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Panorama Sieben Jahre Haft für Angeklagten im Leonie-Prozess
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14:11 11.12.2009
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Ohne äußerliche Regung hat der 41-jährige Angeklagte im Leonie-Prozess das Urteil aufgenommen: Er muss sieben Jahre in Haft, weil er nach Auffassung des Hildesheimer Landgerichts den Tod seiner vierjährigen Stieftochter im November 2007 zu verantworten hat. Wegen Körperverletzung mit Todesfolge und gefährlicher Körperverletzung sprach ihn die Kammer unter Vorsitz der Richterin Karin Brönstrup am Freitag schuldig.

Die Staatsanwaltschaft hatte sieben Jahre Haft gefordert, die Verteidigung hingegen auf Freispruch plädiert. Verteidiger Oliver Hille sagte, der Bundesgerichtshof (BGH) werde sich erneut mit dem Fall befassen müssen. „Wir stehen jetzt da, wo wir schon einmal waren“, fügte Hille hinzu.

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Der mittlerweile vom Dienst suspendierte Polizist und heutige Ehemann der Mutter Leonies saß bereits im vergangenen Jahr wegen der Vorwürfe auf der Anklagebank im Hildesheimer Landgericht. Im ersten Verfahren war er im Oktober 2008 zu siebeneinhalb Jahren Haft verurteilt worden, weil er nach Auffassung des Gerichts Leonie derart heftig misshandelt hatte, dass sie im November 2007 an den Folgen einer Gehirnblutung starb. Der BGH hob das Urteil jedoch auf und verwies es an eine andere Kammer des Hildesheimer Landgerichts zurück.

Die Kammer unter Führung von Brönstrup kam zu dem Schluss, dass es an der Schuld des Angeklagten keine Zweifel gebe. Aus Eifersucht auf den neuen Freund ihrer Mutter und aus Sorge, deren Liebe teilen zu müssen, sei Leonie im Laufe der Zeit schwierig geworden, sagte Brönstrup. Gegen den Willen des Kindes waren Leonie und ihre Mutter in die Wohnung des Angeklagten gezogen. Leonie habe ihr Missfallen der Situation „nur mit den Mitteln einer Vierjährigen“ deutlich machen können, sagte Brönstrup.

Das häufige Weinen des Mädchens, das trotzige Verhalten und schließlich das Einnässen und Einkoten seien Hilferufe gewesen, die an der Mutter und am Angeklagten abgeprallt seien. Der 41-Jährige habe sich zusehends provoziert gefühlt und Leonie mit Gewalt disziplinieren wollen. Brönstrup sagte zum Angeklagten: „Sie konnten es sich nicht eingestehen, dass eine Vierjährige Sie an den Rand ihrer Kräfte bringt.“

Ausführlich zeichnete die Richterin die zeitliche Abfolge der schweren Misshandlungen nach, die zu Leonies Tod geführt hatten. Demnach schlug der Angeklagte Leonie am 21. November 2007 derart heftig, dass der Schläfenmuskel des Kindes zertrümmert wurde und Leonie eine Blutung unter der harten Hirnhaut erlitt. Einige Tage später, am 26. November, habe der Angeklagte das „zarte Kind“ aus Wut darüber geschüttelt, dass es sich nach einem Bad erneut eingekotet hatte. Leonie erlitt Brönstrups Schilderungen zufolge ein Trauma, erbrach sich, fiel ins Koma. Sie starb zwei Tage später an den Folgen ihrer schweren inneren Kopfverletzungen.

Brönstrup schloss ihre Ausführungen mit einer Frage an den Angeklagten, die wohl auch die Dutzenden Zuschauer im Gerichtssaal bewegte: „Wie konnte es soweit kommen?“ Der Angeklagte schwieg, senkte den Kopf. „Das Urteil ist das, was wir erwartet haben“, sagte der Anwalt des leiblichen Vaters von Leonie, der als Nebenkläger aufgetreten war.

ddp

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