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Panorama Serienmörder aus Frankreich: Rätsel um den „Pockennarbigen“ ist gelöst
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19:03 04.10.2021
Französische Polizisten (Archivfoto).
Französische Polizisten (Archivfoto). Quelle: picture alliance / Eibner-Pressefoto
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Paris

Man kannte bislang nur sein Phantombild und suchte ihn als „den Pockennarbigen“ („le grêlé“), denn Zeugen war seine durch Akne vernarbte Gesichtshaut aufgefallen. Mindestens drei Morde und fünf Vergewaltigungen überwiegend junger Mädchen im Großraum Paris in den Achtziger- und Neunzigerjahren gingen auf sein Konto. Trotz Fingerabdrücken und DNA-Spuren bekamen die Ermittler den französischen Serienmörder und Vergewaltiger jahrzehntelang nicht zu fassen. Bis jetzt.

Am Donnerstag wurde in einer Mietwohnung in Südfrankreich die Leiche eines Mannes gefunden, der sich mit Medikamenten das Leben genommen hatte. Er hinterließ einen Abschiedsbrief. „Ich gestehe, ein großer Krimineller zu sein, der bis Ende der Neunzigerjahre unverzeihliche Taten begangen hat“, hieß es darin.

Ein Abgleich seiner DNA brachte Gewissheit: Es handelte sich um den pensionierten Polizisten François Verove – und den „Pockennarbigen“, der Cécile Bloch (11), das deutsche Au-pair-Mädchen Irmgard Müller (20) und ihren Arbeitgeber, den 38-jährigen Gilles Politi, erwürgt hatte.

Mehrere weitere Mädchen vergewaltigte er, ohne sie zu töten. Die Überlebenden sagten aus, der Täter habe sich als Polizist vorgestellt. Die 14-jährige Marianne vergewaltigte er in der Wohnung ihrer Familie, wo er sie mit Handschellen gefesselt zurückließ; die elfjährige Ingrid, die auf dem Fahrrad unterwegs war, zwang er, in sein Auto zu steigen, die achtjährige Sarah traf er im Aufzug ihres Wohnhauses und zerrte sie in den Keller.

Verhaftung durch Suizid zuvorgekommen

Wegen mehrerer Indizien konzentrierte eine Untersuchungsrichterin, die 2014 die Ermittlungen wieder aufnahm, ihre Suche auf Gendarmen, die in der Zeit der Mordserie in Paris tätig waren. 750 Männer wurden vorgeladen, um eine DNA-Probe abzugeben – unter ihnen Verove. Kurz vor seinem Termin verschwand er, seine Frau meldete ihn als vermisst. Offensichtlich war er durch seinen Suizid der eigenen Verhaftung zuvorgekommen.

„Es ist einerseits frustrierend zu wissen, dass er all die Jahre der Justiz entkam und es keinen Prozess gegeben hat, aber andererseits eine Erleichterung, dass er endlich von seinen Verbrechen eingeholt wurde“, sagte Jean-Claude Disses, Anwalt der Familie von Cécile Bloch.

Nachbarn und Kollegen von Verove reagierten fassungslos: Der zweifache Familienvater galt als ruhig und angenehm. Seine vernarbte Haut kaschierte er mit einem Bart. In seinem Abschiedsbrief versicherte der 59-Jährige, er habe seit 1997 „nichts mehr gemacht“. Fieberhaft wird nun nach ungelösten Verbrechen gesucht, die ebenfalls auf sein Konto gehen könnten.

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Telefonhotline (kostenfrei, 24 h), auch Auskunft über Hilfsdienste:

0800 - 111 0 111 (evangelisch)

0800 - 111 0 222 (römisch-katholisch)

0800 - 111 0 333 (für Kinder/Jugendliche)

Im Internet: www.telefonseelsorge.de

Von Birgit Holzer/RND

Der Artikel "Serienmörder aus Frankreich: Rätsel um den „Pockennarbigen“ ist gelöst" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.