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Panorama So kommen Sie gut durch die Eiseskälte
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11:08 01.02.2012
Von Nicola Zellmer
Kälte-Hoch „Cooper“ bringt Sibirienfrost nach Deutschland.
Kälte-Hoch „Cooper“ bringt Sibirienfrost nach Deutschland. Quelle: dpa
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Hannover

Dieser Winter kennt kein Maß. Wochenlang blieben Mütze und Schal im Schrank, mancherorts fingen gar die ersten Frühlingsblüher an zu sprießen. Doch nun bringt Kälte-Hoch „Cooper“ klirrende Temperaturen über Deutschland. Die Kälte arbeitet sich dabei von Ost nach West über das ganze Land vor – so die Prognose. Am Wochenende erwarten die Meteorologen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) gar regelrechte „Eistage“, an denen die Temperaturen auch tagsüber unter null Grad bleiben. Mit nennenswerten Schneefällen ist dagegen nicht zu rechnen.

Wie kalt wird es, und wie lange dauert die Kältewelle?
Deutlich kälter wird es schon heute. Dann sollen die Temperaturen sogar in der Rheinebene nur knapp über null Grad liegen. Am morgigen Mittwoch herrschen dann überall Temperaturen zwischen minus 1 und minus 11 Grad. „Der Höhepunkt der Kältewelle wird vermutlich am Freitag erreicht“, sagt der DWD-Meteorologe Thomas Ruppert. Im Bayerischen Wald und im Erzgebirge sind dann morgens Temperaturen von minus 20 Grad – bei klarem Himmel und Schneefall sogar mehr – zu erwarten.

Ist ein Kälterekord zu erwarten?
Nein, davon sind die Temperaturen noch weit entfernt. Der bisherige Kälterekord im DWD-Messnetz liegt bei minus 37,8 Grad, gemessen am 12. Februar 1929 im bayerischen Wolnzach-Hüll nördlich von München.

Was hilft am besten gegen die Kälte?
Warm anziehen! „Die Mütze ist am wichtigsten, weil der Körper die meiste Wärme über den Kopf verliert“, erklärt Amtsarzt Hans-Bernhard Behrends vom Referat Gesundheit der Region Hannover. „Das gilt noch mehr für Kinder, bei denen das Verhältnis von Oberfläche zu Volumen dreimal ungünstiger ist als bei Erwachsenen.“ Grundsätzlich rät Behrends bei der Kleidung zum Zwiebelprinzip mit mehreren Schichten, damit in beheizten Räumen leicht Kleidungsstücke abgelegt werden können. Zudem empfiehlt der Experte, Winterschuhe größer zu kaufen, damit Platz für dicke Socken ist. Sinnvoll sei auch ein zweites Paar Schuhe im Büro oder im Kindergarten. „Wenn Hände oder Füße nass werden, steigt der Wärmeverlust stark an.“

Brauchen Hund und Katze auch einen Wintermantel?
„Offizielle Empfehlungen gibt es nicht“, sagt Prof. Reinhard Mischke von der Kleintierklinik der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover. „Beim Hund würde ich das immer vom Verhalten des Tieres abhängig machen. „Wenn er friert und zittert, kann ein Pullover bei längeren Außenaufenthalten sinnvoll sein.“ Als Faustregel gelte: Kleine Hunde frieren schneller als große, und auch Tiere mit dünnem Fell, besonders junge oder alte Hunde reagieren empfindlicher auf Minustemperaturen. Bei Freigänger-Katzen bräuchten sich die Besitzer in der Regel keine Sorgen zu machen. Nur, wenn die Tiere nicht selbstständig durch eine Katzenklappe Zugang zum Haus haben, könne man überlegen, sie über Nacht dort zu behalten.

Was hilft, wenn man so richtig durchgefroren ist?
Von außen ein heißes Bad und eine Wärmflasche. Von innen wärmende Speisen und Getränke. „Wenn es bei mir richtig kalt ist, gibt es einen schönen Irish Coffee“, empfiehlt Marcus Hausch vom Mövenpick am Kröpcke in Hannover. „Und wenn eine Erkältung im Anmarsch ist, gibt es heiße Zitrone – oder Zwiebelsaft. “ Beliebte Winteressen sind Eintöpfe, egal ob mit Huhn, Bohnen, Erbsen oder Steckrüben.

Was müssen Autofahrer beachten?
„Der Klassiker ist, das Enteisungsspray für die Schlösser in die Tasche zu stecken und nicht ins Handschuhfach“, sagt Ulrich Köster, Sprecher des Zentralverbandes des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes in Bonn. Um vereisten Scheiben beizukommen, empfiehlt der Experte ein spezielles Enteisungsspray. Auch Scheibenabdeckungen mit Folie oder Stoff können helfen. Tabu sei dagegen heißes Wasser. „Gerade wenn die Scheibe durch einen Steinschlag beschädigt ist, kann das zu Rissen führen“, warnt der Verbandssprecher.

Ist die Bahn im Winter eine Alternative?
Die Bahn sieht sich laut ihrer Pressestelle auch für niedrigere Temperaturen gerüstet. Mit mehr als 70 Millionen Euro hat sich der Konzern winterfit gemacht. So gibt es jetzt mehr beheizbare Weichen, und die Bahnsteige sollen schneller von Schnee geräumt werden. Insgesamt stünden bundesweit 600 Mitarbeiter bereit, um bei wetterbedingten Störungen schnell reagieren zu können, heißt es.

Kann die Kälte Häusern schaden?
Ja – und das kann teuer werden. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft rät Haus- und Wohnungsbesitzern daher, bei Kälte Heizkörper nicht abzudrehen. Sonst könnten Wasser- und Heizungsrohre platzen. In den Frostwintern 2009 und 2010 zahlten die Versicherer für derartige Frostschäden jeweils rund eine halbe Milliarde Euro.

Was passiert mit den Frühblühern, die in den vergangenen Wochen schon Knospen gebildet haben?
„Alle, die jetzt schon blühen, sind hinüber“, sagt Thomas Wagner vom Bundesverband Deutscher Gartenfreunde. Mehr als minus 2 oder minus 3 Grad könnten Krokusse und Schneeglöckchen, aber auch Weidenbäume, nicht vertragen. „Die einzigen echten Winterblüher sind die Zaubernuss und der Winterjasmin“, erklärt Wagner. Zwiebelpflanzen wie Tulpen, Hyazinthen und Narzissen, die schon ausgetrieben, ab er noch keine Knospen gebildet haben, könne man mit Torf oder Blumenerde schützen, wenn keine isolierende Schneedecke vorhanden ist. Auch Christrosen, die schon ein oder zwei Sommer im Garten verbracht haben, profitierten von einer Abdeckung aus Nadelreisig. „Um die Pflanzen selbst braucht man sich dagegen keine Sorgen zu machen“, betont Wagner. „Die treiben nach dem Frost wieder aus.“

Was tun, wenn einem der Schnee fehlt?
Auf virtuellen Schnee zurückgreifen. Entweder beim Besuch einer Indoor-Skihalle, mit einer Schneekugel oder Filmen wie „Fräulein Smillas Gespür für Schnee“ oder „Schnee, der auf Zedern fällt“. Für den CD-Player eignen sich Stacey Kents „Ice hotel“ , „Winter Poem“ von Secret Garden sowie „50 Words for snow“ von Kate Bush.