panorama Suche nach sechsjährigem "Ballon-Boy": Alles nur heiße Luft
Mehr Welt Panorama Suche nach sechsjährigem "Ballon-Boy": Alles nur heiße Luft
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:19 19.10.2009
Inszeniert: Die dramatische Suche nach dem kleinen Falcon Heene hatte das amerikanische TV-Publikum in Atem gehalten.
Inszeniert: Die dramatische Suche nach dem kleinen Falcon Heene hatte das amerikanische TV-Publikum in Atem gehalten. Quelle: afp
Anzeige

Das Spektakel hatte vergangene Woche stundenlang die TV-Zuschauer in den USA in Atem gehalten. Richard Heene mag es, wenn die Kameras surren. Er träumt von Ruhm und schnellem Geld. Wie er beides erreichen will, weiß er schon lange. Eine Reality-Show, möglichst schräg, im Idealfall mit Außerirdischen, soll den Durchbruch bringen. Solange die Aliens noch auf sich warten lassen, macht der 48-Jährige aus Colorado Jagd auf Tornados.

Während sich andere bei Sturmwarnung in den Keller begeben, schwingt er sich hinters Lenkrad seines Geländewagens. Die ganze Familie muss mit. Und weil es dauern kann, so einen Tornado zu fassen, lassen Richard und Mayumi Heene ihre drei Jungs, Falcon (6), Ryo (8) und Bradford (10), schon mal tagelang die Schule schwänzen. Dafür bringen sie spektakuläre Filme von ihren Ausflügen mit, Filme, die via Youtube für Aufsehen sorgen.

Vielleicht wollte der Hobbyforscher nur beweisen, wie leicht er ein ganzes Land in seinen Bann schlagen kann. Vielleicht wollte er Fernsehproduzenten vorführen, was für geniale Einfälle er hat. Jedenfalls kam er auf die verrückte Idee, Sohn Falcon allein in einem Ballon über Colorado schweben zu lassen. Rein fiktiv, versteht sich.

Es war am Donnerstag, als der Sechsjährige zum „Balloon Boy“ wurde, scheinbar gefangen in einem Fluggerät. Ein Video zeigt, in welcher Panik seine Eltern übers Gras stolperten, wie sie sich heiser schrieen. Es wirkte echt.

Nicht lange, da stiegen Kameraleute in Hubschraubern auf, um das Drama zu filmen. Einen Ballon, der am Rande der Rocky Mountains dahinraste, geradewegs auf den Flughafen von Denver zu. Die Leitzentrale unterbrach den Luftverkehr, halb Amerika bangte um Falcon. Irgendwann kroch der Junge aus seinem Versteck, daheim in Fort Collins. Er war in eine Kiste auf dem Dachboden gestiegen. Vor Glück weinende Eltern, erleichterte Polizisten, Starmoderatoren, die sich verständnisvoll nickend die ganze Achterbahn der Gefühle erklären ließen. Dumm nur, dass sich Falcon verplapperte. „Warum bist du nicht rausgekommen?“, fragte ihn sein Vater live in einer Talkshow. „Du hast doch gesagt, dass wir es für eine Show machen.“ Nun droht eine Strafanzeige. Aufgebrachte Steuerzahler fordern, den Betrügern die Rechnung für den Polizeieinsatz zu präsentieren, eine mindestens sechsstellige Summe.

Nun, die Angst der Heenes habe er als echt empfunden, meinte der zuständige Sheriff noch, als die Zweifel schon zu nagen begannen. Jetzt ist sich Jim Alderden sicher, dass alles nur ein großer Schwindel war. Als sei es ein Beweismittel, erzählt er, wo sich Richard und Mayumi kennenlernten: auf einer Schauspielschule in Hollywood. „Sie haben uns eine gute Show vorgespielt, und wir haben es gekauft. Auf dem Bizarrometer verdient es die Note 10.“ Ein Medienunternehmen hat der Familie Geld für die Vermarktung der Geschichte versprochen. Möglicherweise sei das Medium bereits vorab informiert gewesen sei, sagte Alderden.

Das Stammpublikum der Fernsehserie „Wife Swap“ („Frauentausch“) kannte Richard bereits als einen Mann, der auf exzentrische Art zu unterhalten weiß. Sympathisch und manchmal ein wenig verwirrt. Der Anwalt der Familie erklärte jetzt, das Paar werde mit den Justizbehörden zusammenarbeiten.